20.03.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Appenzell Ausserrhoden
«So macht Arbeit richtig Freude»
Rund 50 Prozent der Schweizer Kuhställe sind noch Anbindeställe. Wie sie mit wenig Aufwand an moderne Vorstellungen des Tierwohls angepasst werden können, zeigt das Ehepaar Melanie und Jürg Höhener aus Gais AR.

Im Stall von Melanie und Jürg Höhener in Gais herrscht eine angenehme Wärme, die bei eisiger Kälte im Freien aber nichts mit der Temperatur zu tun hat. Vielmehr wird spürbar, dass sich hier 30 Kühe rundum wohl fühlen. Die einen liegen im Stroh, andere stehen und fressen einen Happen, wieder andere sind am Wiederkäuen. Viel zu diesem angenehmen Klima trägt der helle und offene Raum bei.

Umbau war nötig

Die Situation war aber nicht immer so ideal. Denn nicht erst vor zwei Jahren stellten die beiden fest, dass mit ihrem rund 40 Jahre alten Anbindestall etwas geschehen muss. «Die Bausubstanz war noch vollkommen in Ordnung», erzählten sie, als die Gruppe der IG Anbindestall eingetroffen war. «Die Stalleinrichtung aber lotterte überall.» Schnell war der Gedanke an einen neuen Laufstall aufgetaucht.

Ein Jahre lang planten die beiden, nur um dann ernüchtert festzustellen, dass dieser mit rund einer Million Franken nicht infrage kam. «Deshalb liessen wir uns von Christian Manser vom Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen beraten. Ziel war, eine machbare Lösung für unseren Anbindestall zu finden.» Dieses Gespräch und ein Besuch in einem bereits umgebauten Stall überzeugten die beiden dermassen, dass sie letzten Sommer ihren Umbau in Angriff nahmen.

Vier Liegeplätze weniger

Zu den auffälligsten Veränderungen gehört, dass Melanie und Jürg Höhener die Futterkrippe, welche die Tiere nach vorne einengte, durch einen Futtertisch ersetzt haben. Dadurch kommen die Tiere besser ans Futter, bekommen mehr frische Luft und haben eine bessere Sicht. Weil Höheners auf vier Liegeplätze verzichteten, hat jedes einzelne Tier zudem in der Breite mehr Platz zur Verfügung.

«Als Folge liegen sie gerade und können auch besser aufstehen», erzählten die beiden. «Im Liegebereich haben wir eine solide, rund 35 Zentimeter tiefe Matratze eingerichtet, auf die wir das Stroh streuen.» Kommt dazu, dass jede Kuh ihren Platz hat und ungestört fressen sowie trinken kann.

Viel Eigenleistung

Nicht nur den Tieren ist mit diesen Anpassungen aber viel wohler. Die Umbauten waren nämlich zu einem grossen Teil mit Eigenleistungen möglich. Dadurch reduzierten sich die Fremdkosten um ein Vielfaches auf 54 000 Franken. Alles in allem ist heute die Begeisterung der beiden gross. «So macht die Arbeit in unserem Stall noch mehr Freude. Wir gehen davon aus, dass wir nun für viele Jahre gut eingerichtet sind.»

Tiere fühlen sich wohl

Höheners sind nicht die ersten, die durch die Unterstützung von Christian Manser zu einer optimalen Umgestaltung ihres Anbindestalls gekommen sind. «Solche Anpassungen sind die Zukunft dieser Kuhhaltungsart», betonte er. «Die Tiere fühlen sich offensichtlich wohl, müssen aber zwingend auch die Möglichkeit haben, ins Freie zu gehen.» Er hebt hervor, dass die Kühe bei Höheners mit dem 1,25 Meter breiten Liegeplatz mehr Raum zur Verfügung haben als in vielen Laufställen.

Besonders freut ihn aber, dass mit solchen Veränderung die Tiere umgänglicher und entspannter werden. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Landwirte. «Wenn es dem Tier gut geht, so fühlt sich auch der Bauer wohl. Es stimmt einfach, dass glückliche Kühe auch glückliche Bauern zur Folge haben.» Manser ist deshalb überzeugt, dass die Anbindeställe eine Zukunft haben. «Mit den richtigen Massnahmen haben sie noch lange ihre Berechtigung. Das müssen sie auch, denn immerhin leben heute noch rund die Hälfte der Schweizer Kühe in einem Anbindestall.»

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