3.07.2019 14:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/pd
Sömmerung
So schützen Sie sich als Tierhalter
Ein österreichischer Landwirt, der zu einer Schadenersatzklage von einer halben Million Franken verurteilt worden, sorgte für Aufsehen. Schweizer Tierhalter werden zur Vorsicht geboten. Sie sind grundsätzlich haftbar, wenn sie nicht die nötigen Vorsichtsmassnahmen treffen, teilt der Schweizer Bauerverband mit.

Anfang 2018 wurde der Landwirt aus dem Bundesland Tirol in erster Instanz zu einer Schadenersatzzahlung von fast einer halben Million Franken verurteilt, weil eines seiner Tiere 2014 eine deutsche Touristin tödlich verletzt hatte. 

Auch in der Schweiz haften Tierhaltende gemäss Obligationenrecht (Art. 56 OR) grundsätzlich für Schäden ihrer Tiere. Dies, sofern der Tierhalter nicht nachweisen können, dass sie sämtliche, objektiv notwendigen und durch die Umstände gebotenen Vorsichtsmassnahmen getroffen haben.

Gefahrenstellen eliminieren

Dabei werden in der Rechtssprechung Empfehlungen der Branche wie die Checkliste beigezogen. Rindviehhalter sollten sich deshalb mit dieser Checkliste «Rindvieh und Wanderwege» auseinandersetzen, teilt der Schweizer Bauernverband in einem Communiqué mit.

Der Ratgeber ist ein Hilfsmittel für alle Rindviehhalter, Alpverantwortlichen und Hirten, die Rindvieh im Wandergebiet halten. Gefahren für Drittpersonen, die sich im Weidegebiet aufhalten, sollen so bereits vor der Weidesaison erkannt und eliminiert werden. Durch eine gründliche Risikobewertung und die Umsetzung der notwendigen Massnahmen kann negativen Zwischenfällen zwischen Rindvieh und Wandernden vorgebeugt werden, heisst es in der Checkliste.

Art. 56 Haftung für Tiere / I. Ersatzpflicht

I. Ersatzpflicht

1 Für den von einem Tier angerichteten Schaden haftet, wer dasselbe hält, wenn er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung angewendet habe, oder dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre.

2 Vorbehalten bleibt ihm der Rückgriff, wenn das Tier von einem andern oder durch das Tier eines andern gereizt worden ist.

Empfehlungen für Rindviehhalter 

• Führen Sie die Gefahrenbeurteilung mit Massnahmenplanung und -umsetzung frühzeitig vor Beginn der Weidesaison durch. 
• Merzen Sie Tiere mit aggressivem Verhalten konsequent aus. 
• Pflegen Sie intensiven Kontakt zu den Tieren. Führen Sie regelmässige Kontrollgänge durch. 
• Halten Sie nur unauffällige und ruhige Tiere auf Weiden mit Wanderwegquerungen. 
• Halten Sie Mutterkühe mit jungen Kälbern nur auf Weiden ohne Wanderwegquerung. 
• Beobachten Sie mitlaufende Zuchtstiere sorgfältig, besonders bei brünstigen Kühen. 
• Falls Sie Ihre Kühe auf einer Alp sömmern, die nicht für Abkalbungen eingerichtet ist, planen Sie die Abkalbungen ausserhalb der Sömmerungsperiode. 
• Beachten Sie den Leitfaden «Alpung von Mutterkühen» von Mutterkuh Schweiz bei zu alpenden Mutterkuhherden. 
• Berücksichtigen Sie die touristische Frequentierung von Wanderwegen im Weidegebiet, z.B. starke Nutzung von Familien mit Kindern, Hundeführern, älteren Personen. 
• Trennen Sie wenn möglich Wasserstellen, Lagerplätze und Stallungen räumlich von Wanderwegen und Zaundurchgängen.

Empfehlungen für Verantwortliche von Sömmerungsbetrieben 

• Abkalbungen auf der Alp dürfen nur auf dazu eingerichteten Alpen stattfinden. Stellen Sie dafür geeignete Weiden ohne Wanderwegquerung bereit. 
• Lassen Sie Tiere mit aggressivem Verhalten umgehend durch ihre Besitzer von der Alp entfernen. 
• Erstellen Sie für Ihren Alpbetrieb ein Reglement mit den wichtigsten Vorgaben zur Sömmerung von Rindvieh und Mutterkühen. Halten Sie darin fest, ob Abkalbungen möglich sind. Verlangen Sie die Belegungs-, bzw. Abkalbedaten schriftlich. 
• Überprüfen Sie die Kenntnisse Ihres Alppersonals und instruieren Sie dieses im Umgang mit Rindvieh und und die Gefahren für Drittpersonen. Halten Sie die Mitarbeiterinstruktionen schriftlich im agriTOP-Handbuch fest.

-> Hier können Sie die gesamte Checkliste runderladen

Checkliste hat sich bewährt

Handlungsbedarf besteht gemäss SBV speziell, sobald offizielle Wanderrouten, Bikestrecken, usw. durch Rindviehweiden führen. Allenfalls ist eine Rücksprache mit den Wanderwegverantwortlichen oder der Gemeinde notwendig. «Wichtig ist: Gehen Sie als Tierhalter immer davon, dass Drittpersonen über wenig bis gar keine Kenntnisse im Umgang mit Rindvieh verfügen», hält der SBV fest. Die getroffenen Massnahmen sollen dokumentiert werden. 

Die Checkliste «Rindvieh und Wanderwege» orientiert sich an den geltenden Sicherheits- und Unfallpräventionsvorschriften. «Bisherige juristische Verfahren zeigen, dass die Checkliste und die getroffenen Massnahmen in Schadenfällen als wichtige Elemente in der Rechtsprechung miteinbezogen werden. Sie hat sich bewährt», hält der SBV fest. 

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