Sonntag, 29. November 2020
26.11.2016 07:13
MIlchkühe

So wenige Milchkühe wie noch nie

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Von: Jonas Ingold, LID

Die Schweiz ist bekannt für ihre Milchkühe. Doch noch nie seit Beginn der Erfassung gab es davon so wenige wie dieses Jahr.

Knapp 566’000 Milchkühe wurden diesen Oktober in der Schweiz gezählt, wie die Statistik der Tierverkehrsdatenbank (TVD) zeigt. Die Zahlen befinden sich damit wie das ganze Jahr über deutlich unter den Vorjahres-Werten. „Der Milchkuhbestand lag seit Beginn der Erfassungen Ende der achtziger Jahre noch nie so tief“, bestätigt Reto Burkhardt, Kommunikationsleiter bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Einen Grund für die tiefe Anzahl Kühe zu finden, ist schwer. Möglich ist, dass wegen der tiefen Milchpreise einige Produzenten ihre Kühe früher geschlachtet haben. Auch Betriebsaufgaben oder normale Schwankungen können eine Rolle spielen.

Weniger Kühe – weniger Milch?

Nun könnte man annehmen, dass auch die Milchmenge auf einem Rekordtief liegen müsste. Doch die einfache Gleichung „Weniger Kühe gleich weniger Milch“ stimmt so nicht.

Bisher hat der Strukturwandel in der Milchwirtschaft zu weniger, dafür grösseren Betrieben geführt, die mehr Milch liefern. Die heutigen Betriebe würden sehr professionell arbeiten und die Haltung inklusive Fütterung dem Umfeld anpassen, sagt Burkhardt. Auch sei die Genetik der Kühe immer besser geworden, weshalb die Milchmenge trotz weniger Tiere gehalten oder gar gesteigert werden konnte.

Doch hierzulande ist kein quasi unbeschränktes Leistungswachstum möglich. „In der Schweiz als Grasland soll die Fütterung primär auf Gras und einheimischem Raufutter basieren. Dabei soll der Einsatz von Kraftfutter so gehalten werden, dass eine gesunde und ausgewogene Fütterung erreicht werden kann“, sagt Burkhardt und schliesst daraus: „Das heisst, dass in der Schweiz die Leistung einer Kuh nicht unendlich gesteigert werden kann. Deshalb wird die abnehmende Zahl der Kühe irgendwann auch zu einer kleineren Menge Milch führen.“

Konsumenten wollen kleinere Betriebe

Auch die Schweizer Topographie und die Vorliebe vieler Konsumentinnen und Konsumenten nach Produkten, die von kleineren Betrieben stammen, setzt dem Betriebswachstum ein „natürliches“ Ende. „Die Schweizerinnen und Schweizer wollen lieber Milch von Betrieben, auf denen eine Kuh noch einen Namen hat“, sagt Burkhardt.

Er weist zudem daraufhin, dass sich die Milchbetriebe auch innerhalb der Schweiz deutlich unterscheiden. So mag es für einen Betrieb sinnvoll sein, etwas weniger Leistung pro Kuh zu haben, während andere auf höhere Effizienz setzen. „Eine einzige richtige Lösung für die Schweizer Betriebe gibt es also nicht“, so Burkhardt.

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