10.06.2014 14:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Adi Lippuner
St. Gallen
Sommerfrische in der Schweiz
Schweizer und Liechtensteiner Rinder auf Vorarlberger Alpen gehören im Nachbarland Österreich seit Jahrzehnten einfach dazu. Diesen Sommer werden nur wenige Tiere ihre «Sommerfrische» ennet der Grenze verbringen.

Auf den Alpen am Arlberg, aber auch im Montafon verbrachten in der Regel bis zu 1500 Rinder aus der Schweiz und Liechtenstein ihren Sommer. Doch seit Rinder-TBC, vermutlich übertragen durch Rotwild, festgestellt wurde, verzichten die meisten Schweizer und Liechtensteiner Bauern auf die bewährte Zusammenarbeit. Denn Ziel jedes Tierbesitzers ist es, dass seine Kühe und Rinder im Herbst gesund und vital von der Alp in den heimatlichen Stall zurückkehren.

Die Angst, infizierte Tiere zu haben, aber auch die verschärften Vorschriften beim Grenzübertritt und nicht zuletzt die Verlagerung der Beitragszahlungen im Zusammenhang mit der Agrarpolitik 14–17 haben dazu beigetragen, dass die Tiere ihre diesjährige «Sommerfrische» im eigenen Land geniessen werden.

Mehr Jungvieh

Eine Umfrage bei verschiedenen Stellen hat zwar keine genauen Zahlen, dafür aber Trends ergeben. Grund für das Fehlen von konkreten Angaben ist die Tatsache, dass der Tierverkehr erst beim «Verstellen», also dem Transport auf die jeweilige Alp, über die elektronische Datenbank erfasst wird.

Markus Hobi, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums St.Gallen (LZSG) in Salez und Vorsitzender der Alpwirtschaftskommission des St.Galler Bauernverbands, dazu: «Auf den Sarganserländer Alpen, vor allem auf den Jungviehalpen, sind mehr Anmeldungen für den diesjährigen Alpsommer vorhanden als im Vorjahr.» Andreas Widmer, Geschäftsleiter des St.Galler Bauernverbands, auf Anfrage: «Wir haben im Winter und im Frühjahr verschiedenen Betrieben Adressen von Alpen mit freier Kapazität vermittelt. Die Tiere werden je zur Hälfte im eigenen Kanton und in Graubünden einen Platz gefunden haben.»

Insgesamt 60 Tiere

Konkrete Angaben gibt es von Martin Kaiser aus dem liechtensteinischen Schellenberg. Er ist Alpmeister der Alp Dürrwald im Silbertal. «Bisher haben unsere Bauern ihr Jungvieh auf der gemeindeeigenen Alp im Silbertal gesömmert. Dieses Jahr wird darauf verzichtet. Es haben alle einen Platz im Liechtensteiner Berggebiet gefunden.» Und wie schaut die Situation im Montafon aus? «Wir haben für unsere Alp Dürrwald einen Bauern aus Vorarlberg gefunden, der insgesamt 60 Tiere (Mutterkühe mit Kälbern) auf unsere Alp bringen wird», sagt Martin Kaiser.

Weniger gut schaut es für die anderen Alpen in den von TBC betroffenen Gebieten aus, bisher liegen die Anmeldungen erst bei rund 50 Prozent der Vorjahre. «Das ist für unsere Alpen ein nicht unerhebliches Problem», erklärt der Silbertaler Bürgermeister Thomas Zudrell. «Eine ausreichende Bewirtschaftung ist wichtig, damit diese nicht verganden.»

Zwei Gesuche

An der Alpbestossung in Vorarlberg festhalten werden Kurt Rohner und Peter Kuster aus Diepoldsau. «Auch diesen Sommer bringen wir insgesamt 120 Tiere auf den Wöster im Bregenzerwald, wie wir dies schon seit 40 Jahren tun», ist die Auskunft. Die Alp sei nicht in einem von der Krankheit betroffenen Gebiet, und zudem habe es wichtige Vorteile, wenn statt der Verteilung von Tieren auf verschiedene Alpen alle ans gleiche Ort gebracht werden könnten.

Gemäss Auskunft des St.Galler Kantonstierarztes Albert Fritsche liegen zurzeit zwei Gesuche für die Sömmerung in Vorarlberg für insgesamt 20 Tiere vor. Diese würden aber nicht ins «Kerngebiet», also dort, wo letztes Jahr die TBC-Fälle auftraten, gebracht. Sein Berufskollege, der Vorarlberger Landesveterinär Norbert Greber, bestätigt, dass im Tiroler Lechtal die ersten TBC-Fälle beim Rotwild und auch beim Vieh festgestellt wurden. Von dort habe sich dann der Erreger entlang der Rotwildbestände ausgebreitet.

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