31.08.2017 14:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Sandra Steffen-Odermatt
Luzern
Sorgt bei 2000 Kühen für gute Klauen
Stefan Krummenacher ist seit 15 Jahren nebenberuflich als Klauenpfleger zwischen Wolhusen LU und Langnau BE unterwegs.

Schon als Kind war Stefan Krummenacher vom Klauenpflegen fasziniert. Wenn der Nachbar auf den Hof kam, um die Klauen der Kühe zu bearbeiten, stand er stets daneben und verfolgte das Geschehen.

Als 19-Jähriger Hof übernommen

Bereits als 19-Jähriger musste er den Hof übernehmen, da sein Vater verstarb, noch während er in der Ausbildung zum Landwirt war. Er arbeitete dann da und dort, bei einem Dachdecker und anderswo. Eines Tages meinte ein Nachbar, Stefan solle den Klauenstand bei ihm holen und selber die Klauen seiner Tiere schneiden.

Im Jahr darauf besuchte er den ersten Kurs der Schweizerischen Klauenpflegervereinigung (SKV) und absolvierte sodann alle Kurse und die Profi-Prüfung zum Klauenpflege-Fachmann. Auch heute noch besucht er wenn irgendwie möglich die jährlichen Weiterbildungen der SKV und schätzt besonders den Fachaustausch und die Diskussionen mit anderen Klauenpflegern.

Bauern immer mehr unter Druck

Mit der Hoffnung, bald mindestens fünf Kunden zu finden, startete Stefan Krummenacher vor 15 Jahren den selbstständigen Nebenerwerb als Klauenpfleger. Bereits im ersten Jahr wurden seine Erwartungen weit übertroffen, heute pflegt er jährlich die Klauen von etwa 2000 Kühen, und es werden stetig mehr, denn im letzten Jahr hat ein Klauenpfleger in Schüpfheim den Nebenerwerb aufgegeben, und Urs Salzmann aus Hasle war überraschend verstorben. Letzterer war auch Kurs-Instruktor und bildete angehende Landwirte und Klauenpfleger an den landwirtschaftlichen Schulen aus.

Betriebsspiegel

Stefan Krummenacher bewirtschaftet in Escholzmatt 14,6 ha Fläche in den Bergzonen 1 und 2, grösstenteils arrondiert. Im Stall stehen 12 Milchkühe sowie 10 bis 12 Stück Jungvieh, das im Sommer z Alp geht. Milchlieferung an ZMP (Industriemilch), 63 Mastschweine. sst

Stefan Krummenacher erlaubt sich heute, Neukunden gezielt auszuwählen. Am liebsten sind ihm Betriebe in der Nähe, bevorzugt Milchkühe, da diese meist umgänglicher seien als Mutterkühe. Wobei der Umgang der Landwirte mit den Tieren entscheidenden Einfluss habe. «Dass immer mehr Landwirte heute zeitlich und finanziell unter Druck sind, bereitet mir Sorge. Ich stelle fest, dass diese Entwicklung auch gewisse Auswirkungen auf den Umgang der Bauern mit den Tieren hat und dass Klauenkrankheiten häufiger zum Problem werden, weil die Bauern aus Belastungsgründen nicht frühzeitig und konsequent handeln.» 


Stand weiterentwickelt

Werde beispielsweise die Krankheit Mortellaro, die Erdbeerkrankheit, nicht sofort und täglich behandelt, könne diese sich innert kürzester Zeit auf mehrere Tiere verbreiten. An seinem Nebenerwerb gefällt dem Jungbauern, dass er seine Zeit selber einteilen kann, die Hauptarbeit fällt von März bis Mai an, sobald der Schnee weg ist und bevor die Kühe auf die Weide können. Zwar sei es eine Routinearbeit, aber kein Tier sei gleich wie das andere, und es sei lehrreich, verschiedene Bauernbetriebe zu sehen.

Der 35-jährige ist mit einem Klauenstand von Berweger unterwegs, den er selber weiterentwickelt hat. Ist die Kuh im Stand drin, wird dieser mit hydraulischen Stützen hochgehoben, sodass Stefan Krummenacher aufrecht stehend an der Kuh arbeiten kann. Macht die Dame ihr Geschäft, prallt dieses an einem Blech ab und läuft seitlich durch ein Rohr weg, direkt in einen Kessel. Auch die Füsse der Kühe können elektrisch hochgekurbelt werden. Die Schleifmaschine kann er an einer beweglichen Stange, die über dem Stand schwebt, aufhängen. 

Klauenpflegervereinigung

Die Schweizerische Klauenpflegervereinigung (skv aspo) tagt heute im Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung BBZN in Schüpfheim. Am Vormittag beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Zusammenarbeit zwischen Klauenpfleger und Tierarzt und lassen sich bei einer Demonstration den «Klauenmanager», eine Software aus Österreich zur Dokumentation der Klauengesundheit, vorstellen. Am Nachmittag steht die Generalversammlung der SKV auf dem Programm. Die SKV wurde 1999 anlässlich der Schweizerischen Tierärztetage von 85 Klauenpflegern und Tierärzten gegründet und umfasst heute 168 Mitglieder. Der Verein bezweckt eine einheitliche und gute Aus- und Weiterbildung für Klauenpfleger nach der sogenannten «funktionellen Klauenpflege», einem 5-Punkte-Schema. Dazu arbeitet der Verein eng mit Tierärzten, Fachorganisationen, Tierspitälern und landwirtschaftlichen Schulen zusammen. www.klauenpflege.ch sst

 

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