8.08.2014 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Stallbau
Stallklima falsch eingeschätzt
Oft ist es im Stall heisser als draussen. Deshalb wird Hitzestress bei Milchvieh unterschätzt. Das zeigt eine Studie.

In vielen Milchviehbetrieben führt Hitzestress in den Sommermonaten zu grossen wirtschaftlichen Einbussen. Hitzestress hat neben einem negativen Effekt auf das Allgemeinbefinden vor allem negative Einflüsse auf die Futteraufnahme, die Milchleistung sowie die Fruchtbarkeit von Milchkühen.

Keine Daten aus Europa

Hitzestress wird laut einer Mitteilung der Tierklinik für Fortpflanzung der Technischen Universität (TU) München anhand des Temperatur-Feuchtigkeits-Indexes (THI, Temperature-Humidity-Index) bestimmt. Die Mehrheit der Studien, die sich mit Hitzestress bei Milchkühen beschäftigen, wurde in tropischem oder subtropischem Klima durchgeführt.

Über den Einfluss von Hitzestress in den gemässigten Breiten ist wenig bekannt, obwohl auch hier in den Sommermonaten intensive Hitzeperioden vorkommen. Die Klimadaten, anhand derer Hitzestress bestimmt wird, stammen in der Regel von einer Wetterstation in der Nähe des Stalles. Bisher ist allerdings nicht bekannt, inwieweit solche Klimadaten die klimatische Situation im Stall zutreffend beschreiben.

Deshalb hat die TU in einer Studie die Klimadaten (Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, resultierender THI) über einen Zeitraum von zwei Jahren innerhalb eines Milchviehstalles erhoben und mit den Klimadaten der nächstgelegenen Wetterstation verglichen. Zusätzlich wurden die Klimadaten zwischen sieben Milchviehställen unterschiedlicher Bauart und der jeweils nächstgelegen Wetterstation sowie zwischen vier verschiedenen Stallabteilungen innerhalb eines Betriebes verglichen.

Grenzwert überschritten

Die Lufttemperatur war im Stall um 6,4°C höher, die relative Luftfeuchtigkeit war im Stall um 0,2 Prozent niedriger; der THI war im Stall um 11,1 Punkte höher als an der nächstgelegenen Wetterstation. Im Stall wurde der Grenzwert für Hitzestress an 8,5 Prozent der Studientage überschritten, verglichen mit nur 0,5 Prozent an der nächstgelegenen Wetterstation.

Auch im Vergleich der Klimadaten von sieben verschiedenen Milchviehställen mit den Klimadaten der jeweils nächstgelegenen Wetterstation waren die Lufttemperatur, der THI sowie die Anzahl der Hitzesteress-Tage in allen Ställen signifikant höher als an der nächstgelegenen Wetterstation. Beim Vergleich des Klimas zwischen vier verschiedenen Stallabteilungen eines Betriebes waren die Lufttemperatur und der THI in der Hochleistungsgruppe und im Warteraum signifikant höher als in der Kolostrumgruppe und im offenen Abkalbestall.

Bisher unterschätzt

Das Fazit der TU: Hitzestress spielt auch bei Milchkühen in Stallhaltung auch in Ländern mit moderatem Klima eine grosse Rolle. Vermutlich, so die TU, wird Hitzestress bisher in seiner Dauer und Intensität unterschätzt.

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