30.10.2017 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Strengere Strafen bei Viehschauen?
Mit Ultraschallmessungen können mehr oder weniger stark überladene Euter objektiv erkannt werden. An vier grossen Schauen wurden bei 23% der Spitzentiere Euterödeme festgestellt. Müssen Züchter, die die Regeln verletzen, strenger bestraft werden? Reicht dies aus, um übervolle Euter zu verhindern? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Überlange Zwischenmelkzeiten und überladene Euter an Viehausstellungen beschäftigen die Viehzuchtszene und die Tierschützer schon lang. So richtig in die Schlagzeilen geriet das Thema durch einen Bericht des Schweizer Tierschutzes. Dem Thema nahmen sich in der Folge auch nationale Medien an, vor allem die Sendung «Kassensturz» vom Schweizer Fernsehen SRF. 

Kritik an Spitzenzucht

Anschliessend gab es kontroverse Diskussionen, die Spitzenzucht wurde von Politik und Medien stark kritisiert. Übervolle Euter beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere. Dies ging aus einer Studie der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät vom 2016 der Universität Bern hervor. Dies befeuerte die Diskussionen zusätzlich.

Nun hat die Vetsuisse-Fakultät Bern die Resultate einer Studie veröffentlicht, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) durchgeführt wurde. Prof. Dr. Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät untersuchte in den vergangenen Monaten an verschiedenen Schauen die Euter mit Ultraschall, nahm Blut und untersuchte, ob die Kühe Medikamente, Entzündungshemmer und Entwässerungsmittel erhalten haben.

Wohlbefinden der Kuh beeinträchtigt

Für die Studie wurden 321 toprangierten Kühe an vier Milchvieh-Ausstellungen (Swiss Expo 2017, Tier&Technik 2017, BRUNA 2017, Swiss Red Night 2017) untersucht. Bei 72 Kühen (23%) wurde mittels Ultraschall ein Euterödem nachgewiesen. Die bei der Bruna vorgeschriebene kategorienweise Festlegung eines frühestmöglichen Melkzeitpunktes führte zu einer Halbierung der Anzahl Kühe mit Anzeichen von überladenem Euter.

„Die beiden Studien haben gezeigt, dass die Untersuchung auf Euterödem per Ultraschall ein verlässliches Instrument zum Nachweis von überladenen Eutern ist. Denn je stärker das Euterödem ausgeprägt ist, desto grösser ist auch die Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Kuh zu werten“, lautet das Fazit der Studie.

Ultraschall erkennt Schweregrad

Gemäss Adrian Steiner, Leiter der Studie, konnte erstmals ein standardisiertes Ultraschall-Scoring-System entwickelt werden, das es erlaubt, verschiedene Schweregrade der Euterüberladung zu erkennen, wenn die Untersuchungen von geschulten Personen durchgeführt werden.

Die ASR will die Resultate der Studie in das Reglement einfliessen lassen. «Die Ultraschall-Untersuchung lässt erstmals eine objektive Bewertung der Euterbefüllung zu», sagte Markus Gerber von der ASR auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Änderungen im Ausstellungsreglement sollen auf Anfang November wirksam werden. Eine Herausforderung sei die Schulung von genügend Tierärzten mit dem Ultraschall-Gerät, so Gerber.

Neue Regeln erstmals an Swiss Expo

Die neuen Regeln sollen erstmals für die international bekannte Milchviehschau Swiss Expo von Mitte Januar 2018 in Lausanne gelten. Auch regionale Schauen sind auf dem Radar, so Gerber. Dort können etwa unangemeldete Stichprobenkontrollen durchgeführt werden. 

Züchter, welche sich nicht an die Regeln halten, können je nach Schweregrad sanktioniert werden. Als Sofortmassnahme ist laut Gerber etwa denkbar, dass zum Tierwohl das sofortige Melken angeordnet wird. In gravierenden Fällen müssen Tierhalter auch mit der Deklassierung ihrer Kühe rechnen.

Was denkt Ihr? Sollte die ASR strengere Bestrafungen für Züchter anordnen, die das Reglement verletzen? Müssten diese umgehend von der Schau ausgeschlossen werden? Sollten diese gar für mehrere Anlässe oder Monate gesperrt werden? Lösen Strafen das Problem von übervollen Eutern an der Viehschau? Oder braucht es einen Richtungswechsel an Schauen? Diskutiert mit und stimmt ab

86% Zitzen verklebt

Bei 72 Kühen (23 Prozent) wurde mittels Ultraschall ein Euterödem nachgewiesen. Die kategorienweise Festlegung eines frühestmöglichen Melkzeitpunktes durch die Organisatoren, wie es an der Bruna vorgeschrieben war, führte zu einer Halbierung der Anzahl Kühe mit Anzeichen von überladenem Euter. Bei 29 untersuchten Kühen (16 Prozent) wurden im Blut Entzündungshemmer nachgewiesen, was den Rückschluss auf eine Behandlung am Tag oder in den Tagen vor der Ausstellung zulässt. Bei 263 Kühen (86 Prozent) waren die Zitzen nach Angaben der Tierhalter mit Kollodium verklebt, damit die Milch während der Präsentation im Ring nicht aus den Zitzen tropft. Das Verkleben der Zitzen mit Kollodium ist laut dem ASR-Schaureglement zulässig.

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