23.10.2017 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Eutergesundheit
Studie: 23% hatten Euter überladen
In einer Studie der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern wurde an vier Milchvieh-Ausstellungen in der Schweiz der Euterfüllungsgrad, der Einsatz von Entzündungshemmern und Entwässerungsmitteln untersucht. Das wenig schmeichelhafte Resultat: 72 von 321 Tieren hatten ein überfülltes Euter. Die Rinderzüchter wollen die Resultate in das Reglement einfliessen lassen.

In den vergangenen Jahren wurden an Viehschauen immer wieder Kühe mit vollen Eutern beobachtet, welche überlange Zwischenmelkzeiten aufweisen. Auch in den nationalen Medien wurde darüber berichtet. Übervolle Euter beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere. Dies ging aus einer Studie der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät vom 2016 der Universität Bern hervor.

Im Auftrag von ASR und BLV

Eine Folgestudie wurde im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wiederum an der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern durchgeführt.

Prof. Dr. Adrian Steiner von der Vetsuisse-Fakultät untersuchte in den vergangenen Monaten an verschiedenen Schauen die Euter mit Ultraschall, nahm Blut und untersuchte, ob die Kühe Medikamente, Entzündungshemmer und Entwässerungsmittel, erhalten haben. Ziel der Studie ist es, eine Art Ausbildungsdokumentation für Kommissionen und Tierärzte als Lehrmaterial und Handlungsanleitung zu erstellen.

321 Tiere untersucht

«Überlange Zwischenmelkzeiten können dazu führen, dass Kuheuter überfüllt sind und sich Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme, unter der Euterhaut bilden können», hält Adrian Steiner fest. Weiter beeinträchtigen lange Zwischenmelkzeiten das Gehen und Stehen und das Fressverhalten der Kühe, die Zellzahl in der Milch steigt an und es tropft Milch aus unverklebten Zitzen.

Für die Studie wurden 321 Kühe an vier Milchvieh-Ausstellungen (Swiss EXPO 2017, Tier&Technik 2017, BRUNA 2017, Swiss Red Night 2017) untersucht. Bei 72 Kühen (23%) wurde mittels Ultraschall ein Euterödem nachgewiesen. Die bei der Bruna vorgeschriebene kategorienweise Festlegung eines frühestmöglichen Melkzeitpunktes führte zu einer Halbierung der Anzahl Kühe mit Anzeichen von überladenem Euter.

86% Zitzen verklebt

Bei 29 der untersuchten Kühe (16%) wurden im Blut Entzündungshemmer nachgewiesen. Dies lasse einen Rückschluss auf eine Behandlung am Tag oder in den Tagen vor der Ausstellung zu, so die Folgerung der Studienautoren. Bei 263 Kühen (86%) waren die Zitzen nach Angaben der Tierhalter mit Kollodium verklebt. Damit tropft die Milch während der Präsentation im Ring nicht aus den Zitzen. Das Verkleben der Zitzen mit Kollodium ist gesetzlich nicht geregelt.

„Die beiden Studien haben gezeigt, dass die Untersuchung auf Euterödem per Ultraschall ein verlässliches Instrument zum Nachweis von überladenen Eutern ist. Denn je stärker das Euterödem ausgeprägt ist, desto grösser ist auch die Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Kuh zu werten“, lautet das Fazit der Studie.

In Reglement einfliessen lassen

Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ASR hat die Resultate der Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern zur Euterfülle mit Interesse zur Kenntnis genommen. 

«Die Ultraschalluntersuchungen ermöglichen, für das Festlegen des Zulässigen auf verlässliche, wissenschaftlich untermauerte Daten basieren zu können. Die ASR hat die Erkenntnisse der Studie in ihr Ausstellungsreglement einfliessen lassen», heisst es im Communiqué der Rinderzüchter. «Die Ultraschall-Untersuchung lässt erstmals eine objektive Bewertung der Euterbefüllung zu», sagte Markus Gerber von der ASR auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Neue Regeln sollen für Swiss Expo gelten

Die Änderungen im Ausstellungsreglement sollen auf Anfang November wirksam werden, wie Gerber weiter sagte. Eine Herausforderung sei die zeitnahe Umsetzung, weil es noch nicht genügend Tierärzte gibt, die für die Ultraschall-Untersuchung geschult sind. Die erste grössere Milchviehschau, für die die neuen Regeln gelten, wird die Swiss EXPO Mitte Januar in Lausanne sein.

«Doch auch kleinere, regionale Veranstaltungen sind auf dem Radar», so Gerber. Dort können etwa unangemeldete Stichprobenkontrollen durchgeführt werden. Stellen die Tierärztinnen und Tierärzte bei Ausstellungskühen übervolle Euter fest, können sie je nach Schweregrad Sanktionen aussprechen. Als Sofortmassnahme ist laut Gerber etwa denkbar, dass zum Tierwohl das sofortige Melken angeordnet wird. In gravierenden Fällen müssen Tierhalter auch mit der Deklassierung ihrer Kühe rechnen.

ASR: Neues Reglement seit Januar 2017

Die ASR hat bereits auf den 1. Januar 2017 das Ausstellungsreglement verschärft.
Dieses ersetzte den Ehrenkodex. Die neuen Regelungen beinhalten Folgendes: «Die klare Reglementierung der erlaubten sowie der verbotenen Hilfsmittel; die Kontrolle der Euterfülle durch eine Kommission vor dem Betreten des Schaurings; ein Sanktionsschema mit klaren Vorgaben zum Ausschluss eines Tieres vor der Rangierung und bei schweren Vergehen einer Sperre des Ausstellers an sämtlichen Ausstellungen für die Dauer von 13 bis maximal 25 Monaten.»

Das Reglement erlaubt es unter anderem, dass bei Kontrollen beim Eingang in den Ring Tiere ausgeschlossen werden könnten. Das führt zu einem Ausschluss des betreffenden Tieres von der Ausstellung, nicht aber zu einer Sperre des Ausstellers. Eine Ausstellungssperre kann ausgesprochen werden wenn sich Züchter gegen die Weisungen der Kontrollkommission wirdersetzen, verbotenen Hilfsmitteln eingesetzt werden oder sonstige verbotene Handlungen vollzogen werden.

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