22.10.2014 14:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Milch
Studie beweist: Rohmilch schützt Babys vor Infektionen
Säuglinge, die rohe Kuhmilch bekommen, werden seltener krank als solche, die UHT-Milch trinken. Dies weist eine Langzeitstudie nach, an der auch Schweizer Forscher beteiligt sind. Die Wissenschaftler plädieren für neue Verfahren bei der Milchproduktion, die schützende Inhaltsstoffe bewahren - denn Rohmilch birgt Gefahren.

«Kinder, die unbehandelte Kuhmilch tranken, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte, Fieber und Mittelohrentzündungen», sagte Georg Loss von der Universität München (LMU), der am Basler Tropeninstitut (Swiss TPH) doktoriert hat, in einer Mitteilung der LMU.

UHT-Milch hat keinen Schutzeffekt

Am deutlichsten war der Effekt des Rohmilchtrinkens bei Schnupfen, Mittelohrentzündungen und Fieber, wie die Forscher im «Journal of Allergy and Clinical Immunology» berichten. Der Effekt war etwas schwächer, wenn die Eltern die Milch erwärmten. Pasteurisierte Milch, die industriell erhitzt wird, schützte noch vor fieberhaften Erkrankungen, während ultrahocherhitzte (UHT) Milch keinen Schutzeffekt mehr hatte.

Die Ergebnisse sind den Autoren zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren wie der Ernährung der Kinder. Für die Studie namens PASTURE hielten etwa tausend Mütter aus ländlichen Gegenden in der Schweiz, Bayern, Finnland, Frankreich und Österreich Ernährung und Gesundheit ihres Kindes bis zum ersten Lebensjahr wöchentlich fest.

Weniger Entzündungen

Im Blut von Einjährigen, die Rohmilch tranken, fanden die Mediziner weniger Entzündungsanzeichen. Höhere Entzündungswerte hängen mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie Asthma und Übergewicht zusammen, wie frühere Studien belegen. «Der Konsum von Rohmilch könnte also das Risiko senken, später an Asthma zu erkranken», sagte Loss.

Offenbar gebe es in Rohmilch hitzeempfindliche Inhaltsstoffe, die vor allem vor Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündung schützen. Beim Pasteurisieren wird Milch auf Temperaturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius erhitzt, UHT-Milch sogar auf 135 Grad Celsius. Das Erhitzen ist indes wichtig, um gefährliche Krankheitserreger abzutöten.

Unbehandelte Rohmilch gefährlich

Unbehandelte Rohmilch kann Krankheiten wie Listeriose, Tuberkulose und Durchfallerkrankungen sowie schwere Niereninsuffizienz auslösen. Die Forscher regen daher an, neue, schonende Verfahren bei der industriellen Milchverarbeitung zu entwickeln, das die schützenden Inhaltsstoffe erhält und die Krankheitserreger ausmerzt.

Generell ist Kuhmilch heute umstritten, weil Säuglinge und Kleinkinder allergisch darauf reagieren können. In der PASTURE-Studie hatten bis zum ersten Geburtstag aber nur zwei Prozent aller Kinder Allergien auf Kuhmilch oder andere Nahrungsmittel.

Kinder vom Land haben weniger Asthma

Die internationale PASTURE-Studie untersucht, warum Kinder vom Lande weniger unter Asthma und Allergien leiden. Etwa die Hälfte der Mütter lebt auf Bauernhöfen. Ihre Kinder werden bis zu ihrem zehnten Lebensjahr wissenschaftlich begleitet. Auch die Ernährung der Mütter während der Schwangerschaft wurde berücksichtigt.

Neben der LMU sind an PASTURE auch die Universität Basel und das Kinderspital St. Gallen beteiligt, sowie weitere deutsche, französische, finnische und österreichische Forscher.

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