7.04.2019 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Viehzucht
«Swiss Fleckvieh» unter Druck
Die als Swiss Fleckvieh definierte junge Rasse schrumpft wegen Kreuzungen. Braunvieh befindet sich in einer komfortablen Situation.

Kreuzungszucht hat eine lange Geschichte. Ab den 1970er-Jahren nutzten viele Fleckvieh- und Braunviehzüchter bei der Anpaarung die milchbetonte Genetik aus Amerika. Dies führte zu höheren Milchleistungen und grossrahmigen, jedoch weniger fleischigen Kühen.

Genetische Veranlagung übersteigt Futtergrundlage

Heute übersteigt auf etlichen Betrieben die genetische Veranlagung oft die eigene Futtergrundlage. Immer mehr Züchter setzen deshalb bei ihren milchbetonten Kühen Sperma von Stieren der Originalrassen ein. «Wir stellen tatsächlich fest, dass im Berggebiet vermehrt Original-Braunvieh-Stiere  bei braunen Kühen mit Brown-Swiss-Blutführung eingesetzt werden», bestätigt Martin Rust von Braunvieh Schweiz.

Eine neue braune, zweinutzungsbetonte Rasse, wie sie beim Fleckvieh mit Swiss Fleckvieh (SF) geschaffen wurde, sei aber nicht geplant. Mit der milchbetonten Zuchtrichtung Braunvieh (BV) und dem Zweinutzungstyp Original Braunvieh (OB) gebe es für verschiedene Produktionssysteme die ideale Kuh, sagt Rust. BV gelte, unabhängig, ob mit oder ohne Brown-Swiss-Blut, als Gesamtrasse. Das bedeutet, dass auch Paarungsprodukte zwischen OB und BV als reinrassig gelten und zur Herdebuchstufe A gehören.

RH-Anteil von 12,5 bis 87,49 Prozent

Die nicht rassentreue Zucht der roten Kühe bringt nun die kürzlich geschaffene Swiss-Fleckvieh-Rasse mit inzwischen fast geschlossenem Herdebuch unter Druck. Die Anzahl reiner Swiss-Fleckvieh-Tiere mit Herdebuchstufe A (HB-A, d.h. SF-Blutanteil von mindestens 87,5 Prozent) geht zurück. Im vergangenen Jahr zählte Swissherdbook 47'855 reine SF-Tiere, das waren 9'434 Tiere weniger als im Jahr 2016.

«Alle übrigen roten Tiere mit einem SF-Blutanteil von weniger als 87,5 Prozent gelten nicht als reine Swiss-Fleckvieh-Tiere und gehören deshalb der Herdebuchstufe C (HB-C) an, auch wenn sie den Rassecode SF tragen», erklärt Alex Barenco von Swissherdbook. Es handelt sich dabei um Tiere mit  einem Red-Holstein-Blutanteil von 12,5 bis 87,49 Prozent oder beispielsweise je 50 Prozent Blutanteil Red Holstein und Simmental. Die Anzahl solcher Kreuzungstiere ist von 8519 im Jahr 2016 auf 16'969 Tiere im Jahr 2018 angestiegen. Die für viele Bauern idealen Tiere (Heterosiseffekt) werden international nicht als Rasse anerkannt.

Gegenmassnahmen ohne Wirkung?

Diese Entwicklung schwächt die Rasse Swiss Fleckvieh und war klar nicht das Ziel, als im Jahr 2014 der Blutanteil SF eingeführt wurde. Gegenmassnahmen wie höhere Herdebuchgebühren und ein Ausstellungsverbot für diese Tiere an der Schweizerischen Swiss-Fleckvieh-Ausstellung werden die Züchter wieder vermehrt für die SF-Reinzucht motivieren, glaubt Swissherdbook. Zudem sollen ab Mitte 2020 geborene HB-C-Stiere keine Herdebuchberechtigung mehr erhalten.

Doch die Besamungspraxis spricht eine andere Sprache: Nur gut jede dritte bei SF-Tieren eingesetzte Spermadose (37,47%) stammte in der Besamungsperiode 2017/18 von einem SF-Stier. Bei den anderen Rassen ist die Rassentreue (vgl. Grafik), beispielsweise bei Simmental mit bis zu 80 Prozent, deutlich höher.


SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE