4.12.2013 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Verbände
«Swissherdbook hat Kühe für jedes System»
Markus Gerber aus Bellelay BE wurde gestern von den Delegierten von Swissherdbook zum neuen Präsidenten gewählt. Er sagt, wie er den Verband führen will und welche Visionen er für die Zukunft hat.

«Schweizer Bauer»: Herzliche Gratulation zu Ihrer Wahl. Warum wollten Sie Präsident von Swissherdbook werden?
Markus Gerber: Mich interessieren die Herausforderungen, aber auch das Zusammenarbeiten, das Zuhören und Entscheiden in einem Vorstand.

Sie haben einen eigenen Betrieb und eine Familie. Dazu sind Sie auch noch Gemeindepräsident. Wie bringen Sie diese Anforderungen unter einen Hut?
Sich gut zu organisieren, ist  ein wichtiger Bestandteil. Es ist wichtig, sich Freiräume für die Familie zu schaffen. Es gehört aber auch dazu, bei der Betriebsführung auf externe Hilfe zurückgreifen zu können.

Die Fussstapfen Ihres Vorgängers Res Aebi sind gross. Haben Sie keine Angst, diese auszufüllen?
Das Ziel ist nicht, Fussstapfen auszufüllen, sondern neue Fussstapfen zu gehen. Das ist aber nur in guter Teamarbeit zwischen Verwaltung, Geschäftsleitung und Mitarbeitern zu schaffen.

Welche neuen Fussstapfen meinen Sie?

Die Zukunft bringt neue Herausforderungen. Zuchttechnisch etwa ist sicher die Registrierung der Gesundheitsdaten zu nennen. Das Lead bei der Registrierung ist hier ganz klar bei den Zuchtverbänden.

Es gibt Parallelen zwischen Ihnen und Aebi. So haben Sie beide als Präsident des Schweizerischen Red-Holstein-Komitees geamtet, beide waren, bzw. sind als Schaurichter und Gemeindepräsidenten tätig. Gibt es noch mehr Parallellen?
Wir sind beides offene Persönlichkeiten, die gut zuhören und im richtigen Moment dann auch Entscheidungen fällen können.

Res Aebi hat als Präsident von Swissherdbook nicht mehr gerichtet. Wie werden Sie es halten?
Ich werde mich sicher in der Schweiz mit Richten extrem zurückhalten. Ich erachte es nicht als Aufgabe eines Swissherdbook-Präsidenten, eine Regio-Schau zu richten. Ich habe noch ein Mandat auf europäischer Ebene. Ich werde deshalb noch als Richter auf internationaler Ebene im Einsatz zu sein.

Aebi hat auch dank der Viehzucht seine politische Karriere gestartet. Haben Sie Ähnliches vor?
Wenn man sich für ein Amt entscheidet, dann soll man sich voll und ganz dafür engagieren. Im Moment ist deshalb entscheidend, dass ich mich für meine Aufgaben bei Swissherdbook engagiere. Was in einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren passiert, wird sich weisen.

Die Herausforderungen für die Viehzucht sind gross. Wie schätzen Sie die Folgen der AP 2017 für Ihren Verband ein?

Wir haben bei Swissherdbook insofern einen Vorteil, dass wir mehrere Rassen im Verband haben und damit auch Kühe für jedes System. Die Folgen für den Verband direkt sind nicht so drastisch wie für den einzelnen Betrieb, der sich auf intensive Milchproduktion ausgerichtet hat.

Wird sich Swissherdbook unter Ihrer Führung auch zu agrarpolitischen Themen äussern?
Das agrarpolitische Instrument der Zuchtverbände ist die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR). Und wir möchten die ASR als dieses Instrument stärken. Mein Vorgänger Res Aebi ist vom ASR-Vorstand als neuer Präsident vorgeschlagen, um hier seine Erfahrung und sein Gewicht als Nationalrat einzubringen.

Ein Thema wird auch die Finanzierung der Beständeschauen bleiben. Was ist Ihre Meinung zur Motion Zanetti, welche die Bundesbeiträge wieder einführen möchte?
Beständeschauen sind ein Kulturgut, das es zu erhalten gilt. Die Wiedereinführung der Bundesbeiträge für Beständeschauen ist dann zu begrüssen, wenn die Finanzierung nicht aus dem gleichen Topf kommt wie die für die anderen zuchttechnischen Dienstleistungen. 

Sie sind Red-Holstein- und Holstein-Züchter. Welche Beziehungen haben Sie zu den anderen Rassen von swissherdbook?
Ich habe bereits als Präsident der Rassenkommission Red Holstein viele Beziehungen zu den Züchtern der anderen Rassen aufgebaut. Und ich stelle fest, dass insbesondere bei Simmental, Swiss Fleckvieh und Montbéliarde in den letzten Jahren grosse Zuchtfortschritte gemacht wurden. Die Züchter dieser Rassen halten an ihren Rassen fest, züchten sie mit Erfolg weiter und  erreichen damit für ihre Betriebe das Beste.

Zur Person

Der 41-jährige Markus Gerber aus Bellelay BE ist verheiratet und hat mit seiner Frau Regula zwei Töchter und einen Sohn. Der national und international aktive Schaurichter bewirtschaftet den Pachtbetrieb «La Béroie» im Berner Jura auf 1100 m ü.M. mit 54,8 ha landw. Nutzfläche. Der Red-Holstein-Züchter hält 28 Red-Holstein- und Holstein-Kühe mit eigener Aufzucht. Er ist seit 2011 in der Verwaltung von Swissherdbook. Der perfekt bilingue sprechende Gerber ist auch Präsident (SVP) der Gemeinde Saicourt, zu der Bellelay gehört. sam

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