6.11.2013 06:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Andreas Bigler, Swissherdbook
Simmentaler
Thrombopathie - Erbfehler in der Schweiz aufgetaucht
In der Schweiz ist bei der Simmentaler-Rasse erstmals der Erbfehler Thrombopathie (TP) aufgetaucht. Dieser ruft eine Blutgerinnungsstörung hervor 16 KB-Stiere sind betroffen. In Kanada ist TP schon länger bekannt.

Der Erbfehler Thrombopathie ist vermutlich seit über 50 Jahren verbreitet. Er ist in Kanada bereits seit mehreren Jahren bekannt und wurde dort auch genetisch aufgeklärt. Im Dezember 2012 wurde dann ein zwei Jahre altes Tier mit akuter Gerinnungsstörung an der Wiederkäuerklinik der Universität Bern untersucht, worauf sich bestätigt hat, dass es reinerbig von TP betroffen war.

In der Folge wurden im Institut für Genetik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern insgesamt 149 KB-Stiere von Swissgenetics untersucht, wovon 16 als Träger gefunden wurden (Kasten). Jedes Tier trägt in seinem Erbgut eine ganze Reihe von Anlagen für Erbfehler, die aber meistens nur dann sichtbar werden, wenn sie reinerbig auftreten, das heisst, wenn sie gleichzeitig vom Vater und von der Mutter vererbt wurden.

Thrombopathie (TP)

Reinerbige Tiere für Thrombopathie (TP) weisen eine Störung in der Blutgerinnung auf. Das heisst, infolge veränderter Blutplättchen ist die Blutgerinnung verzögert, was sich bei Verletzungen zeigt und im schlimmsten Fall auch zum Verbluten des Tieres führen kann. Mischerbige Trägertiere sind nach aktuellem Wissenstand vollständig gesund. Der Erbfehler TP muss bereits viele Jahrzehnte verbreitet sein, denn er ist in mehreren Fleckviehpopulationen Europas und auch in Kanada verbreitet.

Offensichtlich wurde die Erkrankung jedoch bislang nicht als solche von Tierärzten erkannt. Dies kann damit erklärt werden, das betroffene Tiere entweder bereits als Neugeborene in den ersten Lebenstagen verbluten oder erst viel später im Leben infolge einer Verletzung. Ausserdem haben gezielte Risikopaarungen in Kanada gezeigt, dass bei der Kombination von zwei Anlageträgern sehr selten betroffene Kälber auftraten, was auch mit einer erhöhten Rate embryonalen Fruchttods erklärt werden könnte.

KB-Stiere werden getestet

Die Frequenz für diese unerwünschten Erbfehler dürfte in unserer Simmentaler Population im Bereich von rund 5 Prozent liegen. Alle Simmentaler Stiere im aktuellen Angebot von Swissgenetics sind frei von diesem Erbfehler (Kennzeichnung TPF). Zukünftig werden alle neuen Simmentaler KB-Stiere getestet und wenn möglich wird kein Träger neu ins Angebot aufgenommen. In der riesigen Fleckviehpopulation in Deutschland und Österreich ist der Erbfehler noch stärker verbreitet, mit einer geschätzten Frequenz von 7 bis 8 Prozent.

Nicht weniger als 1220 KB-Stiere wurden dort als Träger identifiziert und in einer Liste publiziert, darunter bekannte Stiere wie Regio, Resolut, Rumba oder Vanstein. Bei der aktuell geschätzten Frequenz wären in der Schweiz auf 1000 Simmentaler Kälber bloss zwei bis drei betroffene Kälber mit Blutgerinnungsstörung zu erwarten. Beim Einsatz eines Trägerstiers erhöht sich das Risiko  bereits auf 20 bis 30 Fälle. Wenn bei der Mutter ein Trägerstier in der Abstammung vorkommt, ist das Risiko noch einmal wesentlich höher.

Natursprungstiere testen

Somit ist es sinnvoll, auch die Natursprungstiere mit einem Träger als Vater oder in der mütterlichen Abstammung auf TP testen zu lassen. Der Gentest erfolgt mit einer Blut- oder Haarwurzelprobe am Institut für Genetik der Vetsuisse Fakultät der Uni Bern für 70 Franken. Falls ein Stier als Anlageträger identifiziert ist (TPC), sollte er nur noch gezielt auf Kühe eingesetzt werden, die keinen Träger in ihrer Abstammung haben. Swissherdbook bittet alle Züchter, Tiere mit schlechter Blutgerinnung (starkes Bluten bei kleinen Hautverletzungen, Nasenbluten, Blutergüsse, Blut im Kot) nach Rücksprache mit dem Tierarzt zu melden.

Weitere Infos unter www.swissherdbook.ch

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