8.08.2019 16:24
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Tierquälerei: 2. Milchviehbetrieb verdächtigt
Im Allgäu ist ein weiterer Milchbauer ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Es wurden Vorermittlungen gegen das Unternehmen wegen Tierquälerei eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft Memmingen am Donnerstag mitteilte. Bereits im Juli wurden Vorwürfe gegen einen Grossbetrieb aus der Region bekannt.

Der Skandal um Tierquälerei in grossen Allgäuer Milchviehbetrieben weitet sich aus. Ein zweites Unternehmen steht im Verdacht, gegen das Tierschutzgesetz verstossen zu haben.

Am Mittwoch hatte das zuständige Veterinäramt den Bauernhof kontrolliert. Die Staatsanwaltschaft Memmingen teilte mit, Ermittlungen gegen den Betrieb aufgenommen zu haben. Es seien Hinweise auf Verstösse in der Tierhaltung des Grossbauern eingegangen, die sich nach einer Vorprüfung bestätigt hätten.

Kühe durch Stall geschleift

Im Unterallgäu waren schon im Juli schwere Vorwürfe der Tierquälerei gegen einen der grössten Milchviehbetriebe Bayerns mit rund 2850 Rindern bekannt geworden. Videoaufnahmen eines Tierschutzvereins sollen zeigen, wie dort Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Zudem würden Kühe stundenlang an Kopfverletzungen von Bolzenschüssen verenden, anstatt durch Ausbluten nach Betäubung. Der Familienbetrieb soll gemäss Soko Tierschutz bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstossen.

Vergangene Woche hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Öffentlichkeit über den Ermittlungsstand informiert. Von den rund 2'300 Tieren im Bad Grönenbacher Hauptbetrieb hätten 191 Milchkühe und 46 Kälber deutliche gesundheitliche Auffälligkeiten gezeigt. Bei etwa jedem zweiten Tier wurde zumindest leichte Verletzungen durch ein "leichtes Lahmen" festgestellt. 

Kälber mit eitrigen Entzündungen 

Zudem mussten mehrere Tiere notgetötet werden. Im Verhältnis zu anderen Betrieben stelle die Zahl der auffälligen Tiere einen relativ hohen Wert dar, teilte das Landesamt mit. Von 137 kontrollierten Kälbern seien 46 „behandlungsbedürftig“ gewesen. Die Tiere litten etwa an eitrigen Entzündungen sowie Erkrankungen von Augen, Gelenken und Eutern.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gegen neun Verdächtige, darunter der Inhaber, Mitarbeiter sowie drei Tierärzte. Gegen den Betreiber besteht der Verdacht, durch Unterlassen von Behandlungen oder das Einschläfern kranker Rinder den Tieren Schmerzen zugefügt zu haben. Die Polizei bildete eine 30-köpfige Sonderkommission. Das Unternehmen äusserte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

Die Milch des Hofes aus Bad Grönenbach wurde bis zu diesem Zeitpunkt von einer Käserei in Lauben im Oberallgä verarbeitet, die ihre Produkte weltweit verkauft. Der Camembert-Spezialist Champignon produziert unter anderem den Weichkäse "Cambozola" und den Ofenkäse "Rougette" sowie Produkte für die Molkerei "Weihenstephan". Das Unternehmen gab nach Bekanntwerden der Vorwürfe bekannt, die Zusammenarbeit mit dem Milchbetrieb aus "ethischen und moralischen Gründen" einzustellen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE