17.01.2015 09:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Tierwohl
Tierwohl ist oft wichtiger als Effizienz
Eine Abkalbebox im Laufstall ist Pflicht. Bei der Ausgestaltung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche, das zeigt eine Umfrage. Sie zeigt auch, dass das Tierwohl für viele Milchproduzenten an erster Stelle steht.

In Rindvieh-Laufställen muss eine 10m2 grosse Abkalbebox eingerichtet werden. Mehr schreibt die Tierschutzverordnung nicht vor. Dabei gibt es   keine Standardlösung, die in alle Ställe passen würde. Das zeigt eine Umfrage, die Agrotechnikerschüler am Strickhof in Lindau ZH durchgeführt haben, und die sie am Strickhof-Milch-Tag am 23.Januar vorstellen werden.

Sichtkontakt erwünscht

Durana Caduff, Philip Reichmuth und Florian Hügli haben im Dezember des letzten Jahres 33 Bauern aus dem Raum Ostschweiz, Innerschweiz und Zürich zu ihren Erfahrungen mit der Abkalbebox befragt. Die Milchproduzenten verzeichnen zwischen 18 und 130 Abkalbungen pro Jahr. 29 melken im Melkstand, 3 mit dem  Roboter und einer im Karussell.

«Bei der Mehrheit der Befragten ist die Abkalbebox im Laufstall der laktierenden Kühe» fasst Durana Caduff die Ergebnisse zusammen, «aber baulich wurde die Integration überall anders gelöst. In einigen Fällen ist die Box direkt neben dem Melkstand, bei anderen in einem hinteren Boxenbereich oder sogar in einem alten Stall.»

Nicht alle mit Arbeitseffizienz zufrieden

Je nach Lage der Box haben die Kalberkühe Sichtkontakt zu den laktierenden Tieren. Das ist in 26 Ställen der Fall. In sieben Betrieben besteht kein Sichtkontakt zur Kuhherde, dafür zu den Kälbern oder den Rindern, oder die Kalberkühe sehen ihre Artgenossinnen nur von weitem. «Wenn sie   Sichtkontakt zu ihrer Herde haben, mindert das den Stress bei der Wiedereingliederung», so Caduff. «Entsprechend haben fünf der Befragten ihre Box bezüglich Stress für die Kuh nur als genügend, einer sogar als schlecht eingestuft.» 12 stuften ihre Box bezüglich Stress für die Kuh als sehr gut, 15 als gut ein.

Die bauliche Anordnung der Abkalbebox hat aber nicht nur einen Einfluss auf die Befindlichkeit der Kuh. Eine ungünstig liegende Bucht bedeutet auch einen grösseren Arbeitsaufwand. Für 13 der befragten Milchviehhalter liegt ihre Box an einem sehr guten Standort, für 10 an einem guten Ort, 8 beurteilten den Standort als genügend und 2 als schlecht. Entsprechend waren auch nicht alle mit der Arbeitseffizienz zufrieden. Die fanden nur 19 Milchviehhalter sehr gut oder gut, 9 genügend und 5 schlecht.

Auswahl beim Melken

«Erstaunlich ist, dass die Milchviehhalter die positiven Auswirkungen der Abkalbebox auf die Gesundheit von Kuh und Kalb oft höher gewichten als  den zusätzlichen Arbeitsaufwand», bilanziert Caduff. «Das zeigt sich auch darin, dass 11 die Trittsicherheit und 7 die Einstreu – meist Stroh, teils vermischt mit Kalk – als wichtigsten Faktor einer guten Abkalbebox nannten. Für 10 steht der Standort an erster Stelle.»

Am meisten Arbeit verursacht das Melken der frisch gekalbten Kühe. «Auch hier haben die Bauern unterschiedliche Lösungen gefunden», weiss Caduff. «Viele haben sogar verschiedene Möglichkeiten.» Laut der Umfrage melken 11 die Kühe nach dem Kalben in der Abkalbebox und 13 im Melkstand. 8 sind für beides eingerichtet, ein Roboterbauer nutzt zudem einen alten Melkstand. 

Eine runde Box

Allerdings wird die Kuh mehrheitlich nach der Geburt so bald wie möglich wieder in die Herde integriert, nämlich nach etwa einem Tag. Nur wenn Probleme mit Nachgeburtsverhalten oder Festliegen bestehen, bleibt die Kuh länger in der Box. Auch vor dem Kalben  scheint die Zeit knapp zu sein. 8 der Befragten separieren die Kuh einen Tag vor dem Kalben, 7 ein bis zwei Tage vorher – also dann, wenn man sieht, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. Bei diesem kurzen Zeitfenster kommt es immer wieder vor, dass die Kuh noch in der Herde kalbt. Caduff: «Bei der Mehrheit der Bauern geschehen 75 bis 100 Prozent der Geburten in der Abkalbebox.»

Auf die Frage, was sie bei Bau und Einrichtung der Abkalbebox anders machen würden, gab es bei der Umfrage unterschiedliche Antworten. Trotzdem weiss Caduff: «Oft wurde erwähnt, dass man nicht helfen kann, wenn die Kuh ungünstig in einer Ecke liegt. Deshalb wünschen sich viele flexible Wände oder sogar eine runde Box.» Wer das nicht habe, würde die Box auch gern in den Kuhstall integrieren und Sichtkontakt zur Herde herstellen.

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