31.01.2018 18:08
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Niederlande
Tricksereien bei Kälbern
In den Niederlanden haben mehrere Tausend Milchkuhhalter gezielt falsche Tiermeldungen gemacht, um sich Vorteile in der niederländischen Phosphat-Regulierung zu verschaffen.

Wie Landwirtschaftsministerin Carola Schouten in einem Brief an die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments erklärte, lag der Anteil von Mehrlingsgeburten im vergangenen Jahr in rund 2'000 Milchviehbetrieben auffälligerweise bei mehr als 10 Prozent und in weiteren etwa 5'700 Betrieben zwischen 5 und 10 Prozent.

In einem „normalen Jahr“ dagegen reiche die Bandbreite aber nur von 3 bis 5 Prozent. In der Folge hätten RVO und NVWA 93 Betriebe überprüft, wobei in 45 Fällen Abweichungen von den I & R-Daten festgestellt worden seien. Diese Betriebe seien sofort gesperrt worden.

Falsche Angaben beim Abkalben


In den kommenden Wochen würden die Behörden weiter nach Betrügern suchen. Im Rahmen des vereinbarten Bestandsabbaus zur Senkung des Phosphatausstosses in der Landwirtschaft wird eine Kuh laut den Ressortangaben als eine Grossvieheinheit (GVE) verbucht, während eine Färse nur 0,51 GVE entspricht.

Um den Bestand an Kühen vermeintlich niedrig zu halten und Abstockungen zu vermeiden, hätten die betreffenden Milchviehhalter neu geborene Kälber von abkalbenden Färsen als Zwillinge oder Mehrlinge von bereits als Milchkühen gemeldeten Tieren registriert. Die ehemaligen Färsen seien dann fälschlicherweise weiterhin als solche im I & R geführt worden und nicht als Milchkühe. 

Kühe importieren und als Rinder anmelden

Eine weitere „Masche“ zur Verschleierung des tatsächlichen Milchkuhbestandes ist die Einfuhr von jungen Kühen aus Deutschland, Dänemark und Tschechien. Wie aus Branchenkreisen verlautete, wurden diese Tiere dann in den Niederlanden irreführend als Färsen gemeldet.

Der Betrug falle nicht auf, weil die Registrierungssysteme beider Länder nicht ausreichend miteinander verknüpft seien, hiess es. Laut Schouten müssen die Betrüger mit strafrechtlichen Sanktionen rechnen.

Weniger Direktzahlungen für Betrüger


Ausserdem erwarteten sie Nachforderungen von Abgaben im Rahmen des Phosphatplans und Kürzungen von Direktzahlungen der Europäischen Union. Die angepeilte Obergrenze für die Phosphatemissionen in der niederländischen Landwirtschaft 2017 dürfte aber nach Einschätzung von Schouten trotz der Betrugsfälle eingehalten worden sein.

So veranschlagt das Haager Statistikamt (CBS) die betreffende Ausstossmenge vorläufig auf 167,9 Mio. t Phosphat, womit die nationale Obergrenze von 172,9 Mio. kg Phosphat eingehalten worden wäre. Schouten zufolge betreffen die Betrügereien schätzungsweise rund 2'200 GVE, was etwa 94'000 kg Phosphat entspricht. Nach Abzug dieser Menge vom CBS-Schätzungsvolumen würde die zulässige Maximalmenge immer noch deutlich unterschritten.

Vertrauensverlust befürchtet

Allerdings rechnet die Ministerin als Folge der Betrugsfälle mit unangenehmen Fragen der EU-Kommission bei den anstehenden Verhandlungen über die landesspezifischen Ausnahmeregelungen bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie für den Zeitraum 2018 bis 2021.

Ausserdem wies Schouten auf die hohe Bedeutung des I & R-Systems hin: Wenn dieses nicht funktioniere, dann sei dies im Falle eines Tierseuchenausbruches ein Risiko für die Tiergesundheit und auch für die Volksgesundheit. Niederländische Brancheninsider wie Experten der Rabobank befürchten unterdessen einen Vertrauensverlust des Sektors im In- und Ausland. Darunter würde nicht allein der Milchsektor leiden, sondern die gesamte holländische Agrarbranche.

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