8.07.2020 11:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Viehzucht
«Trümpfe unserer Rasse stärken»
An der Generalversammlung der Europäischen Vereinigung der Brown-Swiss Züchter wurde Reto Grünenfelder zum Vizepräsidenten gewählt. Der Präsident von Braunvieh Schweiz äussert sich zur Verbreitung der Rasse und zu den Vorzügen der Schweizer Brown-Swiss-Kuh.

«Schweizer Bauer»: Weshalb braucht es eine Europäische Vereinigung der Brown-Swiss-Züchter?
Reto Grünenfelder: Die Vereinigung besteht seit über 55 Jahren. Die Zielsetzungen sind die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Rassenpromotion. Es geht um die Organisation der Fachkongresse und Europaschauen, die Harmonisierung der Linearen Beschreibung und der Zuchtwertschätzungsmethoden. Der wichtigste Erfolg ist der Intergenomics-Vertrag von 2012. Durch diesen länderübergreifenden Austausch der Genotypen der nachzuchtgeprüften Stiere war eine ausreichende Datenbasis für die genomische Selektion verfügbar. 

Welche Länder gehören der Vereinigung an?
Die Vereinigung umfasst aktuell zehn Mitgliedsländer: Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Rumänien, Österreich, Slowenien, Spanien und die Schweiz.

Gibt es wichtige Brown-Swiss-Länder ausserhalb Europas?
Die Brown-Swiss-Zucht in den USA hatte während Jahrzehnten einen riesigen Einfluss auf  die Schweizer Population, obwohl die Brown-Swiss-Population in den USA  mit rund 9000 Herdebuchtieren zahlenmässig klein ist. Gemäss Schätzungen werden weltweit über 15 Mio. Tiere mit Braunvieh-Blut gehalten – in Kolumbien über 1 Mio. Tiere mit Braunvieh-Blut. Trotzdem konzentriert sich die Herdebuchzucht überwiegend auf die Länder in Mitteleuropa. 

Wieso konnte sich das Braunvieh weltweit verbreiten, und gibt es Länder/Regionen, in denen die Population im Moment besonders stark wächst?
Die Robustheit sowie die Anpassungsfähigkeit des Braunviehs an Hitze, Kälte und das Futterangebot haben die weltweite Ausbreitung gefördert. Versuche unter Hitzebedingungen beweisen den klar geringeren Leistungsrückgang als bei anderen Rassen. Weitere Gründe sind die Käsereitauglichkeit der Milch, die harten Klauen und die Langlebigkeit. Eine sehr erfreuliche Entwicklung in Europa macht derzeit Frankreich, ein aufstrebendes Braunviehland mit steigenden Tierzahlen in guten Futterlagen und einem guten Zuchtprogramm. Jährlich werden rund 50'000 Braunvieh-Samendosen vermarktet.

Wie unterscheidet sich die Schweizer Brown-Swiss-Kuh von der in anderen Ländern?
Vergleiche sind schwierig, da die Futtergrundlagen und die Haltungsbedingungen innerhalb und zwischen den Ländern teilweise sehr unterschiedlich sind. Die Schweiz hat die grösste Brown-Swiss-Population in Europa. Die grossen Erfolge an den Europameisterschaften und die erfreulichen Genetikexporte zeigen, dass die Schweiz international eine wichtige Rolle einnimmt. Im Projekt Branding Brown Swiss haben wir das gemeinsame internationale Zuchtziel definiert – dafür steht unser Claim «more than milk».

Wohin geht der Trend in der Brown-Swiss-Zucht?
«More than milk» oder eben «mehr als Milch». Wir wollen diesen Trend fortsetzen und die Trümpfe unserer Rasse stärken:  Effizienz in der Verwertung von Raufutter, Lebensleistung, Fett- und Eiweissgehalte mit  erwünschten Kaseintypen, Robustheit und problemloses Abkalben. Mit der Lancierung des Zuchtprogrammes 2017+ intensivieren wir nochmals die züchterische Bearbeitung der Gesundheitsmerkmale.

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