20.06.2018 10:49
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchproduktion
Umfrage: «Coop-Milch» richtiger Weg?
Am vergangenen Sonntag liess Coop-Chef Joos Sutter die Bauern wissen, wie er sich die Milchproduktion in Zukunft vorstellt. Die Detailhändlerin verlangt für ihre Eigenmarken-Milchwaren neue Standards. Dafür soll es Zuschläge geben. Was halten Sie davon? Mitdiskutieren und abstimmen

Der Schlussteil des Interviews in der «SonntagsZeitung» hatte es in sich. Joos Sutter liess verlauten, dass künftig für sämtliche Milchprodukte der Eigenmarkte Qualité & Prix nur noch Milch verwendet wird, die höhere Tierwohlstandards erfüllt. 

Raus, BTS und GMF

Die Milch stehe derzeit nicht so hoch im Kurs, sagt Sutter. Doch das werde sich wieder ändern, gibt er sich überzeugt. Erreichen will dies Coop mit strengeren Produktionsstandards. Obligatorisch für einen Milchlieferanten in die Eigenmarkenlinie wird das Programm für regelmässigen Auslauf im Freien (Raus). Zusätzlich muss er bei einem der beiden Bundesprogramme «Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme» (BTS) oder «Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion» (GMF) mitmachen.

Für diese Umstellung soll der Milchproduzent entschädigt werden. Erfüllt er nebst Raus ein weiteres Programm, erhält er einen Zuschlag von 4 Rappen pro Kilo Milch. Nimmt er gar bei sämtlichen drei Programmen teil, verspricht Sutter einen Bonus von 6 Rp./kg. Klar ist: Wer die Kriterien nicht erfüllen wird, darf die Milchverarbeiter von Coop künftig nicht weiter beliefern. 

Im Laden fünf Rappen teurer

Der Start erfolgt im August mit der Umstellung bei der Pastmilch in der Deutschschweiz. In den Wochen danach wird dann auch in den übrigen Regionen die konventionelle Coop-Pastmilch ausgelistet. Anschliessend folgen die Coop-Eigenmarken für UHT-Milch, Rahm, Butter, Mozzarella und weitere Milchprodukte. Die neuen Standards werden auf den Packungen ausgelobt werden.

«Trotz unternehmerischem Risiko werden die Kunden den Mehrwert schätzen», ist Sutter überzeugt. Risiko deshalb, weil die Milch im Laden pro Liter fünf Rappen teurer wird. Da die Umstellung auf die neuen Anforderungen nicht so aufwendig seien wie für bestehende Labels wie Bio oder Heumilch, würden die Landwirte motiviert auf die Neuerung reagieren, ist sich der Coop-Chef sicher. Zudem bleibe den Bauern mehr Gewinn.

Coop will Abrechnungen kontrollieren

2016 haben 63% der Betriebe mit 75% aller Milchkühe die neuen Coop-Kriterien erfüllt. Zu Beginn werden «nur» rund 100 Milchbauern vom neuen Coop-Bonus profitieren können. Es werden dies Emmi-Lieferanten rund um die Verarbeitungsstätten Suhr AG und Frenkendorf BL sein, die auf eine Emmi-Anfrage diese Woche am schnellsten reagierten. In den Monaten danach werden je nach Absatz immer mehr Bauern ins Programm aufgenommen.

Coop will auf Anfrage von «Schweizer Bauer» sicherstellen, dass der Zuschlag auch bei den Bauern ankommt. Jeder teilnehmende Betrieb wird auf einer Liste aufgeführt und dem Detailhändler gemeldet. «Coop hat die Lieferanten verpflichtet, die Gelder vollumfänglich weiterzugeben. Es wird ein monatliches Controlling geführt und wir können Einblick in diese Zahlen haben. Der Mehrbetrag ist in den Milchgeldabrechnungen der Landwirte separat aufgeführt», sagt Coop-Sprecher Urs Meier zu «Schweizer Bauer». 

Was halten Sie von den neuen Kriterien? Gehen diese in die richtige Richtung? Oder übertreibt Coop? Mitdiskutieren und abstimmen

Migros kommt 2019

Mit den neuen Standards kommt Coop seinem schärfsten Widerscher zuvor. Die Migros-Molkerei Elsa wird ab 2019 für das ganze Sortiment auf ein neues Nachhaltigkeitsprogramm umstellen. Wichtigste Grundanforderungen sind unter anderem min. 50% Wiesen und Weidefutter im Tal (70% im Berggebiet), BTS oder RAUS, Soja zwingend aus verantwortungsbewusster Produktion oder weniger als 150g Kraftfutter pro kg Milch. Mit Rahmenverträgen von fünf Jahren will die Migros den Milchbauern Planungssicherheit geben.

Im Gegensatz zu Coop soll die Milch der Migros im Laden nicht teurer werden. Dafür hat die Elsa noch nicht kommuniziert, wie hoch der Zuschlag für die teilnehmenden Bauern ausfallen wird. 

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