15.01.2020 16:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Ihre Lieblingskuhrasse?
Diese Woche findet in Genf der Rinderwettbewerb Swiss Expo statt. Tiere von acht verschiedenen Milchkuhrassen gibt es in der Calvinstadt zu sehen. Wir möchten von Ihnen wissen, für welche von diesen Kuhrassen Sie am meisten Sympathien hegen? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit.

Die Kuh gehört zur Schweiz wie das Matterhorn und das Edelweiss. Jedenfalls gehört der Vierbeiner zu den Botschaftern im Ausland. Sie ist in unserem Alltag präsent und Teil des kulturellen Erbes der Schweiz.

Kuh spielte wichtige Rolle

«Für viele Schweizerinnen und Schweizer weckt die Kuh ein Zugehörigkeitsgefühl, das eng mit unserer Geschichte verknüpft ist. Seit der Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft 1291 spielt sie eine wichtige Rolle. Während der Schlacht von Sempach 1386 war sie Symbol für den Kampf der Eidgenossen gegen die Habsburger, die den Löwen im Wappen trugen», sagt Historikerin Jacqueline Perifanakis zu Schweiz Tourismus.

«Die Schweizer galten zu jener Zeit als reiche Vieh- und Käsehändler, was ihnen das Schimpfwort Kuhschweizer einbrachte. Erst im 16. und 17. Jahrhundert wurden aus den einfachen Kuhhirten vorbildliche Hirten unseres Landes», fährt sie fort.

Kuh brachte Wohlstand

Die Kuh brachte der Schweiz wirtschaftlichen Wohlstand. Milchprodukte werden seit dem 18. Jahrhundert ins Ausland verkauft. «Früher lebten viele Familien von den Einkünften ihrer Kühe, also von der Milch, dem Fleisch und dem Leder. Und sie wurden damit reich», erklärt Blaise Maître von der Dienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis.

«Die Kuh steht für Werte wie Arbeit, Tradition und Familie, oder aber sie erinnert uns an die Berge und malerische Landschaften», sagt Maître zu Schweiz Tourismus. Und die Kühe haben weiterhin eine wichtige Rolle inne. Die Schweiz eignet sich ausgezeichnet für die Milchviehhaltung. Im Talgebiet sind rund 55% der landwirtschaftlichen Nutzfläche Wiesen und Weiden, im Berggebiet sind es rund 95%. 

3,4 Millionen Tonnen Milch

«Die Kuh ist das wichtigste Tier. Die Hälfte der verkauften Tiere sind Kühe», sagt Matthias Schelling, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter. Die Milchwirtschaft ist ein wichtiger Sektor der Schweizer Landwirtschaft mit einem Anteil von gut 20% an der Erzeugung des gesamten landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs.

2018 wurden rund 3,43 Millionen Tonnen Milch eingeliefert. Diese Milch stammte von 19'725 Milchviehbetrieben, davon waren 9448 im Berggebiet, 10’277 im Talgebiet sowie 2141 Sömmerungsbetriebe. Der Strukturwandel setzt sich unvermindert fort. Gegenüber 2017 nahm die Anzahl Betriebe um 3,1 Prozent ab. Das entspricht knapp zwei Betrieben, welche täglich mit der Milchproduktion aufhörten.

7000 kg im Durchschnitt

Die durchschnittlich vermarktete Milchmenge lag im Jahr 2018 bei 169’024 kg je Betrieb. Ein knappes Drittel der vermarkteten Kuhmilch stammte 2018 aus Betrieben, die keine Silage verfütterten. Der Anteil Bio-Milch betrug etwa 8,5%. Die Milchleistung der Kühe stieg in den vergangenen Jahren ständig an. Der Durchschnittswert liegt bei rund 7000 kg pro Milchkuh und Jahr.

An der Swiss Expo, sie gehört zu den wichtigsten Viehzuchtanlässen Europas, werden 8 Milchviehrassen respektive Zweinutzungsrassen präsentiert. Wir möchten von Ihnen wissen, für welche von diesen Rassen Sie am meisten Sympathien hegen.

Wir präsentieren Ihnen kurz die Rassen (Quelle: landwirtschaft.ch, swissherdbook.ch, holstein.ch, braunvieh.ch, jersey.ch,swissmilk.ch):

Holstein: 

Die Holsteinrasse stammt aus den Niederlanden. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Tiere dieser Region hauptsächlich rot. Ab 1713 wurden schwarze Kälber aus Dänemark importiert. Da dieses Gen dominant ist, wurden danach die meisten Tiere schwarz, doch die Holsteinrasse existiert immer noch in beiden Farben. Dank ihrer sehr hohen Milchleistung gehören die Holsteinkühe zur weltweit am weitesten verbreiteten Milchrasse – schätzungsweise gibt es über 80 Millionen Holsteintiere. In den meisten Ländern stellt die Holstein mehr als 90% des Milchviehbestandes dar. In der Schweiz war sie in den 1970er-Jahren nur regional vertreten. Seither hat sie sich stark entwickelt und stellt heute rund 45% der Schweizer Rinderpopulation dar. Die Holsteiner verdrängten durch ihre herausragenden Milchleistungen die meisten einheimischen Schwarzbuntrassen. So auch in der Schweiz, wo die Freiburgerrasse den Holsteinern weichen musste.

Red Holstein: 

Die Schweizer Red Holstein begründen ihre Herkunft ab 1969 durch die Einkreuzung von importierten Red Holstein- und Holstein-Stieren in die Rasse Simmental. Die Red Holstein-Rinderrasse ist deshalb bis auf die Farbe der Holsteinrasse sehr ähnlich. Sie ist eine gute Milchkuh, eignet sich aber auch für die Fleischproduktion. Die Holstein- und Red Holstein-Tiere sind die effizientesten in der Umsetzung von Futter in Milch unter intensiven Fütterungsbedingungen. Die Tiere sind grossrahmig und wirken sehr schlank, da sie wenig Muskelmasse ausbilden

Swiss Fleckvieh: 

Die Rasse ist durch die Einkreuzung von Red Holstein-Stieren in die Schweizer Simmental Rasse entstanden. Das Wort Swiss Fleckvieh ist ein Synonym für eine mittelrahmige, milchbetonte Zweinutzungskuh mit stark ausgeprägten funktionellen Merkmalen. Die gut ausbalancierten Tiere eignen sich bestens für Grünland- und Weidebetriebe. Das eigene Zuchtprogramm begann durch den Zukauf von Swiss Fleckvieh-Stieren bei der künstlichen Besamung in den 70er Jahren. Die Blutanteile der heutigen Swiss Fleckvieh Population entsprechen zirka zu 2/3 Holstein- und 1/3 Simmentalblut. Die Tiere haben eine hellrote bis dunkelrote Grundfarbe mit weissen Flecken, seltener auch weisse Farbe mit roten Flecken. Oft haben sie einen weissen Bauch und weisse Beine. Hauptzuchtgebiet ist der Kanton Bern mit starker Verbreitung in der westlichen und nördlichen Schweiz. Speziell geeignet ist die Rasse für Grünland- und Weidebetriebe.

Simmental: 

Simmentaler ist eine Schweizer Rasse, die ihren Ursprung im Simmental im Berner Oberland hat.  Im 19. Jahrhundert wurden Simmentaler Tiere nach Süddeutschland, Österreich und bis nach Russland exportiert. Es ist eine Zweinutzungsrasse für Milch- und Fleischproduktion. Die Kühe sin häufiger im Berggebiet als im Flachland anzutreffen. Ihr Fell ist meist falb (gelb), selten rot, mit weissen Flecken. Sie hat einen weissen Kopf,  einen weissen Bauch und weisse Beine. Die mittelgrossen Kühe verfügen über einen kräftigen Körperbau, eine gute Bemuskelung sowie einen ruhigen Charakter. Die Rasse weist einen stabilen Stoffwechsel und beste Gesundheitsmerkmale auf.

Montbéliarde: 

Die Rasse hat ihren Ursprung im französischen Jura und in der Region von Montbéliarde in Frankreich. Züchterisch gehört sie in dieselbe Familie wie die Simmentaler Rasse. Es ist eine Zweinutzungsrasse für Milch- und Fleischproduktion. Sie ist rot-weiss gescheckt, hat einen weissen Kopf, einen weisen Bauch und weisse Beine. Sie besitzt einen kräftigen Körperbau und eine gute Bemuskelung. Heute findet die Rasse vorwiegend in der Westschweiz.

Jersey: 

Das Jersey-Rind kommt ursprünglich von der Ärmelkanalinsel Jersey. Heute findet man diese Rasse auf der ganzen Welt. In der Schweiz jedoch erst seit 1995. Davor war der Import wegen dem Tierzuchtgesetz verboten. Wird die Milch nicht nach Kilogramm, sondern nach Inhaltstoffen bezahlt, so ist die Jersey die wirtschaftlichste Kuh der Welt. Das Jersey Rind ist ein kleines, zierliches behorntes Rind mit feinem Knochenbau und geringer Bemuskelung. Die Farbe reicht von gelbbraun bis hellrot, cremefarben, schwarz. Das Rind ist an Kopf, Schulter und Hüfte fast immer etwas dunkler und häufig kommt auch ein Aalstrich vor. 

Braunvieh: 

Braunvieh ist eine original Schweizer Rindviehrasse. Rund 40 Prozent aller in der Schweiz gehaltenen Milchkühe, Rinder, Kälber, Munis, Zuchtstiere und Ochsen gehören dieser Rasse an.  In der Zentral- und Ostschweiz hat die Haltung seit Jahrhunderten Tradition. Es besticht durch seine Wirtschaftlichkeit. Das Braunvieh als Schweizer Ursprungsrasse gilt als gehaltsstark, fruchtbar, langlebig und anpassungsfähig. Die Kreuzung mit amerikanischen Brown-Swiss-Tieren führte hauptsächlich zur Verbesserung der Milchleistung. Heute gilt Schweizer Braunvieh vorwiegend als wirtschaftlicher Milchviehtyp. Braunvieh-Milch eignet sich dank des hohen Kappa-Kasein B Anteils besonders zur Käseherstellung.

Original Braunvieh: 

Die Schweiz ist das Ursprungsland. Kühe mit reinem Schweizer Braunviehblut nennt man die Original Braunen. OB gilt nur, wer 100 Prozent OB-Blut-Anteil in der Abstammung hat. Rückkreuzungen werden folglich nie OB. Die Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der schweizerischen Original Braunviehrasse wurde am 12. Februar 1981 gegründet. Sie entstand zu einem Zeitpunkt, als die Einkreuzung mit importiertem Brown-Swiss-Blut die Mehrheit der Braunviehbestände erfasst hatte. Die Beliebtheit der Zweinutzungsrasse steigt seit Jahren. Zucht, Agrarpolitik und Betriebsverhältnisse machen es möglich.

Welche Kuhrasse kann Sie am meisten überzeugen? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit.

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