Samstag, 23. Oktober 2021
25.09.2021 06:00
Viehzucht

«Unsere Herde ist ausgeglichener»

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Von: sum

Werner Hänni aus Riggisberg hat seit 2015 einen Zuchtberater. Angesichts der rasch wechselnden Genetik schätzt er dessen Wissen. Die Zuchtverbände verzeichnen eine zunehmende Nachfrage nach dieser Dienstleistung.

Schon in der dritten Generation züchtet Werner Hänni Braunvieh. «Früher war es Original Braunvieh, heute ist es Brown Swiss», meint er zur Rasse.

Neuer Stall 2014

Der Betrieb von ihm, seiner Frau Elsbeth und Sohn Roman Hänni – die bereits aktive vierte Züchtergeneration – liegt in Riggisberg BE in der Hügelzone. 2014 hat Familie Hänni einen Laufstall gebaut für 42 Kühe. «Wir bewirtschaften 28 Hektaren und haben etwa 35 weidegewohnte Kühe mit Aufzucht», ergänzt der Betriebsleiter.

«Die Fütterung ist raufutterbasiert, da wir beim Programm zur graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion mitmachen. Nebst der Weide erhalten die Kühe eine Mischration mit Heu und Emd, Grassilage, etwas Maissilage, Eiweissausgleichsfutter und Mineralsalz. Leistungsfutter ergänzen wir an der Station. Im Herbst grasen wir ein. Damit kommen wir auf einen Stalldurchschnitt von rund 7300 Kilo Milch pro Kuh und Jahr.»

Die Fütterung ist raufutterbasiert.
zvg

Besuch einmal pro Jahr

Bei Werner Hänni ist zweifelsohne viel Erfahrung bei der Haltung und der Zucht von Milchkühen vorhanden. Das beweist etwa der Abteilungssieg von Glenn Milena an der Berner Kantonalen Ausstellung 2019, wo sie auch den Schöneutertitel holte. Doch zusätzlich zu seiner Erfahrung nimmt er die Zuchtberatung von Braunvieh Schweiz in Anspruch.

Bereits seit 2015, als er diese Dienstleistung bei einem Wettbewerb gewann. Dazu meint Werner Hänni: «Einmal pro Jahr besucht uns unser Zuchtberater Andy Kocher. Er hat ein sehr grosses Wissen, kennt die Genetik bestens und die bewährten Kuhfamilien. Bei einer so grossen Stierenauswahl und der kurzlebigen Genetik nehme ich die Besamungsvorschläge gerne entgegen. Die Kühe, mit denen wir weiterzüchten wollen, bestimmen wir selber.»

Guter Service

Dabei setzt er auf korrekte breite Becken, ein gutes Fundament mit Klauensatz, was in seinen Augen sehr wichtig ist bei der Laufstallhaltung, und auf schöne, gesunde Euter. «Wichtig sind aber auch die wirtschaftlichen Merkmale wie Fruchtbarkeit, Zellzahl, Tiergesundheit und hohe Inhaltsstoffe.»

Werner Hänni findet, die Zuchtberatung sei ein guter Service von Braunvieh Schweiz: «Mit unserem Zuchtberater haben wir immer wieder interessante und gute Begegnungen. Seit wir die Beratung in Anspruch nehmen, konnten wir unsere Kühe im Exterieur und in den wirtschaftlichen Bereichen verbessern, die Herde wurde ausgeglichener.»

Werner Hänni, Züchter in dritter Generation
zvg

Gefragte Zweitmeinung

Laut Michaela Schnider von Braunvieh Schweiz hat der Zuchtverband mittlerweile sieben Zuchtberater im Einsatz, die zusätzlich die Data-Betriebe betreuen. «Wir bieten die Zuchtberatungen seit 2005 an», gibt sie Auskunft. «In den letzten zwei Jahren konnte die Dienstleistung relativ stark ausgebaut werden. Knapp 250 Betriebe nehmen sie in Anspruch, darunter viele sehr treue Kunden. Diese erhalten dann jährlich drei Paarungspläne zugestellt.»

Grundsätzlich eigne sich eine Zuchtberatung für jeden Betrieb, versichert sie. «Viele Betriebe wollen sich durch den Zuchtberater eine Zweitmeinung einholen und so einer Betriebsblindheit entgegenwirken. Ebenfalls kennen die Zuchtberater alle Stiere hervorragend. Es braucht viel Zeit, bei so vielen und rasch wechselnden Stieren immer auf dem neuesten Stand zu sein.»

Züchtern fehlt die Zeit

Marcel Egli von Swissherdbook bestätigt, dass die Zuchtberatung im Trend liegt: «Die Nachfrage hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen, da die Zuchtberatung für Betriebe mit dem Prüfvertrag Advanced, wobei alle Tiere typisiert und Gesundheitsdaten geliefert werden, kostenlos ist.» Betreut würden derzeit etwa 250 Betriebe, wobei der Paarungsplan in der Regel dreimal jährlich neu gerechnet und die Betriebe einmal pro Jahr besucht würden.

«Durch den Strukturwandel werden die Betriebe eher grösser. Viele Betriebsleiter haben nicht mehr die Zeit, sich mit dem grossen und schnell wechselnden Genetikangebot auseinanderzusetzen, und wollen dies jemandem übergeben, der sich auskennt», nennt er Gründe für die Zuchtberatung, die bei Swissherdbook vor allem Betriebe ab 30 Kühen in Anspruch nehmen.

Meisterzüchter als Kunden

«Die Zuchtberatung beinhaltet aber auch, die Kühe in der Herde auszuwählen, die sich für die Weiterzucht eignen. Diesen Wunsch äussern praktisch alle Betriebsleiter», so Marcel Egli. «Im Kundenkreis befinden sich auch bekannte Züchter, die eine zweite Meinung einholen beim Anpaaren.»

Bei Holstein Switzerland haben aktuell 136 Züchter ein Anpaarungsabonnement. «Bei Betrieben, die dies wünschen, führen wir die Anpaarungsberatung dreimal jährlich nach jeder Zuchtwertschätzung durch», erklärt Olivier Buchs von Holstein Switzerland. «Dies wird direkt über HolsteinVision abgewickelt und braucht im Normalfall keinen Betriebsbesuch.» Die Anpaarungsberatung sei für jeden Betrieb empfehlenswert, findet er. «Sogar Meisterzüchter nutzen bei uns diese Dienstleistung.»

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