29.06.2016 06:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
Hornkuh
«Verletzungen in Laufstall enden im Schlachthof»
Konrad Klötzli, Präsident der IG Anbindestall, stört sich daran, dass der Bundesrat die Hornkuh-Initiative ablehnt.

«Schweizer Bauer»: Der Bundesrat ist gegen die Hornkuh-Initiative, weil wegen dieser Initiative wieder vermehrt Anbindeställe gebaut werden könnten. Was sagen Sie dazu?
Konrad Klötzli: Das ist ein Schlag gegen den Anbindestall. Bundesrat Guy Parmelin als Bauer und Bundesrat Ueli Maurer als Bauernsohn müssten wissen, dass der Anbindestall in der Schweiz die volle Berechtigung hat. Maurer hat ja als junger Mann selber Kühe angebunden. Dann hat er auch noch eine eigene Kuh in Adelboden in Pension.

Maurer und Parmelin sind nicht alleine im Bundesrat...
Das ist mir klar. Der Entscheid ist im Gesamtbundesrat gefallen. Ich bin sehr enttäuscht, dass der Bundesrat ein jahrtausendealtes System infrage stellt. Der Anbindestall muss im Alpenland Schweiz weiterhin seine Berechtigung haben. Das heisst: Gleichberechtigung von Anbindestall und Laufstall auf Ebene von Gesetz und Verordnung, aber auch in der Forschung. Das ist eine neue Erkenntnis, weil der Bund für Anbindestall nicht mehr forschen lässt. Da sind wir dran.

Teilen Sie aber die Auffassung des Bundesrates, dass Anbindeställe besonders geeignet sind für die Haltung von behornten Kühen?
Ja, der Anbindestall ist eindeutig besser geeignet für die Haltung von behornten Tieren. Denn Tiere sind im Anbindestall geschützt vor Verletzungen und Belästigungen, wie sie in Laufställen oft geschehen. Und viele Verletzungen im Laufstall enden im Schlachthof. Im Anbindestall hingegen sind auch die schwachen Tiere gut geschützt.

Der Schweizer Tierschutz hat schon klar die Forderung aufgestellt, dass es bei Annahme der Initiative nur einen Hörnerfranken für Kühe geben soll, welche in Laufställen gehalten werden.
Das ist komplett falsch. Das geht in Richtung eines Laufstallzwangs. Wir wollen in der Schweiz keinen Zwang. Wenn schon, dann soll es den Hörnerfranken auch im Anbindestall geben. Denn behornte Tiere im Laufstall zu halten, ist fast nicht möglich. Es wird zwar auch praktiziert, ist aber mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

Man hat den Eindruck, dass die Hornkuh-Initiative unter den Bauern selber eher umstritten ist. Sehen Sie das auch so?
Ja, das ist so, weil ein Laufstallbauer  sich von der Hornkuh-Initiative eher benachteiligt fühlt. Das ist begreiflich.

Woher soll das Geld für den Hörnerfranken kommen?
Eine Aufstockung des Budgets dürfte schwierig sein. Aber man könnte etwas Geld von den Ökobeiträgen zum Hörnerfranken verlagern. Kuhhörner am Tier zu belassen, ist ja aber auch ökologisch. Jeder Bauer, der den Hornschmuck an der Kuh belassen will, soll das können. Die Kuh braucht ja das Horn auch noch für den Verdauungshaushalt. Das Horn dient als Expansionsgefäss. Das ist erwiesen. Zwar wird das Tier unter Narkose enthornt. Das bedeutet aber, dass der Eingriff Schmerzen auslöst.

An welchen Themen sind Sie von der IG Anbindestall momentan sonst noch dran?
Der moderne Anbindestall erfüllt den Kuhkomfort in seinen fünf Elementen Wasser, Licht, Luft, Liegekomfort und Raus komplett. Wir suchen deshalb eine Lösung, um den Artikel 35 in der Tierschutzverordnung zu streichen. Dies mit dem Ziel, dass das Kuhreinhaltegerät abermals in allen – also auch in neuen – Ställen wieder eingebaut werden kann.

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