24.04.2018 13:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Appenzell Innerrhoden
«Viehzucht ist eine Familiensache»
Die Viehzucht spielt im Leben von Jakob Fuster eine wichtige Rolle. Deshalb hat er von Martin Preisig das Präsidium der Appenzeller Viehzuchtgemeinschaften übernommen und ist neu im Vorstand von Braunvieh Schweiz.

Friedlich stehen viele der 30 bis 35 Milchkühe von Jakob Fuster im Aussenbereich vor dem Laufstall auf dem Hof Lichs in Eggerstanden. Neugierig strecken sie ihre Köpfe zwischen den Eisenstangen hindurch und begrüssen den Landwirt. Auffallend dabei ist vor allem, welche Ruhe und Zutraulichkeit diese Tiere ausstrahlen. «Unsere ganze Familie beschäftigt sich oft mit den Tieren», sagt Jakob Fuster. «Deshalb sind sie sich an uns gewöhnt.»

Umgängliche Milchkühe

Diese friedliche Stimmung ist Jakob Fuster wichtig. Zum einen grundsätzlich, zum anderen, weil er sich mit Herzblut für die Zucht engagiert, seit Neuestem auch als neuer Präsident des Kantonalverbandes Appenzellischer Viehzuchtgemeinschaften. «Dieses Amt wird mich sicher ab und zu beanspruchen», sagt er. «Doch mit guter Organisation auf dem Hof und mit der Mithilfe meiner Familie ist fast alles möglich.»

Wie sehr er die braune Kuh mag, zeigt sich, als er von der Zucht erzählt. Er möchte umgängliche, funktionierende und wirtschaftliche Milchkühe. «Mein Ziel sind nicht Hochleistungskühe. Mir ist lieber, wenn eine Kuh im Stall gar nicht auffällt, gesund ist und genügend Milch gibt. Wenn sie dann noch schön ist, so ist das umso besser.» 

Fast im gleichen Atemzug ergänzt er, dass die Zucht auch mit viel Glück verbunden ist. Man könne zwar vieles steuern und seine Ziele erreichen, manchmal aber auch nicht. Sicher ist, dass seine Tiere alt werden dürfen wie Fina, die in ihren 18 Jahren bereits über 125'000 Kilo Milch gegeben hat.

Erfolge an Schauen

So erstaunt es nicht, dass die Familie Fuster an der einen und anderen Viehschau anzutreffen ist. Dazu gehören im Herbst die Viehschau in Appenzell und im März die Schau der Züchtergruppe in Appenzell. An beiden gewannen Fusters Tiere schon mehrere Preise. Vor allem seine Söhne unternehmen zudem Ausflüge an nationale Schauen, unter anderem bis ins Tessin. «Wenn wir ab und zu vorne dabei sein können, ist das eine willkommene Bestätigung für unsere Zuchtarbeit», betont Fuster.

«Deshalb ist unsere Freude in solchen Momenten schon gross. Das gilt für die ganze Familie, denn wir beraten oft, welchen Weg wir einschlagen sollen.» Wegen dieser familiären Situation müssen sich Susanne und Jakob Fuster für die Zukunft des Hofes auch keine Sorgen machen. Ihre vier Söhne Adrian (24 Jahre), Marco (22), Ruedi (21) und Christian (19) verbringen gerne und viel Zeit auf dem Hof. Der älteste und der jüngste zeigen schon heute Interesse an einer Nachfolge.

Al- und Alpbetrieb

Auf dem 27 Hektaren grossen Hof von Susanne und Jakob Fuster leben 30 bis 35 Milchkühe in einem Laufstall. Ebenso viel Jungvieh, rund 12 Kälber, die Fuster selber mästet, und 40 Mastjager kommen dazu. Die 200'000 Kilo Milch liefern sie an die Bergkäserei Hinterberger Gais. Für den Sommer pachten die beiden seit 2009 auf der Alp Soll direkt unter dem Hohen Kasten für 21 Tiere das Alprecht Obergrueben.

«Mit rund der Hälfte der Kühe und einigen Rindern fahren wir sennisch öbere», erzählt Fuster. «Die Betreuung wird diesen Sommer erstmals einer meiner Brüder übernehmen. Das restliche Jungvieh verbringt den Sommer auf den Alpen Unterkamor und Bildstein.» 15 bis 16 Milchkühe bleiben im Talbetrieb. Diese Aufteilung erweitert das Futterangebot und passt ideal zum Betrieb, auf dem die Kühe so viel als möglich von Gras und Heu leben sollen. mab

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE