6.06.2017 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Luzern
Vollweide und Roboter passen zusammen
Andreas Bucher aus Rain LU führt einen Vollweidebetrieb mit 55 Kühen. Und er hat einen Melkroboter. Damit das zusammenpasst, müssen die Technik und die Genetik stimmen, und es braucht Fingerspitzengefühl.

Vollweide mit saisonaler Abkalbung und ein Melkroboter – das muss kein Widerspruch sein. Dass es funktioniert, beweist Andreas Bucher aus Rain LU. Er bewirtschaftet einen Betrieb mit 55 Kühen, vorwiegend Kiwi-Cross, also eingekreuzte neuseeländische Weidegenetik. Die Milchleistung liegt im Schnitt bei rund 7000kg. Die Abkalbung erfolgt saisonal Ende Januar bis Mitte März. «Den DeLaval-Roboter haben wir seit eineinhalb Jahren», erklärt Bucher. «Vollweide haben wir schon vorher betrieben.»

Besserer Stundenlohn

Verschiedene Gründe sprachen dafür, dass Bucher auf einen Roboter wechselte. «Für einen grösseren Melkstand war der Platz im Stall nicht geeignet. Für den Roboter passte es baulich», zählt er auf. «Zudem bin ich überzeugt, dass ich mit dem Roboter flexibler arbeiten und einen besseren Stundenlohn erwirtschaften kann, obwohl er zwischen Ende November und Ende Januar, wenn die Kühe galt sind, nicht in Betrieb ist. Nicht zuletzt bietet ein Roboter Lebensqualität, weil ich nicht jeden Tag zu fixen Zeiten im Stall stehen muss.»

Damit sich Vollweide und ein Melkroboter kombinieren lassen, braucht es laut Bucher die passende Genetik, die passende Technik und Fingerspitzengefühl. Letzteres vor allem deshalb, weil das Weidemanagement stets dem Graswachstum, dem Wetter und dem Verzehr angepasst werden muss. Und es muss gewährleisten, dass die Kühe regelmässig in den Stall zurückkehren, um sich melken zu lassen.

Sektoren A, B und C

Sonst gäbe es zu gewissen Zeiten einen Stau vor dem Roboter. «Mit Kurzrasenweide geht das nicht», berichtet der Betriebsleiter von seinen Erfahrungen, die er letzten Sommer gemacht hatte. «Als es heiss wurde, wollten alle Kühe tagsüber im Stall sein. Wir erreichten die gewünschte Anzahl Melkungen nicht.»

Nun ist der Betrieb in drei Sektoren, A, B und C, eingeteilt. In jeden Sektor führt ein breiter, guter Weideweg, auf dem sich die Kühe kreuzen können. Die Sektoren sind wiederum in verschiedene Weiden unterteilt. «Pro Weidefläche gibt es zwei bis drei Portionen», erklärt Bucher. «Die Kühe kommen im Schnitt alle acht Stunden in einen neuen Sektor. Das variiert je nach Saison, derzeit wechseln sie ihn um 6 Uhr, um 14 und um 23 Uhr. Das Smart Gate, das intelligente Weidetor von DeLaval, lässt sich über den PC entsprechend programmieren.»

Im Stall nur Stroh

Bevor sie in einen neuen Sektor und damit ins frische Gras dürfen, müssen die Kühe jeweils zurück in den Stallbereich. Dort gibt es kein Futter, nur etwas Stroh, Viehsalz und Mineralstoffe. Dazu im Roboter etwas Lockfutter. Bucher: «Mit diesem System kann ich die Kosten tief halten. Die Kühe wissen genau, wann sie frisches Gras bekommen und dass sie bis dahin gemolken sein müssen, um durch das Smart Gate zu kommen. Man unterschätzt ihre Intelligenz.»

Tatsächlich erreichen die Kühe derzeit im Schnitt 2,5 Melkungen pro Tag. Auch gegen Ende der Laktation sank der Schnitt im letzten Jahr laut Bucher nicht unter 2 Melkungen pro Tag. «Wir mussten die Kühe auch nie in den Roboter treiben», ergänzt er. «Wichtig ist, dass sie nie überfressen sind. Sie müssen die Weiden sauber abweiden. Deshalb muss ich sie immer eher knapp halten. Das bedingt kleine Koppeln, mit diesen ist man auch flexibler.»

Mehr Milch als früher

Die grösste Arbeit besteht im Zäunen, wobei Bucher auch diese Arbeit perfektioniert hat. Dazu braucht es viel Know-how über das Graswachstum. «Die Erfahrung mit dem Weiden und die Weidegenetik sind die Erfolgsfaktoren», betont Bucher. «Vollweide – also Low-Input – und Roboter widersprechen sich nicht, obwohl das viele denken. Im Gegenteil, ich melke 10 bis 15 Prozent mehr Milch als in den letzten Jahren. Auf den Portionenweiden fressen die Kühe mehr, und sie lassen sich häufiger melken. Mit Vollweide funktioniert das Weiden sogar besser als mit einer Teilzeit-Stallfütterung, weil der Ablauf gegeben ist. Die Kühe wissen, dass es im Stall kein Futter gibt.»

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