7.12.2016 15:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
Von 70 auf 2 Milchbauern
An der DV 2011 konnte Michel Bonjean eine Mehrheit der Anwesenden für sein Anliegen gewinnen, aus der Branchenorganisation Milch auszutreten. Fünf Jahre später ist er Präsident des Walliser Milchverbands.

«Zum damaligen Zeitpunkt war der Entscheid, aus der BOM auszutreten, richtig», erinnert sich Michel Bonjean aus Vouvry VS an die Delegiertenversammlung im Jahr 2011. Damals war es ihm gelungen, eine Mehrheit der Walliser Milchproduzenten für einen Austritt hinter sich zu scharen.

Keine Rückkehr

Nachdem er inzwischen selbst zum Präsidenten des Walliser Milchverbands (WMV) gewählt wurde, sieht er die BOM etwas differenzierter. Allerdings liegt das vor allem daran, dass sich die beiden Parteien – die Verarbeiter und die Vermarkter auf der einen  sowie die Produzenten auf der anderen Seite – heute gegenseitig anhören, während früher die Verarbeiter zu viel Macht hatten.

Trotzdem sieht Bonjean noch keinen Anlass, wieder zur BOM zurückzukehren. «Heute würde uns der tiefe Milchpreis wahrscheinlich daran hindern, eine Mehrheit für einen Wieder-Beitritt zu finden», so Bonjean.

Zum damaligen Zeitpunkt war allerdings auch noch nicht vorgesehen, dass Bonjean dereinst selbst Präsident des WMV werden könnte. Seit seiner Wahl im vergangenen April plagen ihn daher neue Sorgen: «Ich bedaure vor allem, dass es den Schweizer Milchproduzenten noch nicht gelungen ist, einen Kompromiss für die Beitragszahlungen an die Lactofama AG im nächsten Jahr zu finden.»

Kritik an Agrarpolitik

Das schwierige Umfeld der Konsummilch-Produzenten spürt Bonjean am eigenen Leib. Er selbst ist an seinem Wohnort in der Ebene bei Vouvry noch einer von zwei Landwirten, die gegenwärtig noch Milchkühe besitzen – in seiner Jugend waren es noch 70. In den übrigen Gemeinden des Chablais sieht es nicht besser aus, in Monthey oder Vionnaz gibt es heute keinen einzigen Milchproduzenten mehr. Stattdessen haben manche Bauern auf Mutterkühe umgestellt, während andere überhaupt keine Tiere mehr besitzen und stattdessen Buntbrachen kultivieren.

Bonjean übt daher Kritik an der Agrarpolitik: «Es kann doch nicht sein, dass diese Bauern dieselben Direktzahlungen erhalten wie Milchbauern, die ihre Kühe zweimal täglich von der Weide zum Melkstand holen und dadurch viel mehr Arbeit haben.»  Er selbst lässt seine Kühe jeweils von Ende März bis Ende Oktober auf insgesamt rund zehn Hektaren weiden. Dabei lässt er die Türen seines Laufstalls stets offen, sodass die Kühe jederzeit zurückkehren können. Vor allem im Sommer, wenn es heiss ist, ziehen sie es vor, tagsüber im Stall zu bleiben.  

Gutes Klima für Mais

Die Nähe zum Genfersee beschert dem Chablais aber auch viel Feuchtigkeit und Regen, sodass Bonjean seine Kühe manchmal nicht mehr ins Freie lässt, um die feuchten Weiden zu schonen. Anderseits eignet sich das Klima hervorragend für den Anbau von Mais und Roggen. Beides baut er für seine Kühe an.

Die in dieser Region günstigen Bedingungen werden jedoch durch falsche Anreize bei den Direktzahlungen wieder zunichte gemacht. «Um die Beiträge von 200 Franken pro Hektar zu erhalten, müsste ich den Anbau von Mais um drei Viertel reduzieren, würde dann aber Luzerne aus Spanien benötigen, um die Kühe mit genügend Energie zu versorgen», sagt Bonjean. Für ihn ein Unding – und so nimmt er lieber eine Reduktion der Beiträge in Kauf, als für teures Geld Energie hinzukaufen zu müssen.

Milchtransporte

Walliser Konsummilch-Produzenten erhalten vom Kanton einen Beitrag zur Unterstützung der Milchtransporte. Für Michel Bonjean, Präsident des Walliser Milchverbands, gleicht der Kanton damit aber nur einen Teil der höheren Transportkosten aus, die durch die Topografie des Wallis mit seinen zahlreichen Seitentälern, wo der Milchtransporter jeweils rauf- und wieder runterfahren muss, entstehen. «Trotzdem sendet der Kanton damit ein Signal, dass ihm Konsummilch-Produzenten im Wallis wichtig sind und es für sie auch langfristig eine Zukunft gibt», so Bonjean. czb

 


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