17.04.2020 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Melkroboter
Von null auf zwei Lely Astronaut
Markus Heeb aus Güttingen TG hat vom dreimaligen täglichen Melken im Melkstand umgestellt auf zwei Lely-Roboter. Die Kühe haben den Wechsel problemlos vollzogen, die Leistung von 11500kg dürfte noch steigen.

Markus und Lea Heeb bewirtschaften in Güttingen TG einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 80 Holsteinkühen. Der Stallschnitt liegt bei 11500kg, die Zellzahlen knapp über 100000. «Vor knapp 2 Jahren haben wir drei Mal am Tag gemolken mit Aushilfspersonal von auswärts», erinnert sich Markus Heeb. «Auf den kommenden  Sommer habe ich aber  keinen Lehrling gefunden, und eine Melkerin hatte noch einen Unfall. Da mussten wir selber drei Mal täglich melken, und das gibt lange Tage.»

Eine zentrale Einheit

Damit ist es nun aber vorbei. Das Melken haben zwei Melkroboter, zwei Lely Astronaut A5, übernommen. Dies, obschon Markus Heeb dem Roboter früher eher skeptisch gegenüberstand. «Mit einer Herde von 80 Kühen bin ich zwischen einem und zwei Robotern, das hat den Entscheid nicht vereinfacht», begründet er sein Zögern, aufs Robotermelken umzustellen. Was den Entscheid vereinfacht hat, erklärt Marcel Schwager von Lely: «Lely bietet die Option, die zentrale Einheit mit Boiler, Vakuumpumpe, Stromverteilung und Computer nur einmal kaufen zu müssen. Entsprechend ist der zweite Roboter viel günstiger.» Schwager betont aber auch klar: «Mit diesen hohen Leistungen wäre ein Roboter für 80 Kühe zu wenig.»

Melkstand herausgerissen

So kam es, dass Markus Heeb am 2. März mit dem ersten Roboter zu melken begonnen hat. Parallel hat er den Melkstand herausgerissen und innerhalb von zwei Wochen auch den zweiten Roboter installiert. Eine kurze Sache. «Die Kühe haben sich problemlos ans Robotermelken gewöhnt», erinnert sich der Betriebsleiter. «Zuerst haben wir im Roboter etwas Kraftfutter gegeben, damit alle einmal durchgingen. Dann liessen sie sich schon freiwillig melken.» Dazu beigetragen hat das I-Flow-Konzept von Lely: Die Kühe gehen gerade in den Roboter und kommen gerade wieder heraus. «Das ist, als wenn der Roboter zur Kuh in die Herde käme und nicht die Kuh in den Roboter», erklärt Schwager. Und Markus Heeb ergänzt: «Nach knapp einem Monat melken im total freien Kuhverkehr haben wir pro Kuh und Tag drei Melkungen und sechs Verweigerungen. Das heisst, dass jede Kuh den Roboter neunmal täglich besucht.»

Freier Tierverkehr

Markus Heeb war es enorm wichtig, dass im Stall ein freier Kuhverkehr herrscht, die Kühe also nicht gelenkt werden und so nur zeitweise fressen oder liegen können. «Wir haben ein hohes Tierwohl im Stall», begründet er, «ich will der Kuh nicht sagen, wo sie hin soll.»  Das ist nun mit Lely gegeben. Ein Roboter ist von der Fressachse her zugänglich, der andere wird von der Seite der Liegeboxen her betreten.  So verteilen sich die Kühe ideal auf die beiden Maschinen.

Mit Klauenwaschanlage

Obschon die beiden Astronaut A5 bereits laufen, werden sie demnächst noch aufgerüstet: mit einer Klauenwaschanlage. Auch diese wird zentral gesteuert und ist deshalb im zweiten Roboter einiges günstiger, als wenn zwei komplette Waschanlagen eingebaut werden müssten. Heeb setzt zudem auf die Wiederkäu- und Aktivitätsmessung von Lely. Ausgewertet werden auch Fett- und Eiweissgehalt der Milch sowie deren Temperatur. Zudem werden die Kühe mit der integrierten Tierwaage bei jedem Roboterbesuch gewogen. «Ich erhoffe mir, Rückschlüsse auf die Fütterung ziehen   und Ketose frühzeitig erkennen zu können», blickt Heeb voraus.

Schwager ergänzt: «Die Tierwaage vergleicht die Gewichtsentwicklung jeder Kuh mit derjenigen der ganzen Herde. Sinkt das Gewicht einer Kuh überproportional, schlägt der Roboter Alarm. Erst später geben die Milchinhaltsstoffe und das Wiederkäuverhalten Hinweise auf eine Ketose.» Schwager weiss von Kunden, die sogar die Trächtigkeitskontrolle mit der Tierwaage durchführen – in Kombination mit der Milchmenge und den Aktivitätszahlen. Ebenso einfach ist es, brünstige Kühe zu erkennen, indem man die Daten der Aktivitätsmessung und der Milchwägung kombiniert.

Gewonnene Flexibilität

Im Sommer werden die Kühe von Markus Heeb stundenweise geweidet. Im Stall erhalten sie eine Ration mit zwei Dritteln Mais- und einem Drittel Grassilage, dazu Eiweissmischung, etwas Rübenschnitzel und Mineralstoffe. Gefüttert wird mit dem Mischwagen, zusätzlich schiebt ein Futtervorschieber das Futter 15 Mal pro Tag vor. «Wir haben die Getreidemischung aus der Ration genommen», erklärt Heeb, «die Kühe erhalten sie nun hauptsächlich im Roboter.»

Da Markus Heeb von Anfang an darauf geachtet hat, in der ganzen Umstellung das dreimalige Melken beizubehalten, ist die Leistung in der Umstellphase nicht gesunken. «Ich könnte mir vorstellen, dass der Stallschnitt in der nächsten Zeit sogar noch etwas steigen wird», so seine Einschätzung.

Schon jetzt nicht mehr missen möchte er die neu gewonnene Flexibilität, die die beiden Lely-Roboter ihm bieten. «Man merkt es, dass ich am Mittag nicht mehr melken muss, das gibt Freiraum für andere Arbeiten, besonders, wenn nun die Feldarbeit losgeht.»

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