27.09.2017 08:52
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
St. Gallen
Wahlfreiheit beim Fressen und Melken
Corina und Richard Kobelt aus Marbach SG haben letztes Jahr ihren neuen Milchviehstall bezogen. Bei der Planung standen der Kuhkomfort und die Arbeitswirtschaftlichkeit im Zentrum. Das sind keine Gegensätze. -> Mit Video

Seit zehn Jahren verkauft DeLaval nicht nur Melktechnik, sondern bietet auch Stallbauplanungen an. Zwei, die die Dienste des Konzerns in Anspruch genommen haben, sind Richard und Corina Kobelt aus Marbach SG. Sie bewirtschaften einen Milchwirtschaftsbetrieb und haben 2016 einen neuen Stall gebaut.

Freie Wahl beim Melken

Derzeit melken sie rund 80 Kühe der Rassen Holstein, Red Holstein und Braunvieh, die Milchleistung liegt bei 32 bis 33kg pro Tag, entsprechend 9'500 bis 10'000kg Milch pro Laktation. Die Herde soll in nächster Zeit auf rund 100 Kühe aufgestockt werden, deshalb ist der Anteil an Erstmelkkühen überdurchschnittlich hoch. Dass man mit so vielen Kühen zwei Melkroboter braucht, leuchtet ein. Bei Kobelts sind sie parallel angeordnet.

Die Kühe können selber entscheiden, in welchem sie sich melken lassen wollen. Die parallele Anordnung wurde gewählt, damit die Roboter für die Kühe gleichwertig sind und nicht die eine oder andere Maschine bevorzugt wird. Mit 100 zu melkenden Kühen, die auch noch stundenweise geweidet werden, würde es sonst zu Stau führen – und dies wäre gar nicht im Sinn von Richard und Corina Kobelt. «Kuhkomfort war bei der Planung ein zentrales Anliegen», betont Corina Kobelt. «Die Kühe sollen sich stressfrei melken lassen können.»

Kurze Wege für die Kühe

Bruno Meier ist Gebietsverkaufsleiter bei DeLaval. Er hat mit Kobelts und dem DeLaval-Architekturbüro den Stall geplant. Er weiss, worauf es dabei ankommt: «Trotz der Grösse des Stalles müssen die Wege kurz sein und die Kühe genügend Fressplätze haben. Deshalb haben wir sechs Reihen Liegeboxen und zwei Fressachsen gebaut.» Das mache ab 100 Kühen Sinn: «So kommen auch rangtiefe Kühe zum Fressen.» 

Im Stall der Kobelts sind alle laktierenden Kühe in einer einzigen Gruppe zusammengefasst. So wird an beiden Fressachsen dieselbe Ration vorgelegt. «Es wäre aber auch möglich, zwei Gruppen zu bilden und den Stall entsprechend aufzuteilen», sagt Meier. «Auch das ist ein Vorteil der beiden Fressachsen.»

Dinkelpellets als Einstreu

Dank Curtains und Windschutznetzen kann der Stall im Sommer auf vier Seiten geöffnet werden. Das Dach ist isoliert. Der Stall ist taghell und bietet eine enorm gute Luftqualität. Die Tiefboxen sind vorne mit einem Nackenband statt einem Rohr begrenzt, damit die Kühe beim Aufstehen nirgends anstossen. Sie werden – nicht ganz alltäglich – mit Dinkelpellets eingestreut. Diese haben gegenüber langem Stroh den Vorteil, dass sie von den Klauen oder vom Entmistungsroboter gut durch die Schlitze der Spaltenböden in die Güllegrube befördert werden können.

Im Fress- und im Wartebereich sind die Böden mit Gummimatten belegt. «Sauberkeit ist mir sehr wichtig», betont Richard Kobelt, «sie ist zentral für die Milchqualität, fürs Tierwohl und für die Klauengesundheit. Deshalb fährt der Entmistungsroboter jede Stunde eine Tour, damit die Kühe nie im Mist stehen.» Der gesamte Laufbereich ist zudem komplett eben gestaltet, damit die Kühe keine Stufen überwinden müssen.

Hilfe vom HerdNavigator

Bezüglich Arbeitskomfort wurde darauf geachtet, dass die Separation der kranken oder der kalbenden Kühe effizient auf beiden Seiten möglich ist. Kranke Kühe kommen in die Separationslinie, kalbende Kühe in die Abkalbelinie. Von beiden können sie direkt in den Roboter getrieben werden. Auch der HerdNavigator, das Management-Tool der DeLaval-Roboter, trägt viel zum Arbeitskomfort bei. Mit einem Klick auf den Bildschirm im Stallbüro können Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitskennzahlen jeder Kuh abgerufen werden. 

Offene Türen

Am 28. und 29. Oktober findet auf dem Betrieb von Corina und Richard Kobelt in Marbach SG ein Tag der offenen Tür statt. sum

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE