Donnerstag, 28. Januar 2021
31.12.2020 16:30
Jahresrückblick (9/11)

Wechselvolles Jahr für Rindviehhalter

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: lid

Ein turbulentes Jahr, geprägt von der Coronakrise neigt sich dem Ende zu. Der richtige Moment für einen Rückblick. Wir lassen das Landwirtschaftsjahr in elf Teilen Revue passieren. Im neunten Teil werfen wir einen Blick auf die Viehzucht und Kälbermast.

Ein gutes Jahr für die Viehzüchter Die Rindviehhalter erlebten ein wechselvolles Jahr, das am Ende doch noch gut endete. Die Schlachtviehpreise für sämtliches Grossvieh zogen am Jahresanfang an und lagen Mitte März deutlich über dem Vorjahr.

Am 16. März trat der Lockdown in Kraft und mit der Schliessung der Gastronomie kamen die Preise der Schlachtkühe und der Muni, Rinder und Ochsen unter Preisdruck. Die Produzentenpreise brachen innert Tagen um rund 10 Prozent ein.

Weniger eingefroren als erwartet

Die Branchenorganisation Proviande reagierte auf den Preiszerfall und liess mit Beiträgen einen Teil des Rindfleisches einfrieren, um den Markt zu entlasten. Im Mai waren 286 Tonnen Rindfleisch eingefroren, weniger als man erwartet hatte.

Die Nachfrage der Gastronomie ab Mitte Mai und das weiter bestehende Verbot, für Einkäufe ins nahe Ausland zu fahren, liess die Nachfrage rasch ansteigen und in der Folge erholten sich die Preise rasch. Proviande gab im Laufe des Sommers das eingelagerte Rindfleisch zum Konsum frei.

Zugleich stiegen die Rindfleischpreise weiter an. Als ab Juni der Einkaufstourismus wieder erlaubt wurde, kam er nicht wieder in Schwung wie vor Corona. Das alles wirkte sich positiv aus auf einheimisches Rindfleisch. «Nie hätte ich mir träumen lassen, dass die Preise für Muni auf 9 Franken und 80 Rappen steigen würden», sagte der Rindermäster Christian Meier aus Waltenschwil AG Mitte November in den Medien.

300 bis 500 Franken mehr

Ab Mitte Oktober sanken die Kuhpreise um 50 Rappen je Kilo Schlachtgewicht. Dieser Preiseinbruch ist aber zu relativieren. Denn die Kuhpreise von Fr. 8.50 je Kilo Schlachtgewicht für eine mittelfleischige Schlachtkuh lag damit immer noch um 30 Rappen über dem Preis von vor einem Jahr und sogar Fr. 1.70 über dem Kuhpreis vor zwei Jahren.

Dass die Viehhalter 2020 ein gutes Jahr erlebten, zeigen die Zahlen von Agristat mit aller Deutlichkeit. Die Viehhalter lösten in den ersten drei Quartalen rund 39 Millionen Franken mehr als in der Vergleichsperiode 2019, das ist ein Plus von 5,3 Prozent. An den Versteigerungen für Milchkühe lagen die Preise je Tier rund 300 bis 500 Franken höher als vor einem Jahr.

Die Viehhalter lösten in den ersten drei Quartalen rund 39 Millionen Franken mehr als in der Vergleichsperiode
Adrian Haldimann

Wechselvolles Jahr für die Kälbermäster 

Die Kälbermäster erlebten ein Jahr mit ausserordentlich grossen Preisschwankungen und Unsicherheiten, ausgelöst durch die Corona-Krise. Das Jahr startete mit dem saisonalen Preisrückgang. Dieser findet gewöhnlich zu Jahresbeginn statt und wird in der Regel ausgelöst durch ein steigendes saisonales Angebot. Kalbfleisch wird überwiegend in der Gastronomie konsumiert.

Diese Abhängigkeit traf den Kalbfleischmarkt hart. Nach der Schliessung sämtlicher Restaurants ab Mitte März stürzten die Kälberpreise im Wochentakt unaufhaltsam in die Tiefe. Um den Kalbfleischmarkt zu stützen, liess die Branchenorganisation Proviande mit Beiträgen Kalbfleisch einfrieren. Im Mai waren 739 Tonnen Kalbfleisch eingefroren.

Leicht sinkender Konsum

Mit der Öffnung der Restaurants ab Mitte Mai erholte sich der Kalbfleischmarkt sehr rasch. Weil zudem fünf Prozent weniger Kälber geschlachtet wurden, stiegen die Preise über die vergleichbaren Preise der beiden Vorjahre. Weil sich die Situation entspannte, wurde das eingefrorene Kalbfleisch zum Konsum frei gegeben. Im Herbst wurde gar der Import von Kalbfleisch bewilligt, um die steigende Nachfrage zu befriedigen.

Im Gegensatz zum Rindfleisch traf jedoch die zweite Corona-Welle den Kalbfleischmarkt härter. Mit den Corona-Vorschriften wurden Versammlungen ins Internet verlegt und die dazugehörenden Geschäftsessen fanden nicht statt. Auch die Kälberpreise sanken.

Trotz des Einbruchs im Frühjahr und Sommer resultiert für die Kälbermäster in den ersten drei Quartalen ein leichtes Plus bei den Einnahmen von fünf Millionen Franken verglichen mit der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Konsum von Kalbfleisch liegt bei 2,5 Kilo pro Kopf und Jahr und ist in der Tendenz sinkend.

Im Gegensatz zum Rindfleisch traf  die zweite Corona-Welle den Kalbfleischmarkt härter.
Proviande

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE