17.10.2016 10:41
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Weniger Kühe, mehr Milch
Erstmals seit vier Jahren soll der Milchkuhbestand in der Europäischen Union nicht mehr zunehmen, sondern Ende 2016 unter dem Vorjahresniveau liegen. Davon geht zumindest die EU-Kommission in ihrer aktuellen Kurzfristprognose für die landwirtschaftlichen Märkte aus. Die Milchproduktion nahm aber bis Mitte Jahr noch zu.

Die Experten aus Brüssel rechnen zum Zähltermin im Dezember mit rund 23,1 Millionen Milchkühen in der Gemeinschaft; das wären etwa 300'000 Tiere oder 1,2% weniger als zwölf Monate zuvor. Für Ende 2017 wird ein Bestand von 22,8 Millionen Stück erwartet, was einer weiteren Abnahme um 1,5% entsprechen würde.

Die Kommission begründet ihre Prognose mit den hohen Kuhschlachtungen im bisherigen Jahresverlauf, die durch das angelaufene Programm zur Reduzierung der Milchmengen noch verstärkt werden könnten. Den Zahlen aus Brüssel zufolge wurden im ersten Halbjahr 2016 EU-weit 7,8% mehr Kühe als im Vorjahreszeitraum geschlachtet. Darin sind allerdings auch die Fleischkühe enthalten.

Auf die Milchproduktion hatte dies zunächst wenig Einfluss, denn diese nahm gegenüber Januar bis Juni 2015 laut Kommission um rund 3 % zu. Seit Juni sind jedoch Bremsmanöver der Erzeuger spürbar, weshalb die Milchanlieferungen in der zweiten Jahreshälfte um 2% unter der Vorjahreslinie bleiben sollen. In der Summe soll sich laut der Prognose für 2016 bei den Molkereien ein Kuhmilcheingang von 153,2 Mio. t ergeben. Das wären 0,6% mehr als im Vorjahr.

Nach Einschätzung der Brüsseler Experten werden die Milchanlieferungen in der EU auch in den ersten Monaten von 2017 unter dem jeweiligen Vorjahresniveau bleiben, danach aber wieder etwas über der Vorjahreslinie liegen. Dieser Effekt werde umso stärker sein, je höher die Milcherzeugerpreise stiegen, erläuterte die Kommission. Laut ihrer Vorhersage wird sich bei weiterer steigender Milchleistung je Kuh der Rohstoffeingang bei den EU-Molkereien im Jahr 2017 auf 153,9 Mio. t belaufen und damit die für 2016 erwartete Menge um 0,5% übertreffen. Eine Prognose zur Entwicklung des Milchpreises wagten die Kommissionsexperten nicht.

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