24.05.2016 08:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
Wer gemolken ist, darf auf die Weide
David und Beat Schwager melken mit einem Roboter 9'000kg Milch pro Kuh. Die Fütterung ist silofrei. Wichtiger Bestandteil der Ration ist frisches Gras. Ein Weidetor ermöglicht das Weiden trotz Roboter. Die Kühe danken es.

Auf dem Betrieb von Beat und David Schwager in Wängi TG findet am 14. Juni  der zweite Anlass der Schweizer Milchviehtage statt. Der Betrieb erfüllt die Voraussetzungen: er verfügt über eine grosse Maschinenhalle und gesunde Kühe. 

In der Maschinenhalle ist Platz für alle Teilnehmer vorhanden, und gesunde, langlebige Kühe sind das Tagungsmotto der Milchviehtage. Das Thema ist nicht zufällig gewählt, denn mit Fruchtbarkeitsproblemen, Stoffwechselstörungen oder Klauenleiden hat wohl jeder Milchviehhalter schon zu kämpfen gehabt.

Viel Milch ohne Silage

Auch Vater Beat und Sohn David Schwager in Wängi wissen, dass gesunde Kühe nicht selbstverständlich sind – speziell nicht bei hohen Leistungen und silofreier Fütterung wie auf ihrem Betrieb. Ihre 70 Holstein- und Red-Holstein-Kühe – in der Herde stehen noch drei Braunviehtiere – geben im Schnitt gut 9'000kg Milch. Da diese zu Appenzeller verkäst wird, sind Mais- und Grassilage in der Ration tabu.

«Wir füttern Heu und Emd, und im Lely-Roboter kriegen die Kühe ein Energie- und ein Eiweissfutter sowie Maiswürfel vom eigenen Acker», umschreibt David Schwager, der auch als Fütterungsberater bei der Melior arbeitet, die Ration. «Ganz wichtig ist während der Vegetation das frische Gras, wir grasen ein und weiden täglich.» Die Weide, ist er überzeugt, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Tiergesundheit. «Seit wir die Kühe im Frühling auslassen, ist die Anzahl Melkungen von 2,5 auf 2,7 pro Tag gestiegen.»

Das Tor zur Weide

Weiden und Melkroboter – das ist eine Kombination, die viele für untauglich halten. Auf dem Betrieb Schwager bewährt sie sich bestens. Möglich mache das ein Weidetor, erkärt David Schwager: «Kühe, die in den nächsten Stunden nicht zum Melken müssen, können auf die Weide. Jene, die den Roboter schon lange nicht mehr aufgesucht haben, können durch das Tor gehen, werden aber zurück in den 2014 neu gebauten Laufstall geleitet.»

Ausser bei Schlechtwetter und bei Vegetationsbeginn ist der Zugang zur Weide rund um die Uhr möglich. Doch auch sonst ist das Tor nie verschlossen, sondern leitet alle Kühe zurück in den Stall. Das habe einen Vorteil, findet Schwager: «Es entstehen keine Sackgassen, die Kühe haben immer eine Ausweichmöglichkeit.»

Keine Hektik im Stall

Das Weidetor ist Voraussetzung dafür, dass der Roboter gleichmässig ausgelastet ist. Würden alle Kühe gleichzeitig mit prall gefüllten Eutern von der Weide heimkehren, käme es unweigerlich zu einem Stau. «So sind immer etwa 15 bis 20 Kühe draussen, die anderen im Stall am Liegen, Fressen oder eben im Roboter», schätzt Schwager. Das Wasser, das nur im Stall zu Verfügung steht, und das frische Gras tragen das Ihre dazu bei, dass weder auf der Weide noch im Stall Hektik oder Rangeleien auftreten.

«Wenn wir frisches Gras abladen, kommen die Kühe schon an den Futtertisch», beobachtet Schwager, «doch wir haben einen automatischen Futterschieber, den Lely Juno, sodass immer genug Ration vorliegt. Das ist besonders wichtig, wenn man Gras füttert.»

Gewichtsverlust

Schwagers mischen stets Heu unter das Gras von kleereichen Kunstwiesen. Trotzdem sind sich Vater und Sohn einig, dass der Silomais in der Ration nicht 1:1 zu ersetzen ist. Der Mist sei in der Vegetationsperiode dünner als bei Silorationen, und der Gewichtsverlust nach dem Kalben falle ohne Maissilage höher aus. David Schwager weiss: «Damit die Kühe gesund und fruchtbar bleiben, muss bei 30kg Tagesmilch und unserer Fütterung vieles passen.»

Schweizer Milchviehtage 

Die Schweizer Milchviehtage  finden auf drei Höfen statt:
Am 9. Juni bei Beat von Felten, Chäppelihof, Kestenholz SO (120 Kühe, 2 Delaval-Roboter, Industriemilch)
Am 14. Juni bei Beat und David Schwager, Höchi, Wängi TG (70 Kühe, Lely-Roboter, Appenzeller-Käsereimilch)
Am 24. Juni bei Raphaël Favre, Champ l’Eglise, Le Crêt-près-Semsales FR (50 Kühe, Melkstand, Gruyère-Käsereimilch)

Tagungsthema ist die Milchproduktion mit gesunden und langlebigen Kühen.  Referate zum Milchmarkt (SMP), zu Gesundheitsaspekten bei der Fütterung (Melior), zur Zucht auf gesunde langlebige Kühe (Swissgenetics); Workshops zu Klauenpflege und Futterkonservierung, Betriebsrundgang. sum

Teilnahme und Mittagessen kostenlos; Dauer jeweils 9 bis 16 Uhr. Anmeldung erforderlich unter info@melior.ch; Tel. 058 434 15 15, www.melior.ch/milchviehtage

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