7.04.2015 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Holstein
Wer viel Milch gibt, muss viel fressen
Emil Schmids Kühe gaben 2014 im Schnitt 15'321 kg Milch. Mehr hatte in der Schweiz kein anderer Holsteinzüchter. Dabei züchtet Schmid weder Schaukühe noch hat er einen Laufstall oder eine Kraftfutterstation.

Emil’S Ranch O Man Olivia war 2014 die Kuh mit der höchsten Milchleistung pro Laktation. Mit 20'111 kg, 3,81 Prozent Fett und 3,08 Prozent Eiweiss knackte sie als einzige im Holsteinzuchtverband die 20'000er-Marke. Olivia – sie lebt nicht mehr – gehörte Emil Schuler aus Baar ZG.

Oft auf dem Podest

Ebenso wie Emil’S Ranch Blitz Babette und Blitz Balbina, die bei den Drittlaktierenden am meisten Milch gaben. Bei den Zweitlaktierenden hat der Holsteinzüchter gar die Top-Drei im Stall stehen. Planet Prinzessin, Courier Bernadette und Jocko Jolanda führen die Liste nach Leistung an, alle mit über 17'000 kg in 305 Tagen. Auch bei den Erstlaktierenden hat Schuler mit Gavor Gerda und Otto Ottawa zwei Kühe auf dem Podest nach Leistung.

Im Ranking nach Lebensleistung steht Brett Belinda auf Rang drei. 131'695 kg Milch mit 4,28 Prozent Fett und 3,41 Prozent Eiweiss hat sie bisher gegeben, obschon sie erst 2002 geboren wurde. Die beiden Kühe mit höheren Lebensleistungen sind vier respektive fünf Jahre älter. Das zeigt sich auch in der Milchleistung pro Lebenstag, wo Belinda mit 29,2 kg die beiden Führenden überflügelt.

Viele Erstmelkkühe

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Betrieb mit dem höchsten Stallschnitt von 15'321 kg Milch, 3,79 Prozent Fett und 3,07 Prozent Eiweiss Emil Schmid gehört. Erzielt wird die hohe Leistung mit dreimaligem Melken. «2013 lag der Schnitt noch 480 kg höher», relativiert der Holsteinzüchter. «2014 hatte ich fast einen Drittel Erstmelkkühe im Stall.» 

Überhaupt sei die Jagd nach Rekorden nicht sein Ding: «Die Kühe sollen so viel Milch geben, wie sie können, vor allem aber nur so viel, dass ich sie füttern kann und sie gesund bleiben. Ich will nicht jeden Tag den Tierarzt im Stall.»

Schmid führt neben dem Betrieb mit Milchvieh, Mastmuni, Schafen und Ackerbau noch Gartenbauarbeiten aus. Zeit für seine Kühe – alle aus eigener Zucht – nimmt er sich dennoch. Das ist in seinen Augen einer der Hauptgründe für den Erfolg. Es könne abends noch so spät werden, er gehe immer noch in den Stall, mache das Läger sauber und schaue, ob alle Tiere noch zu fressen hätten.

Platz im Anbindestall

Damit ist gesagt, dass Schmids Kühe in einem Anbindestall stehen. Und einen solchen würde der Bauer auch heute wieder einem Laufstall vorziehen: «Wenn der Kuhkomfort stimmt, das Läger dick eingestreut und gross genug ist, ist ein Anbindestall nicht schlechter. Die Kühe können  jederzeit liegen und fressen. Und ich kann sie individuell füttern.»

Einfach eine Kraftfutterstation hinstellen, das wäre nicht im Sinn des Baarer Holsteinzüchters. Zumal er gar kein Leistungsfutter füttert. Seine Philosophie unterscheidet sich diesbezüglich von der traditionellen Fütterungslehre. Und seine Grundregel lautet: Wer mehr Milch gibt, muss mehr fressen. Mehr Grundfutter wohlgemerkt, nicht mehr Kraftfutter.

Ration auf 40 kg Milch ausgelegt

Das Grundfutter wird in Form einer Mischration vorgelegt. Sie enthält Haylage aus dem Harvestore-Silo, Heu, Mais-Ganzpflanzensilage, feucht einsilierte Maiskörner, Dextrose, extrudierte Leinsaat, Glycerin, Futterharnstoff, pansenstabiles Fett und ein Eiweisskonzentrat. Die Ration ist ausgelegt auf 40kg Milch. Ergänzend erhalten die Kühe Biertreber, Graswürfel und Getreide vom Betrieb.

Schmid legt bei der Fütterung wert auf die Pansensynchronizität, also darauf, dass Eiweiss und Energie den Pansenbakterien zeitgleich zur Verfügung stehen. Und er legt Wert darauf, dass die Kühe rund um die Uhr zu fressen haben. Die Kälber werden intensiv gefüttert und ein halbes Jahr lang mit fast 1000kg Milch abgetränkt. Von Frühfressmethoden hält der Milchviehhalter nichts, ebenso wenig von Aufzuchtfutter. Zu fressen gibts für die Kleinsten die TMR der Kühe, Heu und Getreide.

Gross, breit, muskulös

Dies, damit sie einmal die Grössten werden. Denn Schmid will eine grosse, breite, muskulöse Kuh. So wie die letzte, die er hat metzgen lassen: «Sie hatte 515 kg Totgewicht.» Wert legt er noch aufs Euter und auf die Zellzahlen. Fundament, obere Linie oder Beckenneigung sind ihm egal. «Die Kühe müssen nicht an Schauen glänzen, sie müssen Milch geben.»

Dass er mit der Strategie nicht schlecht fahre, würden die Zahlen belegen: «Mein Betrieb hat einen Zuchtwert Milch von 1688kg und einen Exterieur-Index von 103. Damit bin ich beim Exterieur immer noch besser als der Schnitt aller Betriebe des Holsteinzuchtverbandes von 101.» Er habe schon genug Mühe, Stiere zu finden, die bezüglich Zuchtwert Milch mit seinen Kühen mithalten könnten. «Derzeit kommen da von den Nachzuchtgeprüften nur Planet, Snowman oder Mascalese in Frage.»

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