Donnerstag, 8. Dezember 2022
03.10.2022 12:17
Tiergesundheit

Was sich günstig gegen Flechten auswirkt

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Von: sum

Die Kälberflechte zählt zu der häufigsten Hauterkrankung des Rindes. Sie ist in vielen Ställen verbreitet. Die haarlosen, juckenden Stellen treten vor allem in den Wintermonaten auf.

Die Kälberflechte (Trichophytie) wird durch einen Pilz hervorgerufen, der oft durch Zukauf von Tieren eingeschleppt wird und der auch auf den Menschen übertragbar ist.

Jahrelang infektiös

Die ersten Anzeichen treten laut dem deutschen Magazin «Der Hoftierarzt» drei bis vier Wochen nach der Infektion auf: Es entwickeln sich auf der Haut des infizierten Rindes kleine Knoten. Die Haare sträuben sich an dieser Stelle. Wenig später bilden sich dort Krusten mit abgebrochenen Haaren. Sie können jucken und im frischen Stadium auch nässen und blutig sein. Rinder erkranken meistens an Kopf und Hals.

In der Regel heilen diese Veränderungen nach drei bis sechs Monaten ab. Es kann jedoch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, und die Sporen der Fadenpilze können jahrelang infektiös bleiben. Deshalb kommt es in Betrieben, die einmal den Erreger der Kälberflechte im Bestand haben, immer wieder zu Reinfektionen, meistens in den Wintermonaten.

Stress vermeiden

Das hat laut dem Schweizer Kälbergesundheitsdienst (KGD) Folgen: Massiv an Kälberflechte erkrankte Kälber entwickeln sich langsamer als gesunde Tiere, und dies über Wochen und Monate.  Zur Vorbeugung gehört, dass die Bedürfnisse von Kälbern im Hinblick auf Haltung, Fütterung und Hygiene berücksichtigt werden. Kälberställe sollten im Rein-Raus-Verfahren bewirtschaftet werden, wobei der Stall nach jeder Mastgruppe entmistet, mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und vor der erneuten Belegung mindestens drei Tage leer stehen gelassen wird.

Sonnenlicht wirkt sich gemäss dem KGD günstig aus, weil die UV-Strahlung die meisten Pilze abtötet. Insofern ist das Risiko in hellen, trockenen Ställen vermindert. Auch ist in kleineren Gruppen mit weniger als 15 Kälbern, die genug Platz haben, das Befallsrisiko kleiner. Vorbeugend sollte man Stress und häufiges Umgruppieren der Tiere vermeiden und genügend und häufig frisch einstreuen. Sonnenlicht wirkt sich günstig aus, insofern ist das Risiko in hellen, trockenen Ställen vermindert. Wenn ein Kalb befallen ist, sollte es so schnell wie möglich abgesondert und behandelt werden, denn die Flechte heilt erst von selbst ab, wenn die Tiere älter sind und eine Immunität entwickeln. Das kann lange dauern.

Drei Säulen

Behandelt wird die Kälberflechte mit einem Dreisäulenkonzept, da sind sich der «Hoftierarzt» und der KGD einig:

• Abtötung der Pilze auf der Haut durch wiederholte lokale Waschbehandlungen
• Verbesserung der Immunabwehr durch eine Optimierung der Fütterung – insbesondere ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A und Vitamin E wichtig
• Verbesserung der Haltungsbedingungen und die drastische Verminderung des Infektionsdrucks im Stall; hier ist zu berücksichtigen, dass sich ein Grossteil der Pilze nicht am Tier, sondern an den Stalleinrichtungen befindet. Die Übertragung geschieht entweder von Tier zu Tier, aber auch indirekt durch Gerätschaften, die für mehrere Tiere benutzt werden wie beispielsweise Bürsten.

Zwei Mal impfen

Bei massivem Befall gibt es eine Impfung. Diese wirkt nicht nur vorbeugend, sondern auch therapeutisch und sorgt dafür, dass die Hautveränderungen schneller wieder abheilen. Bereits drei Wochen nach der Impfung wird der Erfolg der Massnahme sichtbar: Die krustigen Stellen heilen ab, die Haare beginnen wieder zu wachsen.

Da meistens der gesamte Bestand betroffen ist, werden alle Tiere im Abstand von zwei Wochen zweimal geimpft bis auf die unter einen Monat alten Kälber.

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5 Responses

    1. Ich kenne die Empfehlung des Keuzdorns.
      Kannst du mir verraten in welchen Abständen der Kreuzdorn erneuert werden soll und wie dicht, Abstand von Zweig zu Zweig, er aufgehängt werden soll?
      Danke für einen Hinweis!

  1. Sehr zuverlässig kann man die Flechten mit einfachsten Mitteln wie Kochbutter oder gebrauchtem Frittieröl behandeln. Einfach die betroffenen Stellen mit Butter oder Öl einreiben. Die Flechten reagieren dann innert kürzester Zeit auf die tierischen Fette und heilen ab. Flechten lieben die trockene Haut, und diese tierischen Öle/Fette bringen sie zum verschwinden. Ich habe dies in meinem Viehbestand über wohl fast 40 Jahre immer so einfach behoben. Dies ist sehr einfach und kostet ja fast nichts.

  2. Wir haben beim Neubau unserer Rindviehscheune vor 22 Jahren entlang des Laufhofes 5 Kreuzdornpflanzen gepflanzt.
    Funktioniert seither optimal — nie ein Tier mit Flechten gehabt,

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