13.03.2020 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - dpa/blu
Deutschland
Wieder Vorwürfe gegen Rinderhalter
Im Allgäu gibt es erneut Vorwürfe gegen einen Rinderhalter. In dem Betrieb im Oberallgäu müssten die Tiere teils bis über die Sprunggelenke hinaus in Gülle stehen, berichtete die Tierschutzgruppe «Metzger gegen Tiermord». Zudem sollen die 25 Jungtiere in einem Stall «in nahezu kompletter Dunkelheit» leben.

Das Landratsamt in Sonthofen bestätigte am Donnerstag, dass auf dem Hof in der Vergangenheit Mängel beim Tierschutz festgestellt worden seien. Die Fälle seien aber nicht so gravierend wie bei anderen Tierhaltern im Allgäu gewesen. Seit Monaten gibt es dort Verstösse gegen den Tierschutz, mehrere Höfe sind davon betroffen.

Weitere Kontrollen angekündigt

Nach Angaben der Kreisbehörde handelt es sich bei dem neuen Fall um einen mittelgrossen Hof mit etwa 200 Rindern. Sprecher Andreas Kaenders sagte, dass im vergangenen Jahr Missstände festgestellt worden seien, die dann aber bis zu einer Nachkontrolle von dem Bauern abgestellt worden seien. Im Februar seien erneut Tierschutzverstösse festgestellt worden. In den kommenden Wochen solle es nun eine weitere Kontrolle geben. Kaenders bestätigte, dass Tiere in einem Teil des Stalls in verschmutzen Wasser stehen müssten.

Die SPD-Landtagsfraktion kritisierte, dass die Staatsregierung seit der Aufdeckung des Tierschutzskandals im vergangenen Sommer «viel zu wenig» unternommen habe, um bessere Kontrollen der bayerischen Milchviehhalter zu ermöglichen. 

Defektes Ventil

Ein Sprecher des Umweltministeriums wies die Vorwürfe zurück. «Der aktuelle Fall zeigt noch einmal, wie wichtig Konsequenzen im Tierschutzbereich sind», sagte er. Das Ministerium arbeite bereits an der Umsetzung entsprechender Reformpläne. 70 neue Stellen zur Stärkung der Veterinärverwaltung seien vom Kabinett schon beschlossen.

Nun hat sich auch der angeschuldigte Landwirt zu den Vorwürfen geäussert. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärt er, dass ein Ventil an einer Leitung kaputt gewesen sei. Dies habe zu der Überschwemmung des Stalls mit Gülle und Wasser geführt. Lediglich ein Drittel seines Stalls sei betroffen gewesen. Sonst sei alles "piccobello", führte der Landwirt weiter aus.

Rinder mit Entzündungen und Klauenproblemen

Anfang Jahr wurden bereits auf einem Rinderbetrieb im Allgäu sind Tierschutzverstösse festgestellt. Laut Presseberichten wurde nach einem anonymen Hinweis ein Hof in Dietmannsried im Oberallgäu mit 480 Milchkühen und 100 Kälber unangekündigt kontrolliert. Dabei wiesen nach Angaben des zuständigen Landratsamtes rund die Hälfte der Tiere teilweise massive Entzündungen und Klauenprobleme auf, so dass sie tierärztlich behandelt werden mussten. Ein Tier musste laut „Süddeutscher Zeitung“ sogar notgeschlachtet werden.

Darüber hinaus befanden sich weitere Rinder in einem schlechten Ernährungszustand. Der Hof war den Behörden bereits wegen Mängeln bekannt; die angeordneten Verbesserungen wurden nicht durchgeführt. Im Ober- und Unterallgäu war es in den Monaten zuvor bereits auf anderen Betrieben zu Tierschutzverstössen gekommen, unter anderem im August auf einem grossen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach. 

Kein Zugang zu Futter

Dieser hat die Milchproduktion anschliessend aufgegeben. Bei Kontrollen auf dem Hof waren Veterinärbeamte im August 2019, kurz nachdem die Ermittlungen begonnen hatten, auf kranke Kälber gestossen. Zum Teil hatten diese keinen Zugang zu Futter und Wasser. Zudem standen "Rinder bis zu den Fesselgelenken in einer Pfütze aus Wasser, Kot und Urin", wie aus einem Bericht des Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums hervorging.

Kühe durch Stall geschleift

Im Juli 2019 wurden schwere Vorwürfe gegen einen der grössten Milchviehbetriebe Bayerns mit rund 2850 Rindern bekannt. Videoaufnahmen eines Tierschutzvereins zeigten, wie dort Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden.

Zudem wurden Kühe stundenlang an Kopfverletzungen von Bolzenschüssen verenden, anstatt durch Ausbluten nach Betäubung, kritisierten Tierschützer. Der Familienbetrieb soll gemäss Soko Tierschutz bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstossen. Mehrere Medien berichteten über die Vorfälle. 

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