23.03.2017 18:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Kälber
«Wir setzen Kälber ohne Kraftfutter ab»
Die 60 Kälber der Familie Braun werden mit 17 Wochen abgetränkt und erhalten dabei ausschliesslich Emd und Luzerne.

60 Kälber auf einen Streich gilt es auf dem Milchwirtschaftsbetrieb von Sandra und Hans Braun aus Rothrist AG zu versorgen. Die Brauns produzieren saisonal, folglich herrscht Anfang Jahr Hochbetrieb im Kälberstall. Dieser steht ganz in der Obhut von Sandra Braun. Sie ist auf dem Biohof für die Kälberaufzucht zuständig und weiss:  «Eine gute Hygiene und der Kontakt zu den Tieren sind das A und O der erfolgreichen Kälberaufzucht.»

670 Liter pro Kalb

Die ersten 24 Stunden verbringen die neugeborenen Kälber bei der Mutter, danach geht es für einige Tage in eine Kälberbox direkt neben dem Kuhstall. Anschliessend kommen die Tiere in den Gruppenstall. Dort werden sie zweimal täglich getränkt, und zwar nach Excel-Tabelle. «Jeden Sonntagabend drucke ich eine neue Tabelle aus, damit jedes Kalb die richtige Menge Milch erhält», erklärt Braun den interessierten Besuchern der Stallvisite, welche vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) organisiert wurde.

Die täglichen Milchrationen betragen 10 Prozent des Körpergewicht des jeweiligen Kälbchens. Maximal werden acht Liter verabreicht, danach wird die Milchmenge wieder verringert. Mit 17 Wochen werden die Kälber abgesetzt. «Insgesamt trinkt jedes  unserer Kälber 670 Liter Milch», so Braun. 

Selbstfanggitter als Hilfe

Dies sei mehr, als normalerweise vertränkt werde, aber ihre Kälber würden diese Menge brauchen, denn sie erhielten kein Kraftfutter. «Unsere Kälber erhalten Emd, Luzerne und Mineralsalz ad libitum, sie werden vollkommen ohne Kraftfutter abgesetzt», erläutert Braun und erntet bewundernde Blicke für den guten Entwicklungs- und Gesundheitszustand ihrer Schützlinge.

Damit jedes Tier zu seiner Milch kommt, werden die Kälber im Selbstfanggitter fixiert. Zwischen jedem Tier gibt es einen Sichtschutz, damit die grösseren Tiere den kleineren die Milch nicht wegtrinken können. Die Kälber bleiben während 30 bis 45 Minuten fixiert. «Wir gehen oft, mindestens aber jeden dritten Tag, zu den Tieren  rein, streicheln und putzen sie und lösen sie von innen aus den Fanggittern. So werden sie zutraulich», sagt Braun.

Alle zwei Wochen misten

Neben dem engen Kontakt und der Tierbeobachtung ist für Braun die Hygiene ausschlaggebend. Täglich würden die Tränkeeimer mit Seife geputzt und einmal pro Woche würden alle Nuggi entfernt und richtig gereinigt werden. Der Stall wird alle 14 Tage komplett gemistet und mit frischem Stroh eingestreut. 

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