1.12.2013 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
Swissherdbook
«Wir sind die Besten in Europa geworden»
Am Dienstag wählen die Delegierten von Swissherdbook einen neuen Präsidenten. Der abtretende Andreas Aebi bleibt aber der Viehzucht erhalten. Er ist als neuer Präsident der ASR vorgeschlagen.

«Schweizer Bauer»: Nach 9 Jahren treten Sie als Präsident von Swissherdbook zurück. Insgesamt waren Sie 16 Jahre im Vorstand. Ist damit Ihre Karriere in den Zuchtverbänden zu Ende?
Meine Zeit bei Swissherdbook ist abgeschlossen. Es war eine gute Zeit. Wenn ich meine Zeit in der Rassenkommission mitzähle, dann war ich insgesamt 20 Jahre im Dachverband der Fleckviehzüchter aktiv.

Gemäss Markus Zemp. dem zurücktretenden Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR), sind  Sie als sein Nachfolger vorgesehen…
Es gibt tatsächlich eine Option, dass ich vom ASR-Vorstand als neuer Präsident  vorgeschlagen werde. Die ASR ist die Schnittstelle zum Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Es sind nicht die einzelnen Zuchtverbände, sondern die ASR, welche zum BLW gelangt. Sie ist deshalb entscheidend für die Unterstützung der Tierzucht durch den Bund. Und sie regelt zudem grundlegende zuchttechnische Fragen. 

Was war Ihr grösster Erfolg, Ihr schönster Moment als Präsident von Swissherdbook?
Ich rede nicht vom schönsten Moment. Es gab sehr viele schöne Momente. Ich hatte das Glück, mit einem sehr guten Vorstand zusammenzuarbeiten. Ich hatte neun Jahre mit Matthias Schelling den gleichen Direktor und neun Jahre mit Albert Bachmann den gleichen Vizepräsidenten. Das war ein Privileg. Im Vorstand sind alles Persönlichkeiten, jeder mit seiner Meinung. Wir hatten aber nie grundlegende Differenzen, obschon wir höchst unterschiedlich sind, sondern gaben immer zusammen für Swissherdbook das Beste. Ich höre mit Genugtuung auf. Ich habe schlicht versucht, das Beste zu geben. Manchmal gelingt das, manchmal nicht.

Was war Ihr grösster Misserfolg?
Es gab verschiedene schwierige Momente. So beispielsweise die gescheiterten Fusionsverhandlungen. Schwierig war auch die Anpassung der Saläre der Milchwäger an die anderen Verbände. Eine Herausforderung war auch die Budgetierung, die bei einigermassen stabilen Tierbeständen, aber bei sinkenden Mitgliederzahlen  schwierig ist. Weiter hat uns beschäftigt, dass der Bund nicht mehr für alle Tiere in unserem Verband Beiträge bezahlt, weil diese aus Sicht des BLW nicht reinrassig sind. Zum Führen eines grossen Verbandes gehört dazu, dass man alle Tage antritt, um Probleme zu lösen. Es gibt nicht nur eine Sonnenseite. Insgesamt überwiegen aber die positiven Erfahrungen  deutlich.

In Ihre Amtszeit fielen auch grosse Erfolge an  internationalen Ausstellungen.
Die Erfolge an internationalen Ausstellungen waren gewaltig. Wir sind in den letzten Jahren in Europa bei Red Holstein, Holstein, aber auch bei Brown Swiss die Besten geworden. Ein absoluter Höhepunkt war die Holstein-Europameisterschaft diesen Frühling in Freiburg. Ich erinnere mich aber genau so gerne an die gut organisierten, festlichen Jubiläumschauen.

Im Gegensatz etwa zu Braunvieh Schweiz sind die Herdebuchzahlen bei Swissherdbook insgesamt stabil, bei einigen Rassen sogar steigend. Was macht den Erfolg  der Fleckvieh-Rassen aus?
Unsere Rassen haben Erfolg am Markt.  Sie sind an verschiedenste Betriebsrichtungen angepasst.  Wir können unterschiedliche Rassen für verschiedene Betriebsrichtungen anbieten. Gerade für Low-Input-Betriebe haben wir die richtigen Rassen. Die muss man nicht in Neuseeland holen. Wir haben eine konsolidierte Genetik, hier allen voran bei Holstein und Simmental. Wir haben Tiere in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir haben Auktionen mit riesigen Auffuhren von bis zu 100 verkäuflichen Tieren. Das gibt es sonst nicht in der Schweiz.

Stichwort Auktionen. Sie sind ja auch als Auktionator Promotor für das Fleckvieh?
Ja, sicher. Und nach meinem Rücktritt habe ich jetzt dafür sogar mehr Zeit. Ich bin aber auch Promotor der anderen Rassen. Ich mache auch die meisten grossen Braunvieh-Auktionen.

Sie wurden 2007 in den Nationalrat gewählt. War Ihre Karriere in der Viehzucht dafür ausschlaggebend?
Tierzucht ist mein Leben. Ich bin seit fast 30 Jahren in der Tierzucht tätig, wenn ich die Jungzüchterzeit dazu zähle. Man kennt mich durch das. Und das hat mir sicher auch in der Politik geholfen. Aber auch durchs Militär kenne ich in vielen Gebieten Tausende Leute.

Bald kommt aus dem Ständrat die Motion Zanetti in den Nationalrat. Diese verlangt, dass der Bund Viehschauen weiterhin unterstützt. Was unternehmen Sie in dieser Sache?
Ich bin im Gespräch mit dem Direktor und dem Vizedirektor des BLW und werde auch noch ein Gespräch mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann haben. Ich schaue es als meine Aufgabe dieser Session an, Lösungen mit Bundesrat Schneider-Ammann zu finden, welche für die Tierzucht in der ganzen Schweiz verträglich sind.

Der Vorstand schlägt Markus Gerber aus Bellelay als Ihren Nachfolger vor. Was wünschen Sie ihm?
Dass er sich selber bleibt und dass er sich vernetzt. Er ist intelligent und hat die nötige Ausdauer und Weitsicht, damit er den Verband zeitgemäss führen kann.

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