21.06.2014 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Holstein
«Wir wollen funktionelle Kühe haben»
Der 33-ha-Betrieb von Familie Wyss wird im Rahmen der heurigen Holstein-Awards für seine langjährige erfolgreiche Zuchtarbeit geehrt und ausgezeichnet.

Begonnen hat alles im Jahr 1973, als Peter Wyss aufgrund der Tierseuche Bang einen Grossteil seiner Simmentalerherde ausmerzen musste. Um den Bestand wieder aufzustocken, hat Wyss damals zwei tragende Rinder, Freiburger Kuh× Holstein, gekauft und auf seinen Betrieb in Aarwangen gebracht. Seither sind viele Jahre vergangen, Peter ist bereits Grossvater, der Betrieb an seinen Sohn Hanspeter und dessen Frau Doris überschrieben, und die Rindviehherde ist auf gut 40 reine Holsteinkühe und 50–60 Stück Jungvieh angewachsen. Der Titel «Meisterzüchter» sei überraschend gekommen und für die ganze Familie eine Ehre und eine Bestätigung der langjährigen Zuchtarbeit, so Peter und Hanspeter.

Wirtschaftliche Kühe

«Ich hatte die Chance, eine hervorragende Zucht übernehmen zu können, und möchte diese so erhalten und den heutigen Erwartungen, vor allem in der Wirtschaftlichkeit anpassen», erzählt Hanspeter. Neben der Milchleistung mit guten Gehalten stehen funktionelle Merkmale wie Langlebigkeit und Eutergesundheit an oberster Stelle bei den Zuchtzielen der Herde Wyss-Aebi.  Ihre Kühe brauchen eine gewisse Kapazität und Robustheit, denn solche Tiere würden  sich auf dem Markt besser verkaufen lassen. «Es braucht eine funktionelle Kuh, und nicht nur eine Ausstellungskuh», sind sich Vater und Sohn einig. 

Die Buchhaltung wie auch der Viehbestand würden den eingeschlagen Weg und die Betriebsstrategie bestätigen. Heute stehen nur eigengezüchtete Tiere auf dem Betrieb. Bereits fünf 100000er-Kühe, darunter Patron Brilante und Rudolph Vulpera sowie deren Mutter  Chairman Valida mit 166000kg, deren Linien sich durch die ganze Herde ziehe, kann der Betrieb verzeichnen.  Mit 11000kg Stalldurchschnitt (4% Fett; 3,23% Eiweiss) gehört Wyss-Aebi zu  den Betrieben mit der höchsten Milchleistung in der Schweiz.

Nicht mehr Milchleistung

Im Bereich Milchleistung wollen sie keine grossen Schritte mehr machen. Es sei wie eine Pyramide, je enger der Grad der Zucht werde, desto schneller könne man links oder rechts herunterfallen, ist Hanspeter überzeugt. Um den hohen Standard halten zu können, würden sie auf einen hohen Kuhkomfort, eine optimale Fütterung, eine sorgfältige Beobachtung der Tiere und auf die Stierenwahl setzen. Es werde nicht nur auf einen Stier gesetzt. Rund 50% der  Tiere bestehen aus Inlandgenetik. Für den Verkauf von Tieren sei jedoch die Nachfrage nach Auslandgenetik hoch. Im Jahr 2005 wurde ein neuer Laufstall mit 49 Plätzen gebaut. «Der Tierkomfort hat oberste Priorität», so Hanspeter. Eine First- und eine Querlüftung würden für eine gute Luftqualität sorgen. Die Kühe liegen in Liegeboxen mit Kalk-Stroh-Matratzen und stehen zum Fressen etwas erhöht, sodass sie ungestört fressen können, auch wenn die Entmistungsanlage dreimal täglich läuft.

Auf die Frage, was sie nach dem «Meisterzüchtertitel» noch unbedingt in der Tierzucht erreichen möchten, war sich die Familie einig, dass sie gerne noch einen Überflieger-Muni in eine Besamungsorganisation bringen möchten mit der Hoffnung, dass dieser gut herauskomme und im Stierenkatalog aufgenommen werde.

Auf eigene Zucht setzten

Sie seien sich jedoch bewusst, dass die Latte immer höher angesetzt werde und sich die Lage in der Viehzucht immer mehr zuspitzen würde. Vor allem mit der genomischen Selektion würde der Zuchtfortschritt rasant vorwärtsgehen. Der Aufwand in der Tierzucht sei gross, und es könne immer wieder zu Rückschlägen kommen. Doch die Familie Wyss-Aebi ist überzeugt, das Rezept zum Erfolg laute folgendermassen: «Auf eine Linie setzen und mit der eigenen Zucht den Weg gehen.»

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