10.04.2017 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Swissherdbook
Wird Walter Lüthi abgewählt?
Der Vorstand von Swissherdbook beantragt, Walter Lüthi aus dem Vorstand abzuberufen. Die Delegierten von Swissherdbook entscheiden am Dienstagmorgen im Kursaal Bern darüber.

Wird Walter Lüthi aus dem Vorstand von Swissherdbook abgewählt? Diese Frage wurde in den vergangenen Monaten nicht nur im Kanton Bern, sondern in der ganzen Viehzuchtschweiz heiss diskutiert. Am Dienstagmorgen wird sie nun im Kursaal Bern beantwortet. Der Vorstand von Swissherdbook argumentiert, dass Lüthi durch sein Verhalten anlässlich einer Aussprache mit dem Freiburger Kantonalvorstand die Zusammenarbeit gestört und den zweitgrössten Kantonalverband «in unakzeptabler Weise» vor den Kopf gestossen».

Meinungen gehen auseinander

Die Meinungen gehen dabei weit auseinander. Während die Delegierten des Bernischen Fleckviehzuchtverbandes (BFZV) dem Berner Lüthi am 8. März in Thun mehrheitlich ihre Unterstützung ausgesprochen haben (319 der 406 Delegierten des BFZV stimmten für Lüthi), sieht es in anderen Regionen – wie etwa dem Kanton Freiburg - anders aus. Kein Wunder, hat sich doch die ganze Affäre auch an einer Auseinandersetzung um den Zuchtstiermarkt Bulle entzündet.

Allerdings ist die ganze Geschichte unter der Oberfläche vielschichtig und komplex. Viele menschliche, aber auch viehzüchterische Dimensionen spielen unterschwellig herein, so etwa die alte Auseinandersetzung um die Frage, ob die Linearen Beurteilung und Einstufung (LBE) oder die Punktierung auf dem Schauplatz den Vorrang haben sollen. Dann aber zumindest zum Teil auch der Röstigraben zwischen den Sprachen Deutsch und Französisch.

Und offenbar scheint Walter Lüthi mit seinem aufmüpfigen Verhalten auch irgendwie den Nerv vieler Milchbauern zu treffen, welche in Anbetracht des schwierigen Umfelds der Milchwirtschaft gefrustet sind und unter den tiefen Milchpreisen von teilweise unter 50 Rp./kg leiden. «Es wagt sich immerhin einer, mal aufzustehen und seine Meinung zu sagen», ist etwa zu hören. Lüthi scheint momentan bei einigen Züchtern den Status eines Robin Hood zu haben. So gesehen bekommt der Vorstand von Swissherdbook momentan wohl auch viel vom Frust ab, den die Milchbauern eigentlich gegen andere wie etwa die Molkereien, die BOM oder den SMP haben. Sprich: Sie schlagen den Sack (Swissherdbook) und meinen den Esel (Milchbranche).

Wäre besserer Milchpreis nicht wichtiger?

Nicht wenige Züchter, aber auch Aussenstehende stellen aber in dem Zusammenhang auch die Frage, ob die Milchbauern in Anbetracht der rekordtiefen Milchpreise von nur noch rund 50 Rp./kg Molkereimilch nicht andere Probleme hätten, als sich verbandsintern mit solchen Auseinandersetzungen zu beschäftigen. Sprich: Ob man also nicht eher den wirklichen Esel - die desolate Situation am Milchmarkt - schlagen sollte, anstatt den sprichwörtlichen Sack. Solche Voten waren etwa auch an der DV des Berner Verbandes Anfang März zu hören.

Und überdies müssen sich sowohl die Verantwortlichen in den Leitungsgremien auf nationaler, kantonaler und regionaler Ebene, aber auch die ganz normalen Delegierten fragen, wie es mit Swissherdbook weiter gehen soll. Bei Braunvieh Schweiz und vor allem auch bei «Holstein Switzerland», wie der Holsteinzuchtverband seit Neuestem heisst, dürfte man insgeheim die Hände reiben. Denn die Konkurrenz von Braun und Schwarz hatte es in den vergangenen Jahren schwer, gegen Swissherdbook mit seinen vielen Rassen und Sektionen, welche praktisch jedem Züchter für jedes System und jede Lage die ideale Kuh boten, anzukommen.

Wichtig ist auch, dass das ganze von beiden Seiten geordnet und demokratisch abläuft. Hier ist natürlich zum einen der Vorstand und allen voran Präsident Markus Gerber gefordert, der die Versammlung leiten wird. Dann aber auch Walter Lüthi und seine Unterstützer. Denn nur das garantiert, dass man auch nach dem grossen Showdown weiter zusammen arbeiten kann. Denn ganz egal, wie die Ausmarchung um Walter Lüthi ausgeht, müssen sich die Gremien wie auch die Mitglieder des grössten Schweizer Zuchtverbandes auf allen Ebenen wieder zusammenraufen.

Antrag Vorstand Swissherdbook

Am Dienstag stehen konkret zwei Anträge zur Abstimmung.  Das ist unter «Traktandum 5.1. Verwaltung, Abberufung Walter Lüthi» zum einen folgender Antrag: «Die Verwaltung beantragt, Walter Lüthi aus der Verwaltung abzuberufen».

Die Begründung lautet wie folgt:

Nach dem Zuchtstiermarkt Bulle 2016 wurde der Freiburger Kantonalverband (swissherdbook Fribourg) zu einer Aussprache mit der Verwaltung von swissherdbook Zollikofen einge¬laden, um Differenzen betreffend Herdebuchberechtigung zu regeln. Bei dieser Aussprache Ende November waren sowohl der Vorstand des Freiburger Kantonalverbands wie auch die Verwaltung von swissherdbook vollzählig anwesend. Im Verlaufe dieser Aussprache hat Walter Lüthi eigenmächtig den Vorstand von swissherdbook Fribourg vor die Türe gewiesen. Mit diesem Alleingang gegen den Willen aller übrigen Verwaltungsmitglieder hat Walter Lüthi seine Kompetenzen massiv überschritten und unseren zweitgrössten Kantonalverband in unakzeptabler Weise vor den Kopf gestossen. Er verletzte damit nicht nur seine Pflicht, im Sinne des Verbandes zu handeln, sondern verhinderte dadurch auch eine Aufarbeitung der Differenzen mit den Organisatoren des Zuchtstiermarktes Bulle. Trotz klaren Reaktionen seiner Verwaltungskollegen hat Walter Lüthi wiederholt geäussert, dass er sich bei swissherdbook Fribourg nicht entschuldigen werde und allenfalls erneut so handeln würde.

Sein Handeln und seine fehlende Einsicht haben das Vertrauen der übrigen Mitglieder der Verwaltung gegenüber Walter Lüthi zerstört. Die übrigen sechs Mitglieder der Verwaltung von swissherdbook Zollikofen beantragen deshalb einstimmig die Abberufung von Walter Lüthi.
Die Verwaltung bedauert diese Entwicklung ausserordentlich, sieht sich aber im Gesamtinte¬esse unseres vielseitigen Zuchtverbands zu diesem Schritt gezwungen.

Antrag  Viehzuchtverein Affoltern im Emmental

Der andere Antrag wurde vom Viehzuchtverein Affoltern im Emmental im Nachgang zur DV des BFZV, der selber kein direktes Mitglied bei Swissherdbook ist, eingereicht.  Gemäss dem Protokollauszug, der den Traktanden beiliegt, hat der Viehzuchtverien Affoltern diesen Antrag mit 14 Ja bei 7 Enthaltungen an seiner Hauptversammlung vom 28. Februar 2017 beschlossen.

Der  Antrag lautet:

1. Die Abberufung während der laufenden Legislatur von Walter Lüthi aus der Verwaltung/Vorstand von swissherdbook wird vom Viehzuchtverein Affoltern i./E. nicht akzeptiert!
2. Walter Lüthi soll die laufende Legislatur bis 2018 ordnungsgemäss zu Ende führen.
3. Während diesem Jahr kann diese personalpolitische Frage in der Berner Züchterbasis demokratisch korrekt aufgearbeitet werden.
4. Der Viehzuchtverein Affoltern i/E. stellt somit den Antrag zum Traktandum Abberufung Walter Lüthi; zu Handen der Delegiertenversammlung des swissherdbook vom 11. April 2017, dass Walter Lüthi nicht abgewählt wird und seine Legislatur bis 2018 zu Ende führen kann.

Entscheid gegen Mittag erwartet

Schweizerbauer.ch wird vor Ort sein und von der DV berichten. Allerdings gestattet Swissherdbook kein laufendes Aufschalten eines Live-Tickers. Erst, wenn das jeweilige Traktandum abgeschlossen ist, können wir deshalb hier  über das Resultat berichten. Wann das genau der Fall sein wird, hängt  vom Verlauf der Versammlung ab. Die Versammlung beginnt um 10.00 Uhr.

Die Einladung mit Tagesordnung

An die Mitglieder der Genossenschaft swissherdbook Zollikofen

Einladung zur 127. ordentlichen Delegiertenversammlung

Dienstag, 11. April 2017 10.00 Uhr
Arena, Kursaal Bern
Kornhausstrasse 3000 Bern

Tagesordnung

1. Protokoll der Delegiertenversammlung vom 12. April 2016
2. Geschäftsbericht 2016
Präsentation des Lageberichts 2016, der Jahresrechnung 2016 und des Revisionsberichts
Genehmigung des Lageberichts 2016 und der Jahresrechnung 2016
3. Entlastung der verantwortlichen Organe
4. Festsetzung des Jahresbeitrages 2018
5. Wahlen / Abberufungen
Verwaltung: Abberufung Walter Lüthi
Verwaltung: Ersatzwahlen
Wahl der Revisionsstelle
6. Anträge der Mitglieder
7. Ehrungen
8. Verschiedenes

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