8.05.2018 15:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Forschung
Wirtschaftlicher mit Frischgras
Landwirte, die bei der Fütterung der Kühe vorwiegend auf Frischgras setzen, können wirtschaftlicher Milch produzieren. Die grössten Einsparungen ergeben sich laut einer Agroscope-Studie dank dem Verzicht auf Kraftfutter.

Viele Milchbauern in der Schweiz füttern ihre Kühe zum einen Teil mit Frischgras und zum andern mit Kraftfutter. Forschende von Agroscope haben gezeigt, dass Landwirte, die weitgehend auf Frischgras abstellen, die Milch um 24 bis 32 Prozent günstiger produzieren, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst.

Drei Gruppen

Im Rahmen des Projekts «Optimierung von graslandbasierten Milchproduktionssystemen auf Basis von Eingrasen» untersuchten die Wissenschaftler 36 Pilotbetriebe über drei Jahre (2014-2016). Federführend waren dabei Forschende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) in Zollikofen BE und des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain LU.

Drei Pilotgruppen:

-       Vollweide
-       Eingrasen mit wenig Kraftfutter
-       Eingrasen mit viel Kraftfutter

Spartpotenzial bei Kraftfutter

In den drei Pilotgruppen lässt sich die Milch unter Einsatz von Frischgras bei optimalem Kostenmanagement bis zu einem Drittel günstiger produzieren als in der Referenzgruppe, die mit konventioneller Fütterung arbeitet, halten die Forscher fest. "Die grössten Einsparungen ergeben sich beim Kraftfutter, das seit Jahren zu einem vergleichsweise hohen Preis eingekauft werden muss, beim Gebäude und bei der Arbeit", heisst es in der Mitteilung.

Die Betriebe unterteilten sie in drei Gruppen: Im Vollweidesystem wurden nur 90 Kilogramm Kraftfutter pro Kuh und Jahr verfüttert. In den beiden Mischsystemen «Eingrasen mit wenig Kraftfutter» und «Eingrasen mit viel Kraftfutter» erhielten die Tiere 430, respektive 1160 Kilogramm Kraftfutter. Für jede Pilotgruppe erstellten die Agroscope-Forscher schliesslich einen Modellbetrieb mit typischen Daten. Eine weitgehend repräsentative Referenzgruppe, sozusagen der Schweizer Normbetrieb, wurde den Pilotbetrieben gegenübergestellt.

Kein Vorteil trotz höherem Milchvolumen

Die Ergebnisse der drei Pilotgruppen seien durchwegs besser als die des Normbetriebs, heisst es in der Mitteilung. Dies könne auf den weitgehenden Einsatz von Frischgras zurückgeführt werden, der auch mit tendenziell höheren Milchpreisen verbunden ist. Eingrasbetriebe mit viel Kraftfutter seien trotz höherem Milchproduktionsvolumen nicht im Vorteil gegenüber denjenigen mit wenig Kraftfutter. Die hohen Direktkosten und die tieferen Nebenerlöse (Fleischerlöse und Direktzahlungen) pro Kilogramm Milch würden durch die tieferen Arbeits- und Gebäudekosten nicht ausgeglichen.

Dies zeige, dass auch Betriebe mit geringeren Milchmengen sehr gute Ergebnisse erzielen könnten, sofern sie die Kosten bewusst tief hielten. Allerdings geben die Forscher zu bedenken, dass ein Selektionseffekt zur besseren Wirtschaftlichkeit der Pilotbetriebe beigetragen haben könnte. So verfügten die Studienteilnehmenden über ein hohes Kostenbewusstsein und überdurchschnittliche Managementfähigkeiten.

Hintergrundinformationen zur Datengrundlage

Die Ergebnisse der drei Pilotgruppen sind durchwegs besser als die der Referenzgruppe, was auf einen weitgehenden Einsatz von Frischgras zurückgeführt werden kann, der auch tendenziell mit höheren Milchpreisen verbunden ist. So sind Betriebe mit Käsereimilch oder Bio-Milch eher auf eine Frischgrasfütterung angewiesen. Allerdings dürfte auch ein Selektionseffekt zur besseren Wirtschaftlichkeit beigetragen haben, da sich mehrheitlich an Betriebsführung interessierte Teilnehmende meldeten. Die Betriebsleitenden brachten sich aktiv in Arbeitskreisen ein, um bestehende Systeme zu diskutieren und Optimierungen vorzuschlagen. Insofern kann von kostenbewussten Betriebsleitenden mit überdurchschnittlichen Managementfähigkeiten ausgegangen werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE