16.05.2019 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Forschung
Wo Mensch und Kühe in Konkurrenz stehen
Werden Futtermittel dort angebaut, wo auch Nahrungsmittel gedeihen würden, steht der Mensch in Konkurrenz zur Milchkuh. Je nach Standort fällt das Resultat unterschiedlich aus. Eine Studie zeigt Verminderungsvorschläge auf.

Forschende von Agroscope und der Berner Fachhochschule HAFL haben im Forschungsprojekt «Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz in der Milchproduktion» untersucht.

Konkurrenzsituationen

Kühe und Wiederkäuer haben eine grosse Gabe. Sie können für den Menschen nicht nutzbare Nährstoffe in Nahrungsmittel umwandeln, zum Beispiel Gras in Milch. Eine Konkurrenz zwischen menschlicher und tierischer Ernährung besteht nicht.

Es kann jedoch zu Konkurrenzsituationen kommen. Nahrungsmittelkonkurrenz tritt auf, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Weizen an Kühe verfüttert wird.

Flächenkonkurrenz entsteht, wenn die Futtermittel von Flächen stammen, auf denen auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten. Also wenn zum Beispiel Futtergetreide statt Kartoffeln auf Ackerland angebaut wird.

Zwei Methoden

Die Forschenden haben zwei Methoden entwickelt, um die sogenannte Feed-Food-Competition zu ermitteln. Diese Konkurrenzsituation sei aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und dem steigenden Verbrauch von Ressource zu vermeiden, schreiben die Forscher. Dadurch lasse sich die Ernährungssicherheit erhöhen. Die Feed-Food-Competition lässt sich mit den Indikatoren Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz bestimmen.

Der Indikator «Nahrungsmittelkonkurrenz» zeigt auf, welchen Beitrag die Milchproduktion zur Ernährung des Menschen im Vergleich zu den eingesetzten Futtermitteln, welche auch Nahrungsmittel für den Menschen sein könnten, leistet.

Der Indikator «Flächenkonkurrenz» weist darauf hin, welchen Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung ein direkter Anbau von Ackerkulturen für die menschliche Ernährung auf den genutzten Flächen im Vergleich zur Milchproduktion leisten könnte.

Kein Futterbau auf ackerfähigen Parzellen

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Nahrungsmittelkonkurrenz deutlich geringer als die Flächenkonkurrenz ist. Die untersuchten Betriebe produzierten mehr Energie und Protein in Form von Milch und Fleisch für die Humanernährung als in den eingesetzten Futtermitteln für den Menschen nutzbar gewesen wäre. Die Nahrungsmittelkonkurrenz lasse sich mit geringeren Kraftfuttereinsatz oder durch die Verfütterung von Nebenprodukten wie Rapsextraktionsschrot, Futterkartoffeln oder Biertreber senken.

Weniger gute Resultate liefert die Studie bei der Flächenkonkurrenz. Auf den ackerfähigen Flächen liessen sich mehr Energie und Protein produzieren, wenn Nahrungsmittel angebaut würden. Bei der Futterproduktion hat der Standort eine entscheidende Rolle. Die geringste Flächenkonkurrenz wurde im Berggebiet ermittelt, wo Ackerbau nicht möglich. Ackerfähige Parzellen sollten nicht für die Futterproduktion genutzt werden, folgert die Studie. Durch gesteigerte Futterverwertung und eine längere Nutzungsdauer der Kühe lasse sich Flächenkonkurrenz vermindern, halten die Forscher in ihrer Studie fest.

Kombination

Die Kombination der Indikatoren helfe, die Nahrungsmittelkonkurrenz aus zwei unterschiedlichen Perspektiven umfassender zu beurteilen, so dass die Feed-Food-Competition als Ganzes messbar wird, halten die Forscher fest. Setzt ein Betrieb nur geringe Kraftfuttermengen ein, nutzt aber ackerfähige Flächen für die Futterproduktion, weist er zwar eine geringe Nahrungsmittel- dafür aber eine hohe Flächenkonkurrenz auf.

Umgekehrt weist ein Betrieb, der sein Wiesenfutter auf nicht ackerfähig nutzbaren Flächen produziert, aber im hohen Masse Kraftfutter verfüttert, niedrige Werte für die Flächen- aber höhere für die Nahrungsmittelkonkurrenz auf. "Mit den beiden Indikator-Ansätzen lässt sich die Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz in der Milchproduktion objektiv darstellen und damit ein Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssicherheit leisten", heisst es in der Studie. Zudem kann der Aspekt Feed-Food-Competition in die Bewertung der gesamten Nachhaltigkeit einfliessen. 

Forschende von Agroscope und der Berner Fachhochschule HAFL haben im Forschungsprojekt «Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz in der Milchproduktion» untersucht. In der Studie wurden 25 Betriebe, verteilt auf Tal-, Hügel- und Bergzone, untersucht. 

Beide Indikatoren wurden auf 25 ausgewählten Praxisbetrieben angewandt. Die untersuchten Betriebe stellen keine repräsentative Stichprobe der Schweizer Milchproduktionsbetriebe dar. Die Betriebe unterscheiden sich durch die Region, die Produktionszone, die Milchleistung, die Landbauform (Bio, ÖLN) und den Anteil der Futterproduktion auf Ackerland. Die Betriebe befinden sich im Schweizer Mitteland und im Voralpengebiet. Die Forschenden ermittelten bei beiden Indikatoren die Beiträge sowohl zur Energie- als auch zur Proteinversorgung des Menschen. Dabei berücksichtigten sie die unterschiedliche Proteinqualität tierischer und pflanzlicher Nahrungsmittel aus Sicht der menschlichen Ernährung. Neben der Milch werden auch das Fleisch der Kälber und Kühe einberechnet. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ für die ganze Schweiz.

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