28.01.2016 12:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kuhmast
«Ziel sind 7 Franken Tagesverdienst»
Wenn abgemolkene Milchkühe gemästet werden, braucht es weniger Wurstfleischimporte. Bei Fritz Salzmann aus Esslingen ZH dauert die Mast im Schnitt 107 Tage. Gefüttert wird Mais- und Grassilage.

Fritz Salzmann steht vor dem Laufhof, in dem eine Gruppe Kühe die Morgensonne geniesst. Der Bauer aus Esslingen ZH zeigt auf eine Fleckviehkuh, die zwar kein grosses Euter, dafür aber Fleisch auf den Rippen hat: «Sie ist bald schlachtreif.» Salzmann hält  keine Milch-, sondern Mastkühe – also ehemalige Milchkühe, die bei ihm noch Fleisch und Fett ansetzen, bevor sie zu Wurst und Verarbeitungsfleisch werden.

60 bis 65 Kühe im Jahr

2010 hat Salzmann aufgehört mit der Milchproduktion. Die 30 Kuhplätze füllt er seither mit abgemolkenen Galtkühen. Daneben betreut er 15 bis 20 Aufzuchtrinder und hält 150 Legehennen und 10 Schafe. Der ÖLN-Betrieb umfasst 27ha Land, auf 6ha wachsen Mais und Triticale.

«Im Jahr mäste ich 60 bis 65 Kühe», erzählt der Esslinger Bauer, der genau Buch führt über seinen  Betriebszweig. «Ich übernehme knapp einen Drittel der Tiere direkt von den Milchviehhaltern, einen Teil bringt der Händler, und einige kaufe ich auf dem Annahmeplatz in Wattwil SG.» Dorthin bringt er auch die schlachtreifen Tiere. Den richtigen Zeitpunkt dafür bestimmt er ohne Waage.

Durchschnittsverdienst bei 7.50 Franken

Er misst den Brustumfang der Kühe, schätzt deren Gewicht sowie Fleischigkeit und Fettabdeckung. Und er fährt sehr gut damit, wie er anhand seiner Auswertungen von 250 geschlachteten Kühen belegt: «Sie stehen im Schnitt 107 Tage auf meinem Betrieb, wobei die Dauer zwischen zwei und fünf Monaten schwankt. Der durchschnittliche Verdienst über alle Tiere liegt bei 7.50 Franken pro Tag.»

Das Ziel, so Salzmann, seien 7 Franken Tagesverdienst. Dieser ist abhängig vom  Ankaufspreis – er wird anhand von Gewicht, CH-Tax und Proviande-Preistabelle festgelegt – und vom Schlachtpreis. «Seit September 2015 habe ich 26 Kühe schlachten lassen», fährt der Mäster fort, «bei denen habe ich im Schnitt nur 5 Franken pro Tag verdient.»

Weniger Importe

In der Schweiz werden pro Jahr Schlachthälften von 45000 Kühen importiert. Das sind laut Eric Meili vom FiBL 25 Prozent des Verarbeitungsfleischs. Das Ziel müsse sein, einen Teil der Importe durch Schweizer Mastkühe zu ersetzen, so Meili. «Alle Importe können wir nie verhindern, da das Auslandfleisch viel billiger ist, und auch, weil der Bestand an Milchkühen, die sich zur Mast eignen, beschränkt ist.» sum

Eric Meili vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) beschäftigt sich intensiv mit der Kuhmast. Er hat Auswertungen von 1500 Kühen zusammengetragen: «Bei diesen lag der Tagesverdienst im Schnitt bei 5.99 Franken.»

Nicht jede Kuh eignet sich

Eine wichtige Rolle für den Erfolg in der Kuhmast spielt die Genetik der Tiere. Im Esslinger Stall stehen braune, rote und schwarze Kühe. Es sei keinesfalls so, dass sich die Holsteinrasse nicht mästen lasse, betont der Bauer: «Mit Schwarzflecken habe ich schon schöne Preise realisiert.» Hingegen gebe es auch Braune, die einfach kein Fleisch ansetzen würden.

Salzmann nennt zwei Extrembeispiele: «Die Kuh Conny habe ich, als der Preis hoch war, für 2000 Franken gekauft und nach 111 Tagen für 2005 Franken bei tiefen Schlachtviehpreisen geschlachtet. Sie hat in dieser Zeit nur 69kg zugelegt und wurde als A2 abgerechnet.» Auf der anderen Seite steht die Kuh Corina, gekauft für 1700 und verkauft für 2655 Franken als T3. 94 Tage stand sie bei Salzmann in Stall und hat in der Zeit 133kg zugenommen.

Suisse-Bilanz irrt sich

Die Fütterung ist sicher nicht schuld an den grossen Unterschieden, denn sie besteht bei allen Kühen aus einer Mischration mit einem Drittel Mais- und zwei Dritteln Grassilage, im Sommer zusätzlich aus Halbtagesweide. Kraftfutter gibt es keines, die Fütterung erfüllt die Anforderungen an die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF).

Hingegen hat Salzmann mit der Suisse-Bilanz zu kämpfen. In dieser werden Mastkühe nämlich gleich eingestuft wie Kühe mit 4200kg Milch, angenommen wird ein Trockensubstanzverzehr von 12,5 kg pro Tag. «Das ist viel zu wenig», beklagt sich der Mäster, «die Kühe fressen 16 bis 18 kg TS pro Tag. Wegen dieser Fehleinschätzung kann ich gemäss Bilanz viel weniger Dünger zukaufen, als ich eigentlich bräuchte.»

Einen weiteren Stolperstein sieht er bei der Tierverkehrsdatenbank (TVD): «Da muss man aufpassen und  den Status aller Kühe nach dem Zukauf von Milchkühe auf ‹andere Kühe› ändern. Die Raus-Beiträge werden  anhand der TVD berechnet. Für eine Kuh, die fälschlicherweise als Milchkuh eingetragen ist, erhalte ich kein Geld.» Dasselbe gelte für BTS, wo er  mit den Kühen aber nicht teilnehme.

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