22.11.2014 06:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Marcel Wipfli
Braunvieh
«Zucht auf Gesundheit wird Priorität haben»
Nach 15 Jahren im Vorstand von Braunvieh Schweiz und als Vize-Präsident ist Carl Brandenburger zurückgetreten. Der Gutsbetriebsleiter des Plantahof tritt kommende Woche auch aus dem Vorstand von Swissgenetics.

«Schweizer Bauer»: Sie sind als abtretender Vizepräsident zum  Ehrenmitglied von Braunvieh Schweiz ernannt worden. Was bedeutet Ihnen diese Ehrenmitgliedschaft?
Carl Brandenburger: Es ist eine grosse Anerkennung für die geleistete Arbeit. Es ist aber auch schön, künftig an zwei Sitzungen als Ehrenmitglied von Braunvieh Schweiz jährlich dabei zu sein und den Kontakt weiter zu pflegen.

Was bezeichnen Sie als Ihren Karrierehöhepunkt bei Braunvieh Schweiz?
Dies war das Amt des OK-Präsidenten der Bruna 2012 mit Europameisterschaft in St.Gallen.

Für den Züchter steht der Name Brandenburger für viele Ihrer Aufgaben wie Vizepräsident Fachausschuss Genetik oder OKP an der Bruna und  Europaschau 2012, Vorstand von Swissgenetics, Altpräsident Bruna Grischuna, Tierzuchtlehrer oder Gutsbetriebsleiter Plantahof. Was machten Sie am liebsten?
Viel Spass machte mir, die jungen Leute zu unterrichten und  zu fördern und damit zu begleiten. In täglichen Begegnungen macht es einem immer wieder zufrieden zu sehen, wie ehemalige Schüler Karriere machen. Ich hatte an der Delegiertenversammlung viel Freude zu sehen, dass ein ehemaliger Schüler einen anderen ehemaligen Schüler als meinen Nachfolger vorgeschlagen hat.

Wie bringt man so  viele Ämter unter einen Hut?
Es gibt bei mir keine Unterscheidung zwischen Hobby und Beruf. Meine Lebensphilosophie ist, mit Freude die Arbeit zu erledigen, und dann gibt es automatisch auch Erfolg. Ich nahm mir folgenden Spruch zu Herzen: Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.

In Ihren 15 Jahren Vorstandstätigkeit  machte die Tierzucht einen enormen Wandel durch. Auf was sind Sie stolz aus dieser Ära?
Auch wenn es heute etwas komisch tönt, ist es dann doch die Leistungssteigerung der Braunviehkuh. Gleichzeitig hat sich das Original Braunvieh auch sehr gut weiterentwickelt. Das heutige gute Verhältnis zwischen Original-Braunvieh- und Braunviehzüchtern ist auch eine gemeinsame Errungenschaft aus dieser Zeit.

Die Tierzuchtverbände haben ihre Dienstleistungen zusammengeschlossen. Nur noch die totale Fusion aller Rindviehzuchtverbände wäre wohl der nächsthöhere Schritt zur Zusammenarbeit. Kommt diese Fusion  wieder ins Gespräch, nachdem nun in den Verbänden ein Generationenwechsel in den Vorständen eingeläutet wurde?
Das muss die neue Generation entscheiden. Ich bin überzeugt, dass man das Optimum bei der Zusammenarbeit herausgeholt hat. Bei einer Fusion bräuchte es wieder mehr Kommissionen und zusätzlichen Koordinationsaufwand. Somit wäre am Schluss nichts eingespart. Wenn aber die neue Generation das anders sieht, werde ich sagen, dass sie es gut macht. Man redet der neuen Generation nicht mehr ins Geschäft.

Braunvieh Schweiz kämpft seit Jahren mit Verlusten an Herdebuchtieren. Wie kann diese negative Spirale gestoppt werden?
Braunvieh hat den höchsten Prozentanteil Tiere im Berggebiet. Dort war der Strukturwandel aufgrund des Marktes und der Agrarpolitik am stärksten. Ich glaube, dass der Strukturwandel demnächst kleiner und stabiler wird. Somit werden die Rassenverluste abnehmen. Mit ehrlicher Nachzuchtprüfung und Schauwesen kann man das Vertrauen in die eigene Rasse stärken.

Die jungen Bauern sind nicht mehr so sehr an eine Rasse gebunden. Wie gehen Sie als Lehrer am Plantahof jeweils damit um?
Mit einer gewissen Lockerheit und dennoch überzeugend zur eigenen Rasse stehend trete ich vor die Schüler. Ich zeige die Vor- und Nachteile der Rassen je nach Standort auf. Die Palette der Braunviehkuh mit mehr oder weniger Milchcharakter hin zum Original Braunvieh ist sehr breit und deckt viele Ansprüche ab. Wir haben innerhalb von Braunvieh die Kuh für eine standortgerechte Produktion.

Was wird die Schweizer Braunviehzüchter in den kommenden Jahren am meisten beschäftigen?
Die Zucht auf die Gesundheitsmerkmale wird Priorität haben. An erster Stelle der Merkmale steht die Eutergesundheit. Man wird Anstrengungen machen müssen, um Parameter für die Zuchtwertschätzung zu erhalten. Wir wollen und müssen auch aus Sicht des Konsumenten ein gesundes Lebensmittel produzieren. Hier sollte die Zucht  Antworten bereit haben.

Nächste Woche werden Sie auch aus dem Vorstand von Swissgenetics verabschiedet. Nehmen Sie nun bald andere Aufgaben mit der neuen frei verfügbaren Zeit an, und starten Sie zum Beispiel noch eine politische Karriere?
Meine Frau ist die Politikerin. Ich übernehme vielleicht den Haushalt (lacht). Ich habe aber am Plantahof als Gutsbetriebsleiter noch viele anstehende Aufgaben, welche meinen ganzen Einsatz erfordern.

Sie hielten an der DV das Referat mit dem Titel: Meine Leidenschaft Braunvieh 1960 bis 2020. Man erkennt  kaum Grenzen zwischen Privatem, Ihrer Arbeit am Plantahof und ihren Amtstätigkeiten. Gibt es den Carl Brandenburger, der im privaten Leben seine Hobbys pflegt?
Privat steht die Familie an erster Stelle. Zu den Hobbys kann man eben wie angesprochen die Braunviehzucht und natürlich das Skifahren zählen. Dies mache ich am liebsten im Skigebiet Lenzerheide.

Zur Person

Carl Brandenburger (62),  verheiratet mit Agnes Brandenburger, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Landquart GR. Der Agronom ist Gutsbetriebsleiter am Plantahof und Lehrer für Tierzucht und -haltung. Früher unterrichtete er auch im Fach Fütterung. Brandenburger trat 1999 als Nachfolger von Heinrich Meli  in den Vorstand von Braunvieh Schweiz. Seit dem Jahr 2008 war  Brandenburger  Vize-Präsident und Mitglied im Geschäftsausschuss.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE