20.09.2014 06:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Viehzucht
Zucht geht in Richtung Fitness
Die Zuchtverbände gewichten Fitnessmerkmale noch stärker. Bei Swiss Fleckvieh und Braunvieh fliesst die Fruchtbarkeit bereits in den Gesamtzuchtwert (GZW) ein. Red Holstein und Holstein folgen wohl im April.

Die August-Zuchtwertung beim Braunvieh führte zu grösseren Veränderungen im Klassement der Stiere. Hauptgrund dafür war, dass Braunvieh Schweiz die Zusammensetzung des GZW geändert hatte. So wird die Fruchtbarkeit mit einem kombinierten Zuchtwert gemessen und fliesst neu mit einem Gewicht von 15% in den GZW ein. 

Grosse, scharfe Schaukühe haben es schwerer

Für den Zuchtwert Fruchtbarkeit werden die fünf Einzelzuchtwerte Non Return Rate Rind, Verzögerungszeit Rind, Rastzeit, Non Return Rate Kuh und Verzögerungszeit Kuh zusammengefasst. Von den Exterieurmerkmalen fliessen nur noch Euter (10%) und Fundament (3%) in den GZW, während der Rahmen keine Rolle spielt. Die Milchmenge fliesst nur noch zu 10% in den GZW ein. Im neu eingeführten Gesamtzuchtwert Weide wird das Körpergewicht gar mit –10% negativ taxiert.

Bereits im Frühling wurde bei Swiss Fleckvieh (SF) der GZW geändert. Auch hier wird das Körpergewicht mit –5% negativ beurteilt. Die  Fruchtbarkeit hat hingegen mit 20% einen grossen Einfluss. Wobei im Gegensatz zu Braunvieh hier noch nicht ein kombinierter Fruchtbarkeitszuchtwert, sondern  die Einzelmerkmale Non Return Rate und Rastzeit zu je 50 % einfliessen. Grosse, scharfe Schaukühe mit viel Milch haben es also bei Braunvieh und SF punkto GZW in Zukunft schwerer.

Fruchtbarkeit ökonomisch wichtig

Bei Red Holstein und Holstein sieht die Situation noch etwas anders aus. Doch auch bei Swissherdbook und Holsteinzuchtverband ist das Thema auf der Agenda. Voraussichtlich im April 2015 werden zum ersten Mal gemeinsame Zuchtwerte für Red Holstein und Holstein publiziert.

Gleichzeitig mit dieser Harmonisierung ist gemäss Urs Schnyder, Leiter Genetik bei Swissherdbook, auch bei diesen Rassen mit der Einführung eines neuen Fruchtbarkeitszuchtwerts zu rechnen. «Wie der GZW bei Red Holstein und Holstein zusammengesetzt sein wird, ist noch nicht entschieden. Ich kann mir aber vorstellen, dass es in Richtung Fitness und Fruchtbarkeit geht», so Schnyder.

Es sei denkbar, dass analog zu Braunvieh ein Weidezuchtwert eingeführt werde. «Die Diskussionen werden wir diesen Winter führen», fügt er an. Die stärkere Gewichtung namentlich der Fruchtbarkeit sei ökonomisch wichtig: «Denn schlechte Fruchtbarkeit ist seit Langem eine der wichtigsten Abgangsursachen.»

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