8.01.2015 06:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Braunvieh
Zucht in Wiege des Braunviehs geht weiter
Das Kloster Einsiedeln gilt als Wiege des Braunviehs. Auch heute wird auf dem Kloster-Pachtbetrieb Birchler intensiv gezüchtet.

Gerold Birchler ist in der Schweizer Zuchtszene kein Unbekannter. Er ist nicht nur als Vorstandsmitglied von Braunvieh Schweiz, sondern auch als Experte viel unterwegs. Als Pächter eines der 28 Betriebe  des Klosters Einsiedeln passt er damit gut in dessen grosse Tradition der Viehzucht. Denn das Kloster Einsiedeln gilt als Wiege der Braunvieh-, aber auch der Simmentalerzucht. «Offenbar wurden die Braunen aus Vorarlberg geholt, und dafür hat das Kloster die späteren Simmentaler ins Simmental verkauft»,  weiss Birchler aus mündlicher Überlieferung, aber auch aus der Literatur zu berichten. Bis vor Kurzem habe es gar eine Viehzuchtgenossenschaft der Klosterbetriebe gegeben.

Erst seit 1999 Pächter

Pächter des 59 ha grossen Graslandbetriebs ist Birchler aber erst seit 1999: «Bis zu diesem Zeitpunkt führten die Klosterbrüder den Betrieb. Ich war früher nur Angestellter.» Doch eigentlich habe er schon damals fast wie ein Pächter schalten und walten können. Während der Anbindestall noch dem Kloster gehöre, habe er das neue Wohnhaus im Baurecht für 70 Jahre errichten können. 

Dabei ist die Familie nun schon seit 110 Jahren auf dem Betrieb Kühlmattli tätig. Birchlers Grossvater kam 1904 als Melker hierher.  «Mein Grossvater war bis 1912 als Melker angestellt im Kloster, danach war er Pächter bis 1926 in der heutigen Umgebung des Sihlsees. Infolge der Maul- und Klauenseuche im Jahr 1926 war er gezwungen, die Pacht aufzugeben, und da ja bereits das Etzelwerk  in der Projektierung war, entschloss er sich, mit seiner grossen Familie wieder beim Kloster als Melker einzustehen», berichtet Birchler. 

Mit den Söhnen Gerold junior und David, die seit 2008 eine Generationengemeinschaft mit ihrem Vater haben, bewirtschaftet nun schon die vierte Generation den Hof. Beide arbeiten auch noch auswärts. Gerold junior als freier Besamer und David in einem Helikopterunternehmen.

Mit ihren 40 Kühen und einem Stalldurchschnitt von gut 8000 kg Milch produzieren sie etwa 300000 kg Industriemilch, wobei ein Teil der Milch in die örtliche Gastronomie wie auch in das Kloster geht.   Die Milchlieferung ist der eine wirtschaftliche Berührungspunkt, der mit dem Kloster nach wie vor besteht. Der andere ist die Schneeräumung im Winter, die Birchlers fürs Kloster erledigen. Ganz in der Tradition des Klosters steht auch die Viehzucht nach wie vor hoch im Kurs.  Rund 40Stück Jungvieh stehen im Stall. «Gezüchtet wurde auf dem Betrieb immer», erinnert sich Vater Birchler.  «Mein Grossvater hat immer erzählt, dass man zwischen 1909 und 1911 dem russischen Zaren Vieh verkauft hatte», fügt er an. Lange sei die Zuchtstrategie konservativ gewesen und die Einkreuzung mit Brown-Swiss-Genetik spät erfolgt. 

Viehzucht hoch im Kurs

Heute ist das Zuchtziel durchaus leistungsbetonter. Jedoch streben Birchlers noch immer eine ausbalancierte und keine extreme Kuh an. Das  sei heute durchaus der Trend, wie Gerold junior auch von seiner Tätigkeit als freier Besamer zu berichten weiss:  «Die Bauern, bei denen ich besame, die wollen keine extreme Schaukuh, sondern eine normale, problemlose Kuh.»

Mit dieser Zuchtstrategie fahren sie auch in den Schauringen gut. So konnten Birchlers schon zweimal an einer Bruna einen zweiten Platz  bejubeln.  Und dank der sichtbar grossen Begeisterung auch der jungen Generation wird die Tradition der Braunviehzucht weitergehen.

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