1.06.2018 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchproduktion
Zwei Rassen, ein Ziel: Gesunde Kühe
Jürg und Cornelia Huber halten zwei Milchviehrassen: Original Braunvieh und Brown Swiss. Mit beiden wollen sie Milch vorwiegend aus dem Grundfutter produzieren. Viel Wert legen sie auf die Tiergesundheit – damit ist auch die Leber gemeint.

Jürg und Cornelia Huber bewirtschaften in Kaltbrunn SG einen reinen Milchwirtschaftsbetrieb mit 55 bis 60 Kühen, 35 bis 40 Stück Aufzucht und 38ha Futterbau. Am 13. Juni finden bei Hubers die 8. Schweizer Milchviehtage statt (siehe Kasten). 

Das Heu gibts separat


Es ist ein spezieller Betrieb, denn Hubers halten zwei grundverschiedene Rassen: Original Braunvieh (OB) und Brown Swiss. «Das hat eine Geschichte», erklärt der erfolgreiche Viehzüchter Jürg Huber: «Im Dezember 2012 konnten wir einen zweiten Betrieb kaufen. Dieser hatte OB, und wir haben diese Kühe übernommen. Wir wurden positiv überrascht. Es sind problemlose Kühe, ich bin mittlerweile überzeugt von der Funktionalität der Rasse.» 

Da der Tierbestand von 30 auf 60 Kühe aufgestockt wurde, liege die Milchleistung mit rund 7'000 kg beim OB und 8'000 kg bei den Brown Swiss derzeit nicht allzu hoch, sagt der Betriebsleiter. «Das Ziel ist ein Stallschnitt von rund 8'500kg. Bei den aktuellen Marktverhältnissen geht es nicht auf, beim Melken allzu stark Gas zu geben. Ich suche nicht das Maximum, sondern das Optimum.» Konkret heisst das, dass Jürg Huber möglichst viel Milch aus dem Grundfutter melken will. Der Betrieb liegt in einem sehr guten Futterbaugebiet. Gras- und Maissilage und Luzerne kommen in die Mischration. Das Heu erhalten die Kühe separat, den Eiweissausgleich im Melkstand, das Leistungsfutter an der Station.

Kalkstrohmatratzen

Das Hauptthema an den Milchviehtagen sind der Euter- und der Leberschutz. Beides sind für Jürg Huber zentrale Elemente einer gesunden Herde. Bezüglich Euterschutz heisst das, dass vor dem Trockenstellen von jeder Kuh eine Milchprobe genommen wird. Die Kühe mit hohen Zellzahlen werden antibiotisch trocken gestellt, die anderen mit Zitzenversiegler. Zwei Tage lang erhalten die Kühe dann nur Stroh, damit die Milchleistung rasch zurückgeht. 

Im 2016 gebauten Laufstall sorgen Kalkstrohmatratzen für gesunde Euter. Dies alles zahlt sich aus: Obwohl wegen der Aufstockung der Herde in den letzten Jahren alle Kühe, auch jene mit etwas schlechterer Milchqualität, im Stall blieben, liegt die Zellzahl im Betriebsschnitt nur bei rund 100'000. «Früher hatten wir 60000 bis 70000 Zellen/ml, unser Ziel ist es, wieder dorthin zu kommen», relativiert er.

Die Leber ist der Filter

Während der Eutergesundheit allgemein viel Beachtung geschenkt wird, geht die Lebergesundheit gerne vergessen. «Doch der Leberschutz ist so wichtig wie der Euterschutz», betont Ueli Aeschbacher von der Futtermittelfirma Melior, die die Milchviehtage organisiert, «die Leber ist der Filter des Körpers. Hier entsteht die Glukose als Ausgangsprodukt für die Milchproduktion, und die Leber scheidet alle Giftstoffe aus.» Jürg Huber ergänzt: «Auch wenn ich viel Milch aus Grundfutter melke, braucht die Ration einen Ausgleich, damit der Pansen rundläuft.» 

Heikel bezüglich der Lebergesundheit ist vor allem die Startphase. In dieser bauen die Kühe immer etwas Fett ab. Wenn in dieser Phase die Leber mit flüchtigen Fettsäuren überflutet wird, steigt das Ketoserisiko. Folglich sollten die Kühe in optimaler Körperkondition abkalben. Für Jürg Huber mit zwei Rassen nicht einfach zu bewerkstelligen: «Vor allem die OB-Kühe drohen aufgrund der tieferen Milchleistung gegen Ende der Laktation zu verfetten. Doch sie vertragen das und machen normalerweise keine Komplikationen in der nächsten Laktation.»

Schutz vor Leberegeln

Heikel ist auch die Toxinbildung im Futter. «Die Toxinbelastung wird unterschätzt», sind sich Jürg Huber und Ueli Aeschbacher einig. «Man muss die Silos und den Mischwagen konsequent sauber halten, damit sich keine Pilze bilden können.» Bei der Melior kommen die Fütterungsberater auf viele Betriebe. «Wir stellen fest, dass sich nach jahrelangem Gebrauch in den Futtersilos eine dicke Schicht bildet, die eine Infektionsquelle darstellt», betont Ueli Aeschbacher deshalb. «Wichtig ist, dass man die Silowände regelmässig abklopft, damit sich die Schicht nicht bilden kann.»

Für Jürg Maurer ist  auch der Schutz vor Parasiten eine Massnahme für gesunde Lebern und gesunde Tiere: Alle Rinder werden entwurmt, und rund ein Drittel der Kühe wird beim Trockenstellen ebenfalls gegen Magen-Darm-Würmer und Leberegel behandelt. Denn, so hat er erfahren: «Bei Kühen, die sich in der Galtphase oder gegen Ende der Laktation nicht so entwickeln wie gewünscht, wird beim Schlachten häufig die Diagnose ‹Leber kaputt› gestellt.»

An den Milchviehtagen werden Tierärzte aus der Region anhand von Lebern aus dem Schlachthof aufzeigen, wie gesunde und kaputte Lebern aussehen – und wie wichtig es ist, dass es nicht so weit kommt.

Schweizer Milchviehtage

Die Schweizer Milchviehtage haben «Eutergesundheit und Leberschutz» zum Thema. Sie finden statt am 8. Juni auf dem Hof der BG Hochuli&Hilfiker in Kölliken AG und am 13.Juni auf dem Hof von Jürg und Cornelia Huber in Kaltbrunn SG. Neben der Praxisdemo zu Eutergesundheit und Leberschutz  und der Betriebsbesichtigung informiert der SMP zur Situation und zum Ausblick im Milchmarkt. sum

Beginn ist um 9 Uhr, die Teilnahme ist kostenlos (inkl. Mittagessen und Tagungsunterlagen). Anmeldung bis 4. Juni bzw. 8.Juni. Hier gehts zur Anmeldung

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