25.05.2013 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Stall für 150 Milchkühe
Zwei Roboter, sechs Reihen Liegeboxen und zwei Fressachsen
Der Stallbau ist ein Puzzlespiel. Die Zonen fürs Melken, Liegen und Fressen müssen hürdenfrei, tiergerecht und arbeitssparend kombiniert werden. Im neuen Laufstall des Klosters Frauenthal in Hagendorn ZG passen die Teile ineinander.

Zwei Melkroboter, sechs Reihen Liegeboxen, sechs Tränken, zwei Fressachsen – und dazu viel Platz, Licht und Luft.  Auf Letzteres legten Thomas Meier und Adrian Arnold besonders viel Wert, als sie den neuen Milchviehstall für bis zu 150  Kühe planten. Meier und Arnold bewirtschaften in einer Betriebsleitergemeinschaft den Pachtbetrieb des Klosters Frauenthal in Hagendorn ZG mit gegenwärtig 120 Kühen, eigener Aufzucht, Mast und 120ha LN. Arnold ist dabei der Mann für den Acker- und den Futterbau, Meier der Stallchef. «Der alte Laufstall hat den Tierschutzvorschriften nicht mehr genügt», erklärt er. Er und Arnold überlegten sich zuerst einen Umbau. Doch hätten sie beim Tierwohl Abstriche machen müssen. Und das wollten sie nicht.

Fehler nicht wiederholen

Für die Bauführung zuständig waren   Adrian Arnold, Thomas Meier und sein Vater Sebastian sowie Josef Amstutz von der Firma Krieger in Ruswil LU. Deren Konzept «Stallvision 3000» entsprach den Vorstellungen von Meier und Arnold. 
Amstutz, Projektleiter Rindvieh bei Krieger, erklärt: «In einem Milchviehstall müssen alle Puzzleteile zusammenpassen. Es nützt nichts, wenn die Kühe zwar grosse Liegeboxen haben, aber keinen ausreichend breiten Zugang dazu. Wir möchten, dass die Bauern von unseren Erfahrungen profitieren können.»

Freier Umtrieb mit Weide

Den neuen Stall haben Arnold und Meier mit ihren Kühen Ende Oktober 2012 bezogen. Seither werden die Kühe  in zwei DeLaval-Melkrobotern gemolken. Die Tiere bewegen sich frei im Stall und können den Roboter jederzeit aufsuchen. Ein Weidetor gibt den Zugang zur Weide frei. Im Stall gibts eine Mischration, beim  Melken kriegen die Kühe  Leistungs- und Ergänzungsfutter für eine Milchleistung von 8500kg.
Die Fressachsen liegen aussen, die drei doppelständigen Liegeboxenreihen mit 144 Tiefboxen  innen im 10m hohen Stall. An allen Quergängen liefern Trogtränken Wasser, zwei Kratzbürsten sorgen für die Fellpflege. «Wir haben uns für ein spezielles Lichtkonzept entschieden», zeigt Amstutz an die Decke, «die 200-Lux-Strahler verlängern den Tag  auf 16 Stunden. Das steigert die Leistung.» Für die Entmistung in den Laufgängen sorgt ein Schieber, im Warteraum  ist Spaltenboden verbaut. Fressgänge und Warteraum sind mit Gummimatten ausgelegt.  Viel Komfort bietet auch die einzige, grosse 100-m2-Abkalbebox.  Meier zeigt auf die gegenwärtig sechs Frischgekalbten, die im Stroh liegen: «Von der Abkalbebox haben die Kühe direkten Zugang zur Fressachse und zum Roboter.» Ebenfalls  direkt dem Melkzentrum angegliedert ist  die Selektionsboxe. Kühe, die besamt oder behandelt werden müssen, werden direkt selektiert.  Dabei kann Meier auf die moderne Technik zählen. Im Stall in Frauenthal arbeitet nämlich der erste Herdnavigator von DeLaval in der Schweiz.

Trächtigkeitsdiagnose

Das Computerprogramm hat den Stallchef vollumfänglich überzeugt: «Der Herdnavigator sagt mir, wann eine Kuh stierig wird, ob sie trächtig ist, Zysten hat oder ob sich eine Euterentzündung anbahnt. Und seine Prognosen stimmen immer.» Der Herdnavigator stützt sich nicht wie andere Brunsterkennungsprogramme auf die Bewegungsaktivität ab. Er misst vielmehr den Progesterongehalt in der Milch.
Co-Betriebsleiter Adrian Arnold hat seit dem Stallneubau ebenfalls technische Unterstützung bekommen. Dies in Form eines Gülleseparators. «Die separierte Gülle verstopft die Leitungen nicht mehr, und ich habe keinen Mist im Gras», bilanziert er, «zudem sind die Ammoniakverluste tiefer.» So profitieren nicht nur die Kühe, sondern auch der Futterbau vom neuen Stall. «Und die Umwelt», ergänzt Amstutz, «auf dem Dach liefert eine Fotovoltaikanlage Strom fürs Kloster.»

Tag der offenen Tür

Am 1. und 2. Juni von 10 bis 17 Uhr finden auf dem Betrieb in Hagendorn ZG Tage der offenen Tür statt. Ab Autobahnausfahrt Cham (Richtung Sins) ist der Weg markiert. Eine  Festwirtschaft ist vorhanden.

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