10.03.2020 18:52
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Freiberger
Ausgeschlossener Hengst siegt
Der vom Stationstest ausgeschlossene Junghengst Cartoon du Padoc wurde in Deutschland gekört und wird Tagessieger. Die Kritik am Schweizer Freibergerverband, welcher Cartoon ausgeschlossen hat, wächst immer mehr.

«Endlich hat das Gemunkel ein Ende – mit grosser Freude können wir bekannt geben, dass es uns gelungen ist, den Sieger der Hengstselektion Glovelier 2020 für die Deutsche Freibergerzucht zu gewinnen. Soeben wurde er auf der Körung des VPPH in Alsfeld D zum Sieger aller Rassen ernannt. Stationiert wird Cartoon du Padoc bei der Freibergerzucht Aar in Niederneisen», das postete der Freibergerzüchter Gert Reinink aus Deutschland am Samstag auf Facebook.

Und bestätigt auf Nachfrage, dass er der stolze neue Besitzer des Freibergerhengstes Cartoon du Padoc sei, dass er den Hengst von der Züchterfamilie Juillard aus Damvant JU erworben und letzten Mittwoch nach Deutschland importiert habe.    

Erfolg für die Deutschen

Zur Erinnerung: Cartoon, welcher als Sieger an der Hengstselektion in Glovelier JU vom Platz ging, wurde Mitte Februar vom Freiberger-Verband vom laufenden Stationstest in Avenches VD ausgeschlossen, dies, weil der Hengst laut SFV ein zu grosses weisses Abzeichen habe. Der Entscheid des SFV sorgte für grosse Wellen und Kritik in der Freibergerszene. Dies einerseits, weil sich der Verband nicht hinter den Entscheid seiner Zuchtkomission, welche Cartoon in Glovelier durchgewunken hatte, stellte, und andererseits, weil der Ausschluss des Hengstes nicht direkt, sondern erst knapp einen Monat nach seinem glorreichen Sieg in Glovelier und eben mitten im 40-Tage-Test erfolgte.

Nun ist er also weg, der schönste Junghengst der Saison 2020. Und nicht nur das, Cartoon wurde im Rahmen der hessischen Frühjahrsankörung nicht nur zum Zuchthengst gekört, sondern erhielt die  Schärpe des Tagessiegers  über die ingsesamt 17 gekörten Hengste. Ein voller Erfolg für die Deutschen. 

Chance für gute Genetik

«Ich wollte eigentlich gar keinen Hengst mehr kaufen», sagt der pensionierte Pferdezüchter. Die Idee sei entstanden, als er von der Geschichte rund um den Ausschluss von Cartoon erfahren habe. «Cartoon ist ein Prachtskerl. Das war die Chance, für halbwegs akzeptable Konditionen gute Gene nach Deutschland holen zu können», so Reinink, welcher seit 35 Jahren zusammen mit seiner Familie Pferde – zuerst waren es Haflinger, dann Freiberger – züchtet.   

Ganzes Bein angeschaut

«Die Deutsche Freibergerzucht erfolgt in Anlehnung an das Schweizer Zuchtbuch. In der Schweiz vom Stationstest ausgeschlossen und in Deutschland zum Zuchthengst gekört, wie geht das?» «Wir haben mit dem Zuchtverband in Deutschland ganz offen kommuniziert und über Cartoons Geschichte aufgeklärt. Auch bei uns herrscht das Reglement bezüglich der weissen Abzeichen. Das weisse Abzeichen darf auch bei uns nicht über die Kniefalte gehen, jedoch gehen wir dabei von einem Abzeichen aus, das rund um das ganze Bein zu hoch ist und nicht von ein paar Quadratzentimetern Weiss, die an einer einzigen Stelle zu hoch sind», erklärt Cartoons neuer Besitzer.  

Qualität wichtiger 

«Ausserdem haben die anderen Qualitäten des Hengstes die Quadratzentimeter zu viel Weiss in den Schatten gestellt, dies auch in Anbetracht dessen, dass der Zuchtwert für die Vererbung von weissen Abzeichen nur 101 beträgt», fährt Reinink fort.

«Und was halten Sie in Deutschland vom Vorgehen des SFV im Fall Cartoon?» «Bei anderen Konstellationen wäre es nicht so gekommen», meinte der Freibergerfan nur. Er wolle jedoch nicht Öl ins Feuer giessen, habe viele langjährige Freundschaften in der Schweizer Freibergerszene, und diese wolle er auch weiterhin pflegen können. 

«Eine Schande für SFV»

Während Reinink sich bezüglich SFV zurückhält, nehmen die User auf FB unter Reininks Poste, der über 200 Mal gelikt und 100 Mal kommentiert wurde, kein Blatt vor den Mund: 

«Eine Schande für die Verbandsspitze. Wieder mal Vollgas an der Basis vorbei. Herzlichen Glückwunsch für den Hengst, ich bin sicher, er ist für die Rasse ein Gewinn, und diejenigen, die ihn hier in der Schweiz verhindert haben, mögen sich in den Allerwertesten beissen vor Neid auf die deutschen Fohlen», wird geschrieben. 

Oder: «Ich freue mich, dass dieser Prachtskerl als Hengst der Freibergerzucht erhalten bleibt. Schäme mich aber gleichzeitig als Schweizerin, dass dieses Juwel in der Schweiz nicht geschätzt wurde. Ein grosser züchterischer Verlust für die Schweizer Zucht. Fantastisch, umso mehr, dass seine Qualität in Deutschland erkannt wurde», um nur zwei Beispiele zu nennen.

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