8.06.2018 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tierquälerei
Bekannte von Pferdequäler verurteilt
Weil sie Pferde hungern liess und nicht richtig pflegte, ist eine Bekannte des mutmasslichen Tierquälers von Hefenhofen wegen Tierquälerei verurteilt worden. Die 33-Jährige erhielt eine bedingte Geldstrafe von 700 Franken und eine Busse von 400 Franken.

Drei der halb verhungerten Tiere gehörten dem Pferdehalter aus Hefenhofen TG, der im vergangenen Sommer einen der grössten Tierschutzskandale der Schweiz auslöste.

Die St. Galler Amtstierärztin kontrollierte den Stall der Beschuldigten in Mels bereits im Februar 2016 und stellte bei vier Pferden und einem Pony eine starke Unterernährung fest. Zwei Pferde - beide gehörten dem befreundeten Tierhalter aus Hefenhofen - waren bis auf die Knochen abgemagert.

Kein Liegeplatz

Weiter stand den Pferden und Ponys laut Anklage kein Liegeplatz mit ausreichend sauberer und trockener Einstreuung zur Verfügung. Auch fehlten im Gruppenstall die vorgeschriebenen Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten.

Sie sei keine Tierquälerin, sagte die Beschuldigte dem Einzelrichter des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland. Sie habe den Pferden und dem Pony genügend Futter gegeben. Die Tiere seien jedoch krank oder verletzt gewesen, deshalb hätten sie nicht richtig gefressen oder zugenommen.

Eine Stute habe eine Magendrehung gehabt, eine andere beim Decken eine Verletzung erlitten und das unterernährte Pony habe faule Zähne gehabt und deshalb nicht richtig fressen können, sagte die 33-jährige Tierhalterin, die ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war.

«Klapperdünne» Tiere

Der Richter liess die Ausreden der Beschuldigten nicht gelten. Warum die Tiere «klapperdünn» waren, bleibe dahingestellt, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. Er stelle auf den Bericht der Fachperson ab und habe die Pferdehalterin deshalb - wie von der Anklage gefordert - wegen mehrfacher vorsätzlicher Tierquälerei schuldig gesprochen. Laut Tierschutzgesetz wäre sie verpflichtet gewesen, die kranken Tiere behandeln zu lassen.

Weil die alleinerziehende Mutter momentan nur von der IV-Rente ihres behinderten Sohnes lebt, reduzierte das Gericht die bedingte Geldstrafe von 2800 auf 700 Franken. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Frau wollte vor den Medien keine Stellung zum Urteil nehmen. Damit sie unbehelligt gehen konnte, mussten die Zuschauer und Medienschaffenden nach der Verhandlung einige Minuten im Gerichtssaal warten.

 

Ungenügende Kontrollen

 

Der Fall Hefenhofen hatte im vergangenen August wochenlang für Schlagzeilen gesorgt. Nach Medienberichten über verendete und verhungernde Pferde räumten die Thurgauer Behörden den Hof und beschlagnahmten rund 250 Tiere, darunter gegen 100 Pferde. Diese wurden später versteigert.

Obwohl der einschlägig vorbestrafte Tierhalter sich gegen jeden Behörden-Entscheid wehrte und sich nicht an ein Teiltierhalteverbot hielt, kontrollierte das Thurgauer Veterinäramt den Querulanten jeweils nur nach Vorankündigung. Gegen die Verantwortlichen laufen Strafverfahren. Der Thurgauer Regierungsrat setzte eine Untersuchungskommission ein. Die Ergebnisse sollen im Spätsommer veröffentlicht werden.

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