15.07.2018 10:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Avenches VD
Ein Jahr nach Feuerinferno
Im Interview erzählt Jean-Pierre Kratzer, Direktor der Iena (Institut équestre national) in Avenches VD, wie es nach dem Brand vor einem Jahr weitergegangen ist. 24 Pferde und Ponys starben damals bei der Brandstiftung.

«Schweizer Bauer»: Können Sie noch einmal kurz schildern, was in der Nacht auf den 15. Juli 2017 passiert ist?
Jean-Pierre Kratzer: Um ca. ein Uhr in der Nacht wurde der Brand an einem Wohnhaus inklusive den angrenzenden Stallungen, die im Zentrum der Iena liegen, sowie bei der Ponytrabschule, welche sich im äusseren Bereich der Anlage befand, festgestellt. Die Familie im Wohnhaus, meine Tochter mit ihren Kindern, konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, doch für 24 Tiere, darunter elf Ponys der Ponytrabschule, kam jede Hilfe zu spät. Sie sind verbrannt. Auch die Gebäude sind komplett ausgebrannt.

Wie hoch war der Schaden?
Der Sachschaden betrug über 2,6 Millionen Franken. Dazu kommt der emotionale Schaden. Bei den rund 50 Schülern, die «ihre» Ponys verloren haben, bei den privaten Pferdebesitzern und Trainern, deren eigene oder Ausbildungspferde verbrannt sind. Ich selber habe auch ein paar Pferde verloren. Die Iena ist mein Baby. Wer ihr schadet, trifft mich ins Herz. 

Die Brandspuren sind verschwunden, stattdessen herrscht an der Brandstelle emsiges Treiben. Wann haben Sie sich entschlossen, die Stallungen und das Wohnhaus wieder aufzubauen?
Sofort. Um ein Uhr in der Nacht hat es damals gebrannt. Um 9 Uhr stand die Versicherung auf Platz. Es war ein Samstag, am gleichen Tag wurde der Architekt, mit dem wir zusammenarbeiten, informiert, und am Montag war er vor Ort. 

Was ist der heutige Stand der Dinge bezüglich Bauarbeiten?
Das Haus und der angrenzende Pferdestall mit 32 Boxen sind quasi fertig. Ende Monat wird eingezogen.

Wie sieht es mit dem Stall für die Ponytrabschule aus?
Der Bau beginnt bald und wird voraussichtlich bis April 2019 dauern. Wir haben uns entschlossen, die Ponytrabschule näher zum Zentrum zu holen. Deshalb wird der abgebrannte Stall nicht wieder aufgebaut. Stattdessen renovieren wir den alten Kuhstall. 24 Boxen sollen entstehen.

Aber die Ponytrabschule hatte doch nur 14 Ponys, soll sie vergrössert werden?

Wir haben noch ein zusätzliches Projekt mit den Ponys. Es soll nicht mehr nur eine Trabschule sein, sondern wir wollen den Kindern künftig auch die Möglichkeit geben zu reiten.

Der Grossteil der Ponys ist in den Flammen umgekommen. War die Ponytrabschule nun ein Jahr lang geschlossen?

Nein, wir haben den Kontakt zu den Schüern und Eltern aufrechterhalten und versucht, keine Zeit zu verlieren. Anfang des Jahres wurden 14 Ponys der Rasse Gotland Russ aus Frankreich und Schweden gekauft. Auch das Material, die Sulkys und Rennkleider, wurde neu angeschafft, und die Ponytrabschule hat den Betrieb wieder aufgenommen. Sie sind vorübergehend in einer der Pferdestallungen der Iena untergebracht. Wir freuen uns, am 17. Juli, fast genau ein Jahr nach dem Brand, das erste Rennen mit der Ponytrabschule fahren zu können.

Wie haben Sie das Jahr erlebt?
Es war aktiv. Mit dem Bau ist es vorangegangen. Der Brand ist nicht vergessen, aber das Leben geht weiter. Mein Motto ist: In jedem Unglück hat es auch etwas Positives. Man muss offen sein und vorwärts schauen. Und die Chancen wahrnehmen, die sich einem bieten.

Was war in der ersten Bauphase die grösste Herausforderung?
Sobald man sich entschieden hat zu bauen, gibt es nichts Schwieriges. Man muss es nur tun.

Was haben Sie aufgrund des Sicherheitskonzeptes der Iena vorgenommen?
Auf dem ganzen Gelände wurden Kameras angebracht, und es ist nun Video-überwacht.

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