21.07.2018 11:57
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Stallwettbewerb (2/6)
Ein Stall mit Raum für Aktivität
Bei Familie Bieri in Mühledorf leben 22 Pferde verschiedener Rassen unter einem Dach. Der Aktivstall ist bestens an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere angepasst. Ein Ort, wo sich Ross und Mensch zu Hause fühlen.
Zwischen Thun und Bern am südlichen Ausläufer des Belpbergs mit Blick auf die Bergkette Eiger, Mönch und Jungfrau liegt im bernischen Mühledorf der Bauernhof der Familie Bieri. Dort wo gerade eine neue Belüftung für Pferdeheu eingebaut wird, ertönt von der anderen Seite her eine freundliche Stimme aus einer bunten Mischung von Pferden hervor. Es ist nicht nur die Herzlichkeit der ganzen Familie, die den Stall so besonders macht, sondern auch ihr spezielles Konzept.

Elektronische Fütterung

Stephan und Regina Bieris Aktivstall ermöglicht den pferdischen Gästen, ihren natürlichen Bedürfnissen nach Bewegung, häufiger Futteraufnahme und Körperkontakt mit Artgenossen nachzukommen. Ganztags leben die 22 Tiere zusammen in einer Herde und teilen sich einen grossen Auslauf, der in verschiedene Funktionsbereiche unterteilt ist.

 Vor Bieris Wohnhaus  befinden sich vier computergesteuerte Raufutterstationen. Diese sind mit Heu aus eigener Produktion gefüllt. Je nach Rasse und Körpergewicht des Pferdes wird mit dessen Besitzer die individuelle Futtermenge bestimmt. Und daraus die Anzahl über den Tag verteilter Portionen festgelegt. Diese Informationen werden im Computer gespeichert. 

Bei Kontakt mit einem Chip, der sich um den Hals des Pferdes befindet,  öffnet sich eine Schleuse und verschafft dem Tier während einer bestimmten Zeitspanne Zugang zum Futter.
 
Boden hält Hufe gesund

Von der Raufutterstation weg führt ein rund 200 m langer und 6 m breiter Pfad zur 160 m2 grossen Liegefläche. Die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit dieses Rundweges (Beton, Verbundstein, Schwefelberg-Grien, Rundkies, Sand, Holzschnitzel) trägt nebst der Abwechslung zur optimalen Hufgesundheit bei. Wobei der scharfkantige Split  zu einem natürlichen Abrieb führt und die Durchblutung anregt.
 
Die angeschlossene Liegehalle ist gut durchlüftet. Sie verfügt über diverse Raumteiler und Beschäftigungsposten. Auch die Kraftfutterstation ist gleich nebenan  stationiert. Diese wiederum enthält Hafer, ein haferfreies Alternativfutter sowie eine Mineralstoffmischung, deren Dosierung ebenfalls über den Computer gesteuert portionenweise ausgegeben wird. Frischwasser steht in einem grossen Brunnen, der durch die eigene Quelle gespiesen wird, jederzeit zur Verfügung.

Das gezielte Auseinanderhalten von Futter-, Tränke- und Liegeplatz fordert die Tiere zur ständigen Bewegung auf. Frühling bis Winter darf die Herde zudem täglich bis zu 2 Stunden auf der naheliegenden Koppel weiden. Den Pensionären steht ein Reitplatz mit verbauten Kunststoffmatten zur Verfügung, der gelenkschonendes Arbeiten mit dem Pferd ermöglicht.

Familiäre Atmosphäre

«Uns lag besonders das Wohl der Pferde am Herzen, als wir uns für den Stallbau entschieden», erklärt Regina Bieri. Im 2013 musste die Familie wegen geänderter Tierschutzvorschriften ihre Milchwirtschaft einstellen.

Nach intensiver Beratung entschieden sich der gelernte Schreiner und  Landwirt und die Lebensmitteltechnologin schliesslich für eine artgerechte Pensionspferdehaltung, die trotz unfallbedingter gesundheitlicher Einschränkungen Stephan Bieris machbar ist.

«Wir sind maschinell gut ausgerüstet», erklärt Stephan Bieri, «ausserdem unterstützen uns die Pensionäre, wo sie können, dafür sind wir sehr dankbar.» Jetzt, wo er wegen einer weiteren Operation ausfällt, hätten diese zur Entlastung der Familie gar kurzerhand einen Stallplan zusammengestellt. Es scheint ein Geben und Nehmen.

Die Stallregel «Unterschiedliche Pferde – unterschiedliche Meinungen  – gegenseitiger Respekt» wird vorbildlich gelebt. Alle drei Monate am Stallhöck tauschen Pensionäre und Besitzer gegenseitige Anliegen aus. Und auch sonst wird das familiäre Verhältnis grossgeschrieben. 

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Regina und Stephan Bieri
Standort: Mühledorf BE,  14 ha
Anzahl Pferde: 22
Betriebszweige: Pensionspferdehaltung, Futter- + Ackerbau, Einmann-Lohnunternehmen.

Arbeitskräfte: Regina, Stephan und Nelly Bieri
Haltungsform: Gruppenhaltung.
Pensionspreis: 729 Franken pro Monat für Pferde,  300 Franken pro Monat für Ponys.
Dienstleistung: Fütterung, Misten, täglicher Weidegang, Benützung Viereck, Parkplatz, Aufenthaltsraum mit Küche, Garderobe, eigene Sattelkammer.
Zusatzleistungen: Wäscheservice. 
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