30.01.2018 14:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Pferde
«Empfehlen nach wie vor Schichtsystem»
Iris Bachmann von Agroscope, Schweizer Nationalgestüt, ist Mitarbeiterin der Beratungsstelle Pferd in Avenches VD. Im Interview erklärt sie, worauf man beim Bau eines Pferdeauslaufes besonders achten muss.

"Schweizer Bauer": Ein Landwirt möchte für seine Pensionspferde einen befestigten Auslauf bauen. Welche gesetzlichen Voraussetzungen muss er beachten? 
Iris Bachmann: Einerseits die Vorschriften aus der Tierschutzverordnung (TschV), aufgrund dem man unter anderem die Mindest-Flächenmasse einhalten muss, falls der Auslauf den Anforderungen an die freie Bewegung genügen soll. Ebenfalls darf die Einzäunung nicht mit Strom erfolgen, falls der Auslauf kleiner ist als die Mindestfläche nach TSchV. Andererseits müssen die Vorschriften aus dem Raumplanungsgesetz (RPG) und aus der Raumplanungsverordnung (RPV) beachtet werden. Sie verlangen, dass der Auslauf direkt an den Stall angrenzen muss (Ausnahmen höchstens aus zwingenden Gründen, zB. starke Hangneigung).

Und was noch?
Zudem schränken sie in der Landwirtschaftszone die Grösse der Auslauffläche ein. Es ist eine Maximalfläche pro Pferd festgelegt. Falls es sich um eine spezielle Gewässerschutzzone handelt (oder um sonst eine spezielle Zone) können allenfalls weitere Auflagen bestehen. In Zukunft dürfte dann noch mit neuen Verschärfungen betreffend Mindestabständen von Tierhaltungen zu Wohnbauten zu rechnen sein.

Haben wir richtig verstanden: Es gibt für Pferdeausläufe sowohl Mindest- wie auch Maximalflächen?
Ja. Die Tierschutzgesetzgebung legt ein Minimum an Auslauffläche pro Pferd fest, empfiehlt aber weitaus grössere Ausläufe. Die Raumplanungsgesetzgebung hingegen grenzt Ausläufe auf eine Maximalfläche ein, um Kulturland zu schützen. Die Minimalfläche nach TSchV muss in der Regel von den Baubehörden bewilligt werden. Die grosszügige Maximalfläche hingegen wird erfahrungsgemäss eher selten zugelassen. In jedem Fall nur dann, wenn die vorgesehene Bodenbefestigung ohne grossen Aufwand wieder entfernt werden kann und wenn nicht Fruchtfolgeflächen oder Landschaftsschutz tangiert werden.

Welche Anforderungen muss ein befestigter Auslauf für Pferde generell erfüllen? 
Je nachdem, wie gross der Auslauf ist und ob er permanent oder nur stundenweise zugänglich ist, werden Pferde sich mehr und in schnelleren Gangarten bewegen (Elastizität des Bodens ist wichtig) oder weniger und nur im Schritt (mehr Wert auf einfache Reinigung legen, also härterer Boden, keine tiefe Tretschicht). Das führt zu einer unterschiedlichen Anforderung an die Tretschicht. Generell soll diese Folgendes erfüllen: trittfest, wasserabführend, staubfrei, umweltverträglich. Im Weiteren ist besonders auf eine gute Einzäunung zu achten (kein Verletzungsrisiko, aber ausbruchssicher und im Idealfall auch einbruchssicher, zB. gegen Hunde, Kleinkinder!).

Was sind die häufigsten Probleme und Herausforderungen beim Bau eines Pferdeauslaufes?
Raumplanungsvorschriften, Investitionskosten und Platzverhältnisse.

Welche Punkte muss man vor dem Bau eines Pferdeauslaufes unbedingt beachten, was sind die Schlüsselfragen, damit man zum passenden Pferdeauslauf gelangt?
Wozu soll der Auslauf dienen? Soll er den Pferden tatsächlich Bewegung verschaffen (und teilweise die Nutzung ersetzen) oder dient er eher nur als Kleinst-Auslauf, damit sie an der frischen Luft stehen und am Umweltgeschehen teilhaben können? Ist der Auslauf permanent zugänglich oder nur stundenweise? Wie wird der Auslauf gepflegt? Darf er viel Pflege- und Unterhaltsarbeit verursachen oder weniger? Wie lange soll er halten? Wie ist der Unterboden, die Geländetopografie?

Ist das Schichtsystem (Trag-, Trenn- und Tretschicht) immer noch das gängige System beim Bau von Pferdeausläufen? 
Ja, Zurzeit können wir keine Alternative zum Schichtsystem empfehlen. Aber man sucht seit Längerem nach Alternativen. Teilweise, um Kosten zu sparen (das ist jedoch nicht nachhaltig!) oder als Versuch, weniger mit der Raumplanungsgesetzgebung in Konflikt zu kommen.

Wenn Sie von der Beratungsstelle Pferd einen eigenen Pferdeauslauf bauen würden, welche Schichtmaterialien würden Sie für die Trag-, Trenn- und Tretschicht empfehlen?
Wie bereits gesagt, würden wir die Tretschicht je nach Verwendungszweck wählen. Trag- und Trennschicht bleibt dabei die gleiche. Bei der Wahl der Tretschicht gilt es auch zu beachten, ob es sich um beschlagene oder um Barhufpferde handelt. Letztere können bei gewissen Materialien (zB. Jurakalkschotter) Probleme kriegen. Der Tretschicht kommt also bei unbeschlagenen Pferden sehr grosse Bedeutung zu.

Was beachten Sie bei einer dauernd zugänglichen, grossen Fläche (zB. bei einem Gruppenlaufstall)?
Die Pferde bewegen sich erfahrungsgemäss vor allem im Schritt. Zudem haben sie alle Zeit zu lernen, wie man sich auf dem Boden bewegt, damit man möglichst nicht rutscht. Eine harte, einfach zu reinigende Tretschicht (Stabimergel oder Ähnliches, rund um Futterstellen sogar Asphalt, Verbundsteine) eignen sich für diese Auslaufart  gut. Wenn möglich sollte man auch Bereiche anbieten mit Sand oder Schnitzeln zum Wälzen/Liegen.

Wie sieht es bei einem Auslauf aus, der nur stundenweise zugänglich ist und grosse Fläche aufweist?

Wenn sich die Tiere nur stundenweise frei im Auslauf bewegen können, ist die Tendenz gross, dass sie galoppieren und herumtoben. Deshalb muss der Boden elastisch sein und eine relativ tiefe Tretschicht aufweisen, zum Beispiel aus gewaschenem Sand.

Es gibt viele Pferde, die in Einzelboxen mit einem kleinen Auslauf, der direkt von der Boxe aus zugänglich ist, gehalten werden. Was gilt es bei einem solchen Auslauf zu beachten?
Der Auslauf soll in diesem Fall nicht zum Liegen animieren und einfach sauber zu halten sein. Hierfür eignen sich zum Beispiel Asphalt, Verbundstein, Kunststoffplatten.

Was sind die Vorteile und Nachteile der verschiedenen empfohlenen Schichtmaterialien?
In der Regel gibt es Vorteile und Nachteile betreffend Investitionskosten, Langlebigkeit, Wasserabführung, Arbeitsaufwand beim Reinigen, Umweltverträglichkeit, Komfort für das Pferd, Trittfestigkeit, Rutschsicherheit, Ästhetik, Lärmdämpfung, sogar Abfärben auf Pferdefell (z.B. Ziegelsand färbt das Fell rötlich).

Gibt es Materialien, die man mit der Zeit austauschen muss?
Eigentlich alle! Nicht einmal ein Betonboden hält für die Ewigkeit. Die Kräfte, denen ein Auslaufboden durch Pferdehufe, Mist und Urin, Wischen und Kehren, etc., ständig ausgesetzt ist, werden immer unterschätzt. Insbesondere von Tiefbaufirmen, die nicht über Erfahrung mit Pferdeausläufen verfügen.

Empfehlen Sie Ausläufe mit unterschiedlichen Tretschichten?

Ja, das wäre optimal. Als Bereicherung der Umwelt fürs Pferd, für die Wahl des Aufenthaltsortes je nach Befindlichkeit. Und es stärkt die Hufgesundheit (insbesondere bei unbeschlagenen Pferden) und die Trittsicherheit (das Pferd lernt, sowohl auf harter als auch auf weicher Unterfläche zu gehen, auf trittfestem oder auch mal auf etwas rutschigem Boden, etc.).

Was muss man bei der Auslaufgestaltung  nebst der Bodenbeschaffenheit beachten?

Einzäunung! Eine der häufigsten Verletzungsquellen in der Pferdehaltung. Praktische, aber sichere Tore (an Schubkarre denken!). Allenfalls «Menschen-Schlupf» (Mensch kann hindurch, aber Pferd nicht) und Schleusen (Sicherheit, beim Herausnehmen eines einzelnen Pferdes aus der Gruppe). Strukturierung des Auslaufs (verschiedene Qualitäten in verschiedenen Bereichen). Das animiert zu Bewegung.

Gibt es gestalterische Elemente, die Ihrer Meinung nach in keinem Pferdeauslauf fehlen dürfen?
Jeder Auslauf ist schon mal besser als gar kein Auslauf. Aber tatsächlich bringt eine grosse Fläche nicht viel, wenn das Pferd trotzdem nur immer in einem Bereich steht und die Fläche nicht ausnutzt. In diesen Fällen sollte die Tränke möglichst entfernt installiert werden und/oder eine Futterstelle im selten genutzten Bereich angebracht werden. Vordächer werden von Pferden immer sehr geschätzt: Die Tiere sind dann zwar draussen, aber trotzdem vor gröbstem Regen und starker Sonne geschützt. Zudem regnet es weniger in den Stallbereich hinein.

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