20.06.2020 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Kathrin Herren
Interview
Er verkauft Pferde auch ohne Feldtest
Roland Kathriners Nelia holt am Feldtest in Eiken AG den Sieg. Die späte Durchführung der Zuchtprüfungen sorgt für Chaos. Trotzdem sind einige seiner Pferde bereits verkauft. Auch via Videoaufnahme nach Deutschland.
«Schweizer Bauer»: Gratulation. Die von Ihnen gezüchtete Stute Nelia holte am Feldtest in Eiken AG den Sieg. Haben Sie das erwartet? 
Roland Kathriner: Ich habe mit einem guten Rang gerechnet. Aber für mich zählt nicht der Rang, sondern dass jedes Pferd zeigen kann, was es draufhat.

Nelia stammt aus ihrer Zucht. Sie präsentieren aber auch fremde Pferde.
In diesem Jahr hatte unser Betrieb 15 Feldtest-Pferde angemeldet, neun stammen nicht aus eigener Zucht.

Die ersten Rösser standen im März in den Startlöchern. 
Weil die Feldteste bis Juni abgesagt wurden, mussten wir die Pferde ohne Prüfung an den Besitzer zurückgeben. Einige werden nochmals für zwei Wochen zu uns kommen, um das Gelernte kurz vor der Beurteilung aufzufrischen.

Für Züchter ist ein guter Feldtest ein Verkaufsargument.
Auch für mich. Manche Pferde habe ich aber bereits ohne Feldtest verkauft. Schliesslich ist das Pferd das gleiche; mit oder ohne Beurteilung. 

Sie nutzen die Vermarktungs-Unterstützung e-FM also nicht?
Momentan nicht. Der Sagenhof hat eine gewisse Grösse und einen guten Kundenstamm. Ich habe meine Pferde bevor sie auf der nationalen Verkaufsliste aufgeführt werden, bereits verkauft. Aber ich finde das Angebot überzeugend. Kunden fahren oft nicht wegen einem Pferd zum Züchter. Sie wollen sich mehrere Tiere anschauen und dann auswählen. Geben Züchter ihre Tiere zur Vermarktung in einen Verkaufsstall, ist das immer mit Kosten verbunden. Das e-FM bietet kostenlos die Möglichkeit Rösser einem breiten Publikum anzupreisen. 

Sehen Sie Nachteile?
Pferde, die beim e-FM gut abschneiden, sind solche, die auch ohne diese zusätzlichen Persönlichkeitstests gut verkauft werden. Dann gibt es solche die ängstlicher, vorsichtiger und schlechter vorbereitet sind. Fällt die e-FM-Beurteilung negativ aus, wird es sehr schwierig diese zu verkaufen. Ziel muss es sein, für jedes Pferd den geeigneten Besitzer zu finden. Kommen die Kunden erst einmal auf den Hof, gibt es viele Überraschungen. Manchmal gehen die Leute mit einem ganz anderen Pferd nachhause.

Kommen denn die Kunden trotz Corona auf den Betrieb?
Vor allem die inländischen Kunden kamen trotzdem. Die Deutschen konnten wegen der geschlossenen Grenzen nicht persönlich auf dem Hof vorbeischauen. Das hat sich nun mit der Grenzöffnung geändert.  Einen Verkauf nach Norddeutschland konnten wir sogar per Video abhandeln.
 
Das braucht Vertrauen und auch Mut. 
Die Kundin war überrascht, dass es ein dreijähriges Pferd gibt, dass man Reiten und Fahren und ganz vielseitig einsetzen kann. In Norddeutschland ist der Freiberger eher unbekannt. Zudem war es ein spezielles Pferd. Ein dunkler Wallach, der als Hengst ein ehemaliger Zuchtanwärter war.  

Verkaufen Sie viele Pferde nach Deutschland?
Die meisten Rösser verkaufe in im Inland, teils in die nahe Region. Die Verkäufe nach Deutschland schwanken von Jahr zu Jahr stark. Die MWST ist ein Thema. Und auch der Eurokurs. Kauft ein Deutscher einen Freiberger in Frankreich, kommt er sicher günstiger weg. 

Trotzdem sind einige bereit diese in der Schweiz zu kaufen. 
Ja, das spricht für unsere Rasse. Wir liegen in der Beliebtheitsskala der Pferdezucht in Deutschland auf dem 5. Platz. Deutsche Rassen werden vor allem im Leistungssport eingesetzt. Der Freiberger ist ein Freizeitpferd.

Verkäufe ins Ausland sind auch immer Werbung.
Das stimmt, aber ich verkaufe nicht nur, ich führe Besitzer und Ross zusammen.

Was heisst das?
Interessierte dürfen bei uns mehrere Tage auf dem Hof verbringen, damit sie das Pferd kennen lernen können. Sie erhalten Tipps, wie man das Pferd managt, den richtigen Zugang zu ihm findet. Gerade für Kunden, die ihr Pferd im Freizeitbereich einsetzen, vielleicht weniger Erfahrung haben, ist das besonders wichtig. Auch nach dem Verkauf unterstütze ich. Die neuen Besitzer dürfen mir jederzeit Fragen stellen.

Tun diese das auch?
Ich beantworte täglich Mails. Würdest du dies oder jenes machen? Ist das normal? Diese Unterstützung sollte auch vom Schweizer Freibergerverband mehr gelebt werden. Es ist eine Chance für unsere Freibergerzucht. 

Wie meinen Sie das?
Die Anzahl der Züchter nimmt ab, die Genossenschaftsmitglieder werden älter, es ist deshalb wichtig, dass wir junge Züchter, und auch Besitzer finden, die zu uns in die Genossenschaft kommen. 

Besitzer, die nicht züchten, fühlen sich eher einem Reitverein gehörig.
In Reitsportvereinen heisst es rasch einmal, bring ein gutes Pferd und mach erst einmal die Lizenz. Das ist natürlich etwas überspitzt. Aber auch weniger ambitionierte Freizeitpferdehalter wollen sich austauschen, warum nicht in Pferdegenossenschaften. 

Sie gehören zu den Ambitionierten. 
Ich nehme mit meinem Freiberger an Springturnieren teil und fahre Promotionen. Ich will ein Pferd, dass ein bisschen Gang und Power hat. Aber beim Freiberger steht immer noch der Charakter an oberster Stelle. Wenn ich einen Hengst auswähle oder ein Fohlen kaufe, muss ich die Vorlieben des Kunden und nicht meine persönlichen in den Vordergrund stellen. Es gibt wenige Reiter, die im Freiberger ein top Sportpferd suchen. 

Ihre Nelia hat am Feldtest in Eiken gesiegt. Sie bringt den Charakter und die Gänge mit. 
Ja, das ist natürlich toll. 

Ist sie bereits verkauft?
Nelia geht zu einer jungen Familie, die mit der Freibergerzucht beginnt. Der Sagenhof wird Nelias Fohlen übernehmen und verkaufen. Ich werde die die Familie bei der Hengstauswahl unterstützen. So oder so ist es meine Aufgabe als Präsident der Freiberger Pferdezuchtgenossenschaft Sursee/Hochdorf Züchter zu motivieren. Vor allem gerade Neuzüchter. In unserem Verein möchte ich Freiberger Züchter und Nutzer zusammenführen.


Betrieb und Person
Roland Kathriner ist Präsident der Freiberger Pferdezuchtgenossenschaft Sursee/Hochdorf und Vertreter der Zentralschweiz in Vermarkungskommission des Schweizer Freibergerverbandes. In Römerswil LU führt er einen Betrieb mit 40 Freibergerpferden. Dazu gehören vier bis sechs Zuchtstuten mit Fohlen. Die Gruppen werden jeweils mit zugekauften Fohlen aufgefüllt. Der Betrieb umfasst 15 Ha Land, davon 1 ha Ackerbau und 14 ha Futterbau und Weiden. 1998 wurde die Schweinehaltung und 2013 die Milchwirtschaft eingestellt. Standbeine sind heute die Pferdepension sowie die Ausbildung und der Verkauf von Jungpferden. 

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