4.03.2018 08:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Fleisch
Faire Preise für Pferdefleisch
L' Originale – Viande chevaline suisse heisst eine Vermarktungsoffensive für Schweizer Pferdefleisch. Bisher machten drei Metzgereien mit. Die hiesige Produktion soll faire Preise erzielen. Ein weiter Weg.

Pferdefleisch fristet ein Nischendasein, gerade mal 390 g werden in der Schweiz pro Kopf und Jahr davon gegessen – bei einem Fleischkonsum von insgesamt knapp 51 kg. Wobei Letzterer angesichts des blühenden, aber nicht einkalkulierten Einkaufstourismus noch höher liegen dürfte. 390 g pro Kopf, das entspricht einer Wertschöpfung von rund 50 Millionen Franken.

Projektstart im Jura


«L' Originale – Viande chevaline suisse» heisst die Vermarktungsoffensive, die nun der Randständigkeit des Pferdefleischs entgegengehalten wird. Lanciert haben das Projekt die Fédération jurassienne d'élevage chevalin, der Freiberger-Zuchtverband sowie das Bundesamt für Landwirtschaft. Der Startschuss ist im vergangenen Dezember im jurassischen Noirmont gefallen. Der Projektverantwortliche Olivier Lapaire betont aber, dass «Viande chevaline suisse» keineswegs ein jurassisches Produkt sei.

Neue Rezepte

25 Metzgereien will die Organisation bis 2021 im Boot haben, bisher engagierten sich drei. Sie sind die Speerspitze des Projekts – und mit ihnen die vier lancierten Produkte: eine Trockenwurst, eine Brühwurst, eine Terrine sowie Frischfleisch. Daneben wurden gemeinsam mit dem Metzger-Ausbildungszentrum  in Spiez, das auch bei der Anwerbung zusätzlicher Mitstreiter unterstützt, diverse neue Rezepte entwickelt, in denen das Pferdefleisch im Fokus steht. Darunter findet man etwa ein Pferdecarpaccio mit Sbrinz, Pferderagout-Grillspiesse oder den Parmentier, einen Pferdehackfleisch-Kartoffelpüree-Auflauf.

Damit wolle man die Wertschöpfung für Schweizer Pferdefleisch verbessern, erklärt Lapaire. Im Fokus steht, das hiesige Fleisch besser zu vermarkten und entsprechend höhere Preise zu erlösen – mit Tierwohlgarantie, kurzen Wegen und fairen Preisen für die Bauern.

Mit Emotionen verbunden

«Weniger als zehn Prozent des konsumierten Pferdefleischs in der Schweiz ist einheimisch», erklärt Lapaire. Dieser Anteil werde unverändert bleiben. Viande chevaline suisse geht es also nicht um eine Erhöhung des Pferdefleischabsatzes: «Wir wollen den Konsumenten nicht davon überzeugen, dass er Pferdefleisch essen soll.»

Das dürfte auch schwierig werden, denn das Pferd gilt hierzulande v.a. als Sport- und Freizeittier, sein Stand als Nahrungsmittel ist ein schwerer. Skandale wie jener von 2013 sowie immer wieder neue Bilder leidender Pferde, vor allem aus südamerikanischen Schlachthöfen, ziehen das Image zusätzlich in Mitleidenschaft. Und hierzulande lassen Pferdebesitzer ihre Tiere lieber einschläfern, als sie zu schlachten. 

Minimer Mehrpreis

Der Grossteil des Pferdefleisches wird also importiert, wichtigster Lieferant ist Kanada. Die Schweizer Produktion wird häufig zu ähnlichen Preisen wie Importware gehandelt – mit einem Richtpreis von 3.50 Fr./kg Schlachtgewicht (SG). Lapaire rechnet vor: Um die Aufzuchtkosten zu decken, wären 10 bis 12 Fr./kg SG nötig. 1Fr./kg zahlen die am Projekt Viande chevaline suisse teilnehmenden Metzger den Züchtern heute mehr.

www.viande-chevaline-suisse.ch

Jüngster Skandal

Erst vor einer Woche publizierte der «Kassensturz» neue Grusel-Bilder aus südamerikanischen Pferdefarmen. Der Tierschutzbund Zürich dokumentiert die Missstände dort seit Jahren. Seit einiger Zeit bieten die Schweizer Detailhändler deshalb kein Pferdefleisch aus Übersee mehr an, sondern beziehen ihre Ware aus europäischen Ländern wie Polen, Frankreich oder Spanien. In der Gastronomie ist der Einsatz des günstigen Pferdefleisches aus Südamerika oder aus Kanada aber noch weit verbreitet. big

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